" Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt /
Und läßt andere kämpfen für seine Sache /
Der muß sich vorsehen; denn /
Wer den Kampf nicht geteilt hat /
Der wird teilen die Niederlage. /
Nicht einmal den Kampf vermeidet /
Wer den Kampf vermeiden will; denn /
Es wird kämpfen für die Sache des Feinds /
Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."

"Man muß so radikal sein wie die Wirklichkeit."
Bertolt Brecht




Dienstag, 14. Mai 2013

„Selbstbestimmung statt Gruppenzwang“

Abschlusserklärung der Kritischen Islamkonferenz 2013


In der Islam- und Integrationsdebatte haben sich die Fronten verhärtet: Während die einen jegliche Kritik an der patriarchalen Herrschaftskultur des orthodoxen Islam ablehnen, schüren die anderen eine gefährliche Muslim-Feindlichkeit, die die beträchtlichen Differenzen innerhalb des „muslimischen Spektrums“ unzulässig ausblendet. Die Kritische Islamkonferenz widersetzt sich solchen Fehlwahrnehmungen und den daraus resultierenden Feindbildern: Einerseits hält sie den Propagandisten und Verteidigern des politischen Islam entgegen, dass die Religionsfreiheit kein Freibrief ist, sich über die grundlegenden Werte des säkularen Rechtsstaates hinwegzusetzen, andererseits grenzt sie sich von jenen ab, die die notwendige Kritik an freiheitsfeindlichen Entwicklungen innerhalb der „muslimischen Communities” missbrauchen, um fremdenfeindliche Ressentiments zu schüren.

Der Grundfehler der deutschen Islam- und Integrationsdebatte besteht darin – und hier arbeiten Islamisten und antimuslimische Rechtspopulisten seltsamerweise Hand in Hand! –, dass die Individuen allzu oft auf religiöse oder ethnische Gruppenidentitäten reduziert werden, was die Emanzipation des Einzelnen behindert und die Entwicklung von Parallelgesellschaften fördert. Entgegen solcher Stereotypisierungen setzt die Kritische Islamkonferenz auf das Leitbild der „transkulturellen Gesellschaft“, in der jeder Einzelne die Chance erhält, sein Leben im Rahmen einer menschenrechtlich normierten Gesellschaftsordnung autonom zu gestalten, und in der kulturelle Vielfalt tatsächlich als Bereicherung, statt als Bedrohung, erlebt werden kann.
Bei allen Unterschieden in den jeweiligen Zielvorstellungen weisen Islamisten und Muslimfeinde in ihren zugrundeliegenden Denkmustern große Gemeinsamkeiten auf: Beide halten zwanghaft an der „Scholle“ ihrer jeweiligen Tradition fest und verteidigen ihr angestammtes kulturelles Getto reflexartig gegen das vermeintlich Feindliche des „Fremden“ („die Ungläubigen“ hier – „die Muslime“ dort). Transkulturalisten hingegen akzeptieren, dass Kulturen einem steten Wandel unterliegen, weshalb es unsinnig wäre, Menschen auf eine bestimmte kulturelle Norm festzulegen, die sie nicht überschreiten dürften. Daher sollte es in der politischen Debatte nicht darum gehen, zwischen den vermeintlich homogenen Kulturen der „Einheimischen“ und der „Zuwanderer“ zu vermitteln. Stattdessen sollten wir es als gemeinsame kulturelle Aufgabe aller hier lebenden Menschen begreifen, diese Gesellschaft im Sinne der universellen Menschenrechte weiterzuentwickeln.


Die Kritische Islamkonferenz hält dabei die Beachtung der folgenden Gesichtspunkte und Forderungen für wesentlich:



•Enttabuisierung der Kritik: Die Freiheit der Meinungsäußerung, der Kunst und Wissenschaft ist die unverzichtbare Grundlage einer modernen, offenen Gesellschaft und darf nicht aus Rücksicht auf religiöse Denkverbote beschnitten werden. Auch sollte sachlich begründete Kritik am Islam/Islamismus nicht als „rassistisch“, „fremdenfeindlich“ oder „islamophob“ diffamiert werden. Zwischen einer humanistischen Islamkritik, die sich für die Stärkung der Menschenrechte einsetzt, und chauvinistischer Muslimfeindlichkeit, die die Menschenrechte untergräbt, bestehen grundsätzliche Unterschiede, die nicht übersehen werden dürfen.

•Bekämpfung der Fremdenfeindlichkeit: Fremdenfeindlichkeit ist ein gesellschaftliches Grundübel, das entschieden bekämpft werden muss. Entgegen dem hermetisch verriegelten Kulturverständnis, das Islamisten und Muslim-Feinde pflegen, sollte das transkulturelle Bewusstsein gefördert werden, dass wir allesamt „kulturelle Mischlinge” sind, die von der Erfahrung „der Anderen“ profitieren. Für die Vertreter des „christlichen Abendlandes“ besteht in diesem Zusammenhang kein Grund zur Überheblichkeit: Denn „Demokratie“ und „Menschenrechte“ sind keine exklusiven Errungenschaften des Westens, sondern Bestandteile eines universellen „Weltkulturerbes der Menschheit“, an der Menschen aller Zeiten und unterschiedlichster Herkunft mitgewirkt haben.

•Integration heißt Emanzipation: „Integrationspolitik“ sollte heute vornehmlich als „Emanzipationspolitik“ verstanden werden. Schließlich geht es nicht darum, „fremde Kulturen“ in eine wie auch immer geartete „deutsche Kultur“ zu integrieren, sondern den einzelnen Individuen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Hierzu ist es notwendig, die Sprachkompetenz und Bildung der Betroffenen zu stärken, ihnen zu vermitteln, welche Rechte und Pflichten sie in einem modernen Verfassungsstaat besitzen, und alle Formen von Diskriminierung abzubauen, die in Deutschland noch immer existieren. Grundsätzlich verfehlt ist es, „kulturelle Identitäten“ zu stärken, die die individuelle Emanzipation und das verträgliche Zusammenleben der Menschen eher behindern als fördern.

•Wahrnehmung von Unterschieden: Als „Muslim“ gilt nach traditioneller Auffassung, wer von einem muslimischen Vater abstammt oder zum Islam konvertiert ist. Aus dieser Zuschreibung lässt sich nicht ableiten, wie „Muslime“ denken oder handeln. Tatsächlich ist hier eine große Bandbreite unterschiedlichster Haltungen festzustellen: Während manche Muslime den Weisungen ihrer Religion in unkritischer und gesellschaftlich problematischer Weise folgen, sind andere völlig areligiös oder können ihren Glauben mit den Prinzipien des Rechtsstaats ebenso gut vereinbaren wie der durchschnittliche deutsche Katholik oder Protestant. Diese Unterschiede müssen stärker beachtet werden. Vor allem darf es in Politik und in Medien nicht mehr kritiklos hingenommen werden, wenn Islamverbände mit rückwärtsgewandten politischen Zielsetzungen im Namen von Menschen sprechen und handeln, die von ihnen gar nicht repräsentiert werden wollen.

•Keine falsche Toleranz: Eine offene Gesellschaft lebt davon, dass ihre Mitglieder in der Lage sind, auch verstörend andere Lebensentwürfe zu tolerieren. Menschenrechtsverletzungen sind jedoch unter keinen Umständen zu dulden – auch dann nicht, wenn sie mit „heiligen Werten“ begründet werden. In diesem Zusammenhang muss dem Kulturrelativismus eine klare Absage erteilt werden: So sind Ehrenmorde und Zwangsheiraten nicht Ausdruck einer „anderen“ Kultur, sondern Verbrechen, die als solche benannt und unterbunden werden müssen. Homophobe, frauen- und fremdenfeindliche sowie antisemitische Vorstellungen und Verhaltensweisen müssen unabhängig davon, in welcher Gemeinschaft sie auftreten, zurückgedrängt werden.

•Widerstand gegen islamistische Bestrebungen: Die „heiligen Texte“ des Islam entstammen (wie die Grundlagentexte des Christentums) einer früheren Zivilisationsstufe der Menschheit und müssen zeitgemäß interpretiert werden, um nicht im Widerspruch zu modernen Verfassungswerten zu stehen. Mit Personen oder Gruppierungen, die sich einer solchen Neu-Interpretation verweigern, darf der Rechtsstaat nicht zusammenarbeiten, sondern muss nach Mitteln und Wegen suchen, ihren Wirkungsgrad einzudämmen. Jedes Zugeständnis an ihre Adresse (etwa eine Akzeptanz von Scharia-Gerichten) wäre ein Verrat an den Idealen der Aufklärung, auf denen der moderne Rechtsstaat gründet.

•Trennung von Staat und Religion. Deutschland ist ein säkulares Land. Der Staat hat nach unserem Grundgesetz weltanschaulich neutral zu sein. Die überkommenen und nach 1949 verstärkten Privilegierungen der beiden christlichen Kirchen sind nicht nur ein Anachronismus, diese Privilegien stehen auch einer Begegnung der Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften auf gleicher Augenhöhe entgegen. Deshalb ist ein neuer, weiterer und gleicher Abstand des Staates zu allen Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften notwendig und Bedingung für den inneren Zusammenhalt in unserem Land.

•Einsatz für Menschenrechte auf internationaler Ebene: Wir fordern die Vertreter des deutschen Staates dazu auf, sich auf internationaler Ebene für die Einführung und Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen und gegen Ehrenmorde, Genitalverstümmelung, Steinigungen, Hinrichtungen, Folterungen sowie andere unmenschliche Praktiken wirksam einzuschreiten. Politische und wirtschaftliche Abkommen müssen explizit die Einhaltung menschenrechtlicher Regelungen zur Voraussetzung haben. Statt Organisationen und Regime zu unterstützen, die sich an der Scharia orientieren, dem islamischen Terrorismus zuarbeiten oder die Vernichtung Israels anstreben, sollten verstärkt Kontakte zur demokratischen Opposition in den „muslimischen Ländern“ hergestellt und ausgebaut werden.

•Schutz für islamkritische Oppositionelle: Die allerwenigsten „islamischen Länder“ garantieren Weltanschauungsfreiheit. Menschen, die sich von ihrem Glauben lösen oder ihn auf andere als die vorgegebene Weise interpretieren, sind vielfachen Repressionen und Gefährdungen ausgesetzt. Deshalb muss Oppositionellen, islamgeschädigten und glaubensabtrünnigen Zuwanderern, die in ihren Herkunftsländern (etwa dem Iran) im Falle einer Rückkehr von schweren Strafen, Folter und Hinrichtung bedroht sind, politisches Asyl gewährt werden.

•Wahrung von Kinderrechten: Kinder haben ein Anrecht darauf, vorurteilsfrei in die Welt eingeführt zu werden und verschiedene Perspektiven kennenzulernen, mit deren Hilfe sie ihre eigene Sicht der Dinge entwickeln können, ohne von Vornherein ideologisch in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden. Obgleich Eltern das Recht haben, ihre Kinder auf der Basis ihrer jeweiligen Werte und Weltanschauungen zu erziehen, darf der weltanschaulich neutrale Staat derartige Perspektivverengungen nicht zusätzlich unterstützen. So kann er es nicht zulassen, dass Kinder aus religiösen Gründen vom Biologie-, Sexualkunde- oder Sportunterricht abgemeldet oder Schulen nach den Vorgaben der Religionsgemeinschaften organisiert werden. Insgesamt sollte die Politik größere Anstrengungen unternehmen, um die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu stärken – auch gegenüber den Ansprüchen der eigenen Eltern. Dies gilt nicht zuletzt für ihre körperliche Integrität: Die Legitimierung der medizinisch nicht indizierten Knabenbeschneidung im vergangenen Jahr war ein Schritt in die falsche Richtung, der schnellstmöglich korrigiert werden sollte.

•Förderung des transkulturellen Lernens: Eine zukunftsfähige Politik sollte nicht darauf abzielen, zwischen „den Kulturen“ zu vermitteln (wie es inter- und multikulturelle Ansätze vorsehen), sondern die Individuen aus dem Korsett starrer kultureller Normierungen zu befreien. Diese transkulturelle Kompetenz sollte vor allem in den Schulen gefördert werden. Schülerinnen und Schüler sollten in die Lage versetzt werden, ihre jeweiligen Vorstellungen von gutem Leben, Ethik und Moral kritisch zu hinterfragen. Statt als Gefangene vorgegebener kultureller Traditionen sollten sie sich als aktive Gestalter der eigenen Zukunft begreifen, die nicht auf eine bestimmte Sicht der Dinge festgelegt sind, sondern die Freiheit besitzen, den gesamten Kulturschatz der Menschheit zu nutzen, um tragfähige Konzepte für das eigene Leben zu entwickeln. Um eine solche transkulturelle Perspektive zu etablieren, wäre die Einführung eines allgemein verbindlichen, religions- und weltanschauungskundlichen Faches sinnvoll, in dem die Schülerinnen und Schüler nicht mehr nach ihren jeweiligen Herkunftsfamilien selektiert werden, sondern gemeinsam nach fairen Lösungen für Interessenskonflikte suchen können. Wir sind überzeugt, dass die Einübung einer solchen transkulturellen Sichtweise in einer Welt, in der der Wandel zum Dauerzustand geworden ist, von besonderer Wichtigkeit ist: Denn wer es nicht gelernt hat, seine eigenen traditionalen Zwänge zu überwinden, wird sich von dem riesigen Angebot alternativer Lebensstile schnell überrollt fühlen. Der aus dieser Überforderung resultierende Hass gegenüber dem „Fremden“ ist eines der gravierenden Probleme unserer Zeit. Mithilfe des transkulturellen Modells wäre es möglich, dem von Rechtsextremisten unterschiedlichster Couleur (Islamisten wie Anti-Muslimen) befeuerten „Kampf der Kulturen“ bereits im Ansatz entgegenzuwirken.

Berlin, 12. Mai 2013

Mittwoch, 8. Mai 2013

Tag der Befreiung - Leonard Cohen - The Partisan


When they poured across the border
I was cautioned to surrender,
this I could not do;
I took my gun and vanished.
I have changed my name so often,
I've lost my wife and children
but I have many friends,
and some of them are with me.

An old woman gave us shelter,
kept us hidden in the garret,
then the soldiers came;
she died without a whisper.

There were three of us this morning
I'm the only one this evening
but I must go on;
the frontiers are my prison.

Oh, the wind, the wind is blowing,
through the graves the wind is blowing,
freedom soon will come;
then we'll come from the shadows.

Les Allemands e'taient chez moi, (The Germans were at my home)
ils me dirent, "Signe toi," (They said, "Sign yourself,")
mais je n'ai pas peur; (But I am not afraid)
j'ai repris mon arme. (I have retaken my weapon.)

J'ai change' cent fois de nom, (I have changed names a hundred times)
j'ai perdu femme et enfants (I have lost wife and children)
mais j'ai tant d'amis; (But I have so many friends)
j'ai la France entie`re. (I have all of France)

Un vieil homme dans un grenier (An old man, in an attic)
pour la nuit nous a cache', (Hid us for the night)
les Allemands l'ont pris; (The Germans captured him)
il est mort sans surprise. (He died without surprise.)

Oh, the wind, the wind is blowing,
through the graves the wind is blowing,
freedom soon will come;
then we'll come from the shadows

"Pazifismus und abstrakte Friedenspredigt sind eine Form der Irreführung der Arbeiterklasse." W.I. Lenin



Dienstag, 7. Mai 2013

Heerschau aller Weinerlichen und Betroffenen

Aus, vorbei, endlich. Wir haben es mal wieder überstanden. Natürlich nur für zwei Jahre. Denn dann droht er wieder: der Evangelische Kirchentag. Und vermutlich wird dann alles noch schlimmer werden, noch kitschiger und noch infantiler. Denn 2015 findet die zentrale Heerschau aller Weinerlichen, Betroffenen und Empfindsamen in Stuttgart statt, also im Mekka des württembergischen Pietismus, dessen Neigung zu Gefühligkeit, Sentimentalität und moralischer Entrüstung den idealen kulturellen Nährboden für jene ökosozialistischen Erlösungsphantasien bildet, deren neuheidnischer Ausdruck der Kirchentag in so penetranter Weise ist. ->weiterlesen

Montag, 22. April 2013

Burka Woman


Habt ihr jemals darüber nachgedacht, wie sich wohl arabische Pick up Ladies verhalten??
Also ich nicht - bis ich dieses amüsante Video sah, das die Flirtpraktiken unserer strikt muslimischen Zeitgenossen gekonnt auf die Schippe nimmt:


Selbstverständlich hat der Künstler schon seine obligatorischen Morddrohungen erhalten. Frage mich nun, ob Fußzehen und Nasenlöcher tatsächlich soviel Sexappeal enthalten, wenn nur der Rest anständig verhüllt ist. Habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass es durchaus auch in unserer offenherzigen westlichen Welt noch ein paar Tabus zu brechen gibt. Interessanterweise liegt immer sofort Sex in der Luft, wenn ich nur das Wort "FKK" erwähne... Wer Tabus zwecks Verführung brechen will, sollte das am Besten auf verbale Weise tun. Denn darin sind wir immer noch so gehemmt, dass es Mann unwillkürlich in der Leistengegend zu kribbeln beginnt, sobald Frau mehrmals das Wort "nackt" in den Mund nimmt (selbst wenn sie es auf etwas ganz anderes bezieht)... Probiert´s mal aus!

In diesem Sinne,
Go Girl, Go!

Mittwoch, 17. April 2013

Langer Abend Atatürk


Langer Abend Atatürk
In Kooperation mit dem Türkisch-Deutschen Solidaritätsverein Erlangen (TDS) und dem Stadtmuseum Erlangen
Der Lange Abend zu Atatürk gliedert sich in drei Teile: In Teil 1 und Teil 2 gibt es einen historischen Rückblick in zwei Dokumentarfilmen (NDR, Erstausstrahlung 2001, Regie: Halil Gülbeyaz), im 3. Teil beschäftigen wir uns mit dem Erbe Atatürks in der heutigen Türkei.

X 20 20 15
Was ist geblieben und was wird bleiben von Atatürks Ideen?
Film1: Vom Rebellen zum Befreier (45 Minuten) und Film 2: Vom Staatsgründer zum Mythos (45 Minuten)
Inhalt: Die Türkei ist ein Land zwischen Orient und Okzident, mit einem Alltag, der vom Islam und vom kemalistischen Laizismus, der strikten Trennung von Staat und Religion, geprägt ist. Wie wurde die Türkei zu dem Staat, der sie heute ist? Wer war Mustafa Kemal Atatürk, der als Staatsgründer fast kultisch verehrt wird und dessen Reformwerk die türkische Politik noch immer bestimmt? Wie hat Kemal Atatürk das seinerzeit rückständige Land nach innen und außen einigen und modernisieren können? Welche Verwerfungen hat es bei diesem Umbruch gegeben?

Nach einer kurzen Pause beschäftigen wir uns im 3. Teil des Abends mit dem Erbe Atatürks. Was ist davon geblieben? Wir stellen uns u.a. die Frage: Nutzen Ministerpräsident Erdogan und seine Partei der Gerechtigkeit und der Entwicklung (AKP) ihre Machtposition im Staatsapparat, um das säkulare System, welches das wichtigste Erbe von Atatürk war, zu unterlaufen und zu verspielen?

Moderation: Zafer Titiz, 2. Vorsitzender des Türkisch-Deutschen Solidaritätsvereins Erlangen (TDS)

Donnerstag, 18. April 2013, 19.00 - 21.30 Uhr
Friedrichstr. 19, Großer Saal
Eintritt frei
Pausengetränke stehen zur Verfügung

Freitag, 12. April 2013

Wie steht es mit der Fähigkeit zur Selbstkritik und zum gerechten Handeln unter Muslimen?

Am Beispiel des muslimisch verbrämten Antisemitismus und belasteten Beziehung zu den Juden - Von Muhammad Sameer Murtaza


Wer heutzutage die Bibliothek der prestigeträchtigen Harvard Law School betritt, der wird an ihrem Eingang einen Vers aus dem Qur’an angebracht finden, der da lautet:
O ihr, die ihr glaubt!

Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder eure Eltern und Verwandten.

Handele es sich um arm oder reich, Gott steht euch näher als beide.

Und überlaßt euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Gott weiß, was ihr tut. (4:135)
Die Anbringung dieses Verses rechtfertigen die Initiatoren damit, dass er ein Zeugnis für die Beständigkeit der menschlichen Sehnsucht nach Gerechtigkeit und menschlicher Würde mit Hilfe des Rechts sei.
Dies ehrt uns Muslime ungemein, aber wie verhält es sich mit der praktischen Umsetzung dieses Verses? Die Gerechtigkeit ist jenes qur’anische Ideal, an dem sich auch die Muslime immer wieder selbst messen und messen lassen müssen. Dies erfordert schonungslose Selbstkritik und da, wo Muslime in Unrecht verstrickt sind, auch Läuterung.
Nicht jede Medienkritik am Islam ist Ausdruck von Islamophobie und nicht jede Religionskritik verfolgt destruktive Absichten. Anstatt dass die Muslime in ein Stammesdenken zurückfallen und sich allesamt gegen jede noch so legitime Kritik zusammenrotten oder in die allzu kuschelige Opferrolle verfallen, gilt es eine Position der Souveränität und Stärke einzunehmen. Sie besteht darin, zuzuhören, unvoreingenommen die Kritik einer wissenschaftlichen und objektiven Untersuchung zu unterziehen und sofern sie sich als berechtigt erweist, konstruktive Schritte einzuleiten, um Missstände in der eigenen Religionsgemeinschaft zu beheben. Schließlich pflegt mein Mentor Murad Hofmann stets zu sagen, wo Rauch ist, da ist auch Feuer.
Die großen Reformer des Islam im 19. Jahrhundert – Jamal Al-Din Al-Afghani (gest. 1897) und Muhammad Abduh (gest. 1905) – haben daher immer wieder ihre Glaubensgeschwister an die Notwendigkeit der Selbstkritik, der Läuterung und der Reform erinnert, wenn sie den Offenbarungsvers anführten:
(…) Gott ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist. (…) (13:11)
Der Qur’anexeget Muhammad Asad (gest. 1992) erläutert, dass dieser Vers „eine Illustration des göttlichen Gesetzes von Ursache und Wirkung (sunnat Allah) [sei], das das Leben sowohl von Individuen als auch Gemeinschaften beherrscht und Aufstieg und Niedergang von Zivilisationen von den moralischen Eigenschaften und dem Wandel ihres "inneren Selbst" abhängig macht.“


Ohne die Bereitschaft, sich als Religionsgemeinschaft so wahrzunehmen wie man tatsächlich ist, ohne den Willen es auszusprechen, wenn das eigene Ideal pervertiert wird, ohne den Mut sich zu verändern, können die Muslime nicht ihre religiös begründete Aufgabe auf Erden erfüllen, nämlich eine Barmherzigkeit für alle Menschen und frei von allen Extremen zu sein, wenn es in der Schrift lautet:
Und damit aus euch eine Gemeinde wird, die zum Guten einlädt, das Rechte gebietet und das Unrechte verbietet. Sie sind es, denen es wohl ergehen wird. (3:104)
Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet und damit der Gesandte über euch Zeuge sei. (…) (2:143)
Ich glaube, es war der Reichskanzler Otto von Bismarck, der einst über die Studenten an den deutschen Universitäten sagte, dass ein Drittel von ihnen an Überlastung zusammenbreche, ein Drittel von ihnen aufgrund von Zerstreuung abbreche und dass das andere Drittel Deutschland regieren werde. Ich weiß natürlich nicht, welches Drittel heute hier ist, aber ich hoffe, ich spreche zu jenen muslimischen Studentinnen und Studenten, die eines Tages als zivilgesellschaftliche Akteure eine gewichtige Rolle in unserer Gesellschaft und in der muslimischen Community einnehmen werden. Jenes Drittel, das danach streben wird, den Idealen des Qur’an gerecht zu werden.
Dazu müssen Muslime aber immer wieder einen kritischen Blick auf den Zustand und die Handlungen der eigenen Religionsgemeinschaft werfen. Muslim zu sein bedeutet nicht, die eigenen Partikularinteressen zu vertreten, Muslim zu sein bedeutet nicht, einen religiösen Chauvinismus zu pflegen und zu hegen. Sondern das Muslimsein erfordert eine – manchmal – schmerzhafte Tugend, nämlich das Einstehen für Gerechtigkeit, auch wenn es zum eigenen Nachteil ist:
O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Gott bezeugt.

Der Haß gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit.

Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht.

Und fürchtet Gott. Siehe, Gott kennt euer Tun. Gott hat denen, die glauben und das Rechte tun, Verzeihung und gewaltigen Lohn versprochen. (5:8-9)
Wenn die muslimische Gemeinschaft sich jeder Kritik verwehrt, beraubt sie sich der Möglichkeit zu wachsen.Seit geraumer Zeit häufen sich wieder Beleidigungen, Schmähungen und Gewalttaten gegen Juden in diesem Land. Es sind nicht mehr nur die Rechtsradikalen, von denen dies ausgeht, sondern leider auch Muslime.
Jeder Muslim und jede Muslima sollte sich selbst fragen, ob er oder sie in seinem oder ihrem Umfeld bereits einmal Antisemitismus begegnet ist, wenn beispielsweise das Wort Jude als Schimpfwort gebraucht wurde, oder Juden von der Minbar verflucht wurden, oder wir in unserer Moscheegemeinde auf Schriften stießen, die mit religiösen Argumenten eine Judenfeindlichkeit rechtfertigten. Wie haben wir darauf reagiert? Etwa mit Duldung? Aber ist nicht jede Duldung eine passive Zustimmung? Oder haben wir diesen Judenhass sogar noch befürwortet? Haben wir ihn als richtig in unseren Herzen empfunden, als adäquate Antwort auf die Politik Israels gegenüber den Palästinensern? Aber ist dies nicht ein Gefühl von genugtuender Rache, statt dem Streben nach Gerechtigkeit? Ist es nicht ein Gift, das wir uns eintröpfeln und das unsere Vernunft betäubt und unser Herz vergiftet. Denn wie können wir noch Islamfeindlichkeit anprangern, wenn wir uns geistig mit den Islamophoben dermaßen berühren? Wie können wir hinsichtlich des Islam und der Muslime Differenzierung einfordern, dies beim Judentum und den Juden selbst aber unterlassen? Wie können wir uns dagegen entrüsten und verwehren für die Politik von Staaten wie dem Iran und Saudi-Arabien verantwortlich gemacht zu werden, wenn wir die Handlungen des Staates Israel mit dem Judentum gleichsetzen?
Das Vorhandensein einer Judenfeindlichkeit in der islamischen Religionsgemeinschaft, im Fühlen, Denken, Sprechen und Schreiben vieler Glaubensgeschwister und seine Legitimierung durch eine religiöse Beweisführung zwingen uns einzugestehen, dass es einen islamisch verbrämten Antisemitismus in unseren Reihen gibt.
Wie können wir es also wagen, Judenfeindlichkeit mit dem universalen Horizont des Qur’an in Einklang zu bringen? Wie können wir noch davon sprechen, der Islam kenne keinen Rassismus, keine Feindseligkeit gegenüber bestimmten Menschengruppen, sondern gestehe allen Menschen die gleiche unverletzliche Würde zu? Entweder ist die Judenfeindlichkeit essentieller inhärenter Bestandteil des Wesens dieser Religion oder es ist eine Begleiterscheinung, wie sie bei jeder Realisierung von Religion in der Geschichte in Erscheinung getreten ist: nämlich in Gestalt des Unwesens, des pervertierten Wesens der Religion. Sollte letzteres zutreffen, dann haben Muslime den Arbeitsauftrag sich von diesem Unwesen zu reinigen. Doch wie kann dies geschehen?
Billige Polemik, die postuliert, dass der Islam nicht antisemitisch sein könne, da auch Araber Semiten seien, ist keine Auseinandersetzung mit diesem Phänomen, sondern ein Wegschieben, es ist ein Sich-eben-nicht-auseinandersetzen-wollen-und-müssen. Verse aus der Offenbarung selektiv anzuführen ohne sich auch mit den judenkritischen Passagen zu beschäftigen, ist Religionsverteidigung, die aber keine Läuterung nach sich zieht. Es ist ein Glasperlenspiel, das auf ein endloses Vers-Ping-Pong mit jenen Muslimen hinausläuft, die eine Judenfeindlichkeit mit genau der gleichen Offenbarungsschrift legitimieren. Ist denn keine aufrichtige, integere, intellektuelle Antwort möglich?
II Ein Gang durch die Geschichte: Das Verhältnis von Juden und Muslimen im islamischen Mittelalter
Wenn also gerade die Offenbarung alleine nicht ausreicht, um festzustellen, ob dem Islam eine Judenfeindlichkeit inhärent ist, was dann? Gott weist im Qur’an auf eine Quelle der Erkenntnis außerhalb der Offenbarung hin, nämlich die Historie:
Wie viele Zeichen gibt es in den Himmeln und auf der Erde, an denen sie vorbeigehen, wobei sie sie unbeachtet lassen! (12:105)
Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche (gest. 1900) teilte die Geschichtsbetrachtungen in drei Arten ein: a) eine monumentalische, b) eine antiquarische und c) eine kritische.
Erstere ist uns Muslimen heute leider allzu gut vertraut und wenig hilfreich. Hierbei richtet man seinen Blick einzig auf die Helden der Vergangenheit und die goldenen Zeiten, um dadurch Trost zu erfahren, dass man doch einst groß war und es auch wieder sein kann, trotz der gegenwärtig empfundenen Mittelmäßigkeit.
Was aber der Tatenmensch – und genau dies ist der Muslim – für eine Selbstkritik und Läuterung benötigt, ist eine kritische Sicht auf die Historie. Der Historiker muss zum Richter werden, der ohne Gnade die vergangenen Zeiten im Hinblick auf die Gegenwart und Zukunft in ihrer Gänze beurteilt und sich von dem löst, was nicht im Dienste des Lebens steht. Für Muslime würde dies bedeuten, sich von dem zu lösen, was nicht im Einklang mit den lebensbejahenden Idealen des Islam steht.
Rabbi Mark Cohen, Professor an der Princeton University, referierte auf der dritten Konferenz für religiösen Dialog in Doha 2005, dass die Beziehungen zwischen Juden und Muslimen in der islamischen Frühzeit in Medina eine feindselige Konfrontation war, deren Ursache jedoch nicht religiösen, sondern politischen Ursprungs war.
Ein Teil der jüdischen Stämme in Medina fühlte sich durch die zahlenmäßige Überlegenheit der Muslime entscheidend bedroht, war doch das eingependelte Machtgefüge in der landwirtschaftlich prosperierenden Oase durch die Immigration der aus Mekka stammenden Muslime nun empfindlich gestört. Mehr noch, sie fühlten sich übergangen, denn es waren die beiden arabischen und vormals polytheistischen Stämme der Aus und der Khazradsch, die in Eigeninitiative Muhammad und seine Anhänger nach Medina eingeladen und ihm zunächst die Rolle eines Schlichters zugeteilt hatten. Wer hatte sie dazu autorisiert? Schon bald wuchsen Muhammads Bedeutung, sein Einfluss und seine Gemeinde exponentiell und veränderten Medina grundlegend. Diese Entwicklung konnte nicht ohne machtpolitische Konflikte vonstattengehen.
Diese anfängliche Konfliktsituation galt den nachkommenden Generationen von muslimischen Gelehrten aber nicht als essentieller Urkonflikt, sondern wurde in seinem damaligen Kontext verstanden und darin eingeschlossen. Anders ausgedrückt: Aus den negativen Erfahrungen der muslimischen Frühgemeinde mit drei von fünf jüdischen Stämmen in Medina konnten keine Schlüsse für spätere Beziehungen zum Judentum an sich gezogen werden. Das Gemisch an positiven wie negativen Aussagen über Juden im Qur’an musste folglich ebenfalls differenziert betrachtet werden. Die positiven Verse galten den Gelehrten als fundamentaler als die negativen, die im Rahmen des medinensischen Konfliktes verstanden wurden. Der Islam sah sich nicht im Konflikt mit dem Judentum, die Negierung des Judentums wurde nicht Teil der islamischen Selbstdefinition, sondern die Juden galten als ahl al-kitab, Leute der Schrift, Anhänger früherer Offenbarungen. Diese Interpretation wurde durch einen Vers, der zu den letzten Offenbarungen gehörte, die dem Gesandten Gottes Muhammad zuteilwurden, be- und gestärkt:
Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt.

Auch die Speise derer, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, so wie eure Speisen ihnen erlaubt sind.

Und (erlaubt sind euch zu heiraten) tugendhafte Frauen, die gläubige sind, und tugendhafte Frauen von denen, welchen die Schrift vor euch gegeben wurde, sofern ihr ihnen ihr Brautgeld gegeben habt und tugendhaft mit ihnen lebt, ohne Unzucht, und keine Geliebten nehmt. Wer den Glauben verleugnet, dessen Werk ist fruchtlos, und im Jenseits ist er einer der Verlorenen. (5:5)
Trotz aller erfahrenen Unterschiede und Konflikte zwischen Juden und Muslimen, unterstreicht dieser Vers, so der verstorbene Professor Falaturi, dass Juden (und auch Christen) aufgrund ihrer monotheistischen Ausrichtung gesellschaftlich voll akzeptiert werden sollen, indem zu einer Tisch- und Ehegemeinschaft mit Juden eingeladen wird. Letzteres bedeutete in der arabischen Gesellschaft des 7. Jahrhunderts nicht nur eine Verbindung zwischen zwei Personen, sondern zugleich einen Vergesellschaftlichungsprozess von zwei Großfamilien oder sogar zwei Stämmen. Dies steht im Einklang mit den universellen Prinzipien des Islam, die in Versen, wie dem nachstehenden formuliert sind:
Siehe, die da glauben, auch die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht kommt über sie, und sie werden nicht traurig sein. (2:62)
Der Exeget Muhammad Asad sieht in diesen Passagen eine grundsätzliche Lehre des Islam: „Mit einem aufgeschlossenen Weitblick ohnegleichen in irgendeinem anderen religiösen Glauben wird hier die Vorstellung von >Rettung und Heil< von nur drei Bedingungen abhängig gemacht: Glaube an Gott, Glaube an den Tag des Gerichts und rechtschaffenes Handeln im Leben.“
Im Mittelalter war es, so Rabbi Cohen, eher die Regel als die Ausnahme, dass Juden als geschützte Leute (ahl al-dhimma), von den muslimischen Herrschenden hinsichtlich ihres Lebens, ihrer Religionsausübung, ihrer wirtschaftlichen Freiheit und ihrer Bewegungsfreiheit Schutz erfuhren – natürlich waren Muslime und Juden in der damaligen Zeit nicht gleichgestellt, aber Juden waren auch nicht wie im christlichen Europa Leibeigene des Herrschers, sondern Untertanen. Sie wurden nicht zur Konvertierung gezwungen (siehe 2:256), ihre Gemeinden waren autonom (siehe Verfassung von Medina) und im Geschäftsleben waren sie den Muslimen gleichberechtigt , lediglich in Regierungsämtern fand man sie seltener, da dies in der damaligen Zeit als Bedrohung der gesellschaftlichen Hierarchie empfunden wurde. Vom Militärdienst waren sie befreit. Davon abgesehen fand man sie jedoch in allen Berufssparten: im Färbergewerbe, in der Metallverarbeitung, als Weber, Bäcker, Winzer, Glasbläser, Schneider, Gerber, in der Käseherstellung, in Zuckermanufakturen, der Seidenverarbeitung oder der Landwirtschaft. Dies macht deutlich, dass im Wirtschaftsleben Juden und Muslime ständig miteinander in Kontakt standen und es dadurch einen Raum gab, anständige positive und menschliche Beziehungen entstehen zu lassen. Fast schon märchenhaft klingt der arabische Ausdruck von der Ehrlichkeit der Juden (haqq al yahud), der Zeugnis gibt über das Ausmaß der Vertrautheit beider Religionsgemeinschaften.
Als Untertanen mussten die ahl al-dhimma eine Steuer entrichten, die Schutzabgabe (jizya). Von ihr befreit waren grundsätzlich a) Frauen, b) Kinder und Jugendliche, c) alte Männer, d) kranke und behinderte Männer und e) Priester und Mönche. Sicherlich, von Zeit zu Zeit trieben muslimische Herrscher mit ihr Schindluder, indem sie die jizya exorbitant erhöhten. Strenggenommen stellte dies nach dem islamischen Recht, wonach die jizya nicht höher als die zakat sein darf, einen Missbrauch dar. Dennoch wurde die jizya von Juden in der islamischen Welt als konstruktives Element empfunden. So schreibt Jacob b. Elija, der im dreizehnten Jahrhundert von Europa in den Orient emigrierte:
„Unter den Orientalen verdient jeder seinen Lebensunterhalt mit seinem jeweiligen Beruf. Selbst wenn die arabischen Herrscher böse und sündhaft sind, besitzen sie doch Verstand und Einsicht. Sie verlangen jedes Jahr eine vorgeschriebene Steuer, von den Älteren gemäß ihrem Alter und von den Jüngeren gemäß ihrer Jugend. In unserem Landen verhält sich dies nicht so […]. Unsere Könige und Prinzen denken nur daran, wie sie uns angreifen und uns überwältigen können, um uns unser Gold und Silber fortzunehmen.“
In diesem Zusammenhang macht Rabbi Cohen eine interessante Bemerkung hinsichtlich der Abwesenheit eines jüdisch-muslimischen Dialogs im Mittelalter: Dieser sei gar nicht von Nöten gewesen, denn über was hätte man diskutieren sollen. Beide glaubten sie an den einen Gott, sahen in Jesus nicht Gottes Sohn, glaubten an ein offenbartes Gesetz, und sahen Glaube und Tat als die zwei Seite einer Medaille an. Juden und Muslime, so Cohen, fühlten sich einander nicht fremd. Deswegen seien muslimische Polemiken gegen Juden und das Judentum im Mittelalter verglichen mit der Masse anti-jüdischer Polemiken in der christlichen Welt eine Seltenheit geblieben. Ausschreitungen gegen Juden als Juden habe es so gut wie nie gegeben. Ebenso selten waren umgekehrt jüdische Polemiken gegen den Islam und wenn es sie gab, so hatten diese Schriften nicht die gleiche intensive Feindseligkeit wie die jüdischen Polemiken gegen das Christentum.
Der französische Orientalist Claude Cahen wagte sogar die Annahme, es habe im Mittelalter nur eine einzige Verfolgung der ahl al-dhimma (Schutzbefohlenen) gegeben. Dies stimmt jedoch nicht ganz. Historisch belegt sind Juden- und Christenverfolgungen a) unter dem fatimidischen und als wahnsinnig geltenden Kalifen Al-Hakim von 1004 bis zum Ende seiner Herrschaft 1021, b) auch gab es im Jahr 1066 eine Judenverfolgung in Granada, die einzige gezielt antijüdische Ausschreitung im islamischen Mittelalter, und c) schließlich die Verfolgung von Juden und Christen in Nordafrika und Spanien durch die berberischen Almohaden Mitte der 1140er Jahre und 1172 im Jemen durch muslimische Freischärler, jedes Mal mit dem Ziel die Anhänger früherer Offenbarungen zur Konvertierung zu zwingen.
Diese Verfolgungen stellten in jedem dieser Fälle Ausnahmesituationen dar, die gegen das islamische Recht verstießen. Dies soll keine Verteidigung des Islam darstellen, sondern wurde von den Muslimen in den damaligen Zeiten tatsächlich so wahrgenommen. Nach Wiederherstellung der normalen Verhältnisse wurde es Juden und Christen gestattet, zu ihrer ursprünglichen Religion zurückzukehren. Der Sohn Al-Hakims und zugleich sein Nachfolger Al-Zahir beispielsweise ließ verkünden, dass die Zwangsbekehrungen, die unter seinem Vater stattfanden nicht mit dem Islam vereinbar seien. In allen Fällen von Verfolgung war die muslimische Seite dermaßen beschämt ihre vom islamischen Recht abgeleiteten Schutzgarantien nicht erfüllt zu haben, dass man der nichtmuslimischen Bevölkerung jeweils die jizya zurückzahlte.
So schreibt der Islamwissenschaftler Van Ess: „Pogrome waren verhältnismäßig selten, und man konnte sich nur schlecht bei ihnen im Recht fühlen. Denn sie waren ja nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch juristisch gesehen Unrecht; und da das Gesetz, gegen das man verstieß, ein göttliches war, waren sie auch Sünde.“ Dies mag wohl auch erklären, dass es in den jüdischen Schriften kaum klagende Erinnerungen an diese Zeiten der Verfolgungen gibt.
Phänomene wie charakteristische Kleidung, die Juden und Christen im Mittelalter zeitweilig auferlegt wurde – etwas, das sich nicht aus dem Qur’an ableiten lässt – und die wir heute allzu schnell anachronistisch als Diskriminierung verurteilen, hatte in dem damaligen historischen Kontext einer religiös facettenreichen Gesellschaft den Hintergrund, die Gemeinden unzweideutig voneinander zu unterscheiden, um zum einen die Hierarchie von Herrschenden und Beherrschten sichtbar zu machen und zum anderen auch ein Funktionieren des interethischen Umgangs zu gewährleisten. Van Ess erinnert auch daran, dass „Menschen sich durch ihre Kleidung unterscheiden, war im Mittelalter ein selbstverständlicher Gedanke; erst seit dem 19. Jahrhundert tragen wir alle einen schwarzen Anzug oder kleiden uns alle in Jeans.“
III Die Wende: Der islamisch verbrämte Antisemitismus als ein Phänomen der Moderne
Nebeneinander und manchmal sogar Miteinander bezeichnet werden kann, wie konnte es dann aber zur Entwicklung einer Judenfeindlichkeit kommen?

Das Verhältnis zum Judentum begann sich erst ab dem 19. Jahrhundert zu verändern. Auf muslimischer Seite verlor man das Bewusstsein für eine Unterscheidung zwischen dem eigenen Wahrheitsanspruch und der Existenz mehrerer Heilswege als Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit. Damit verbunden fielen die Muslime hinter die islamische Toleranzkonzeption des Mittelalters zurück, statt sie notwendigerweise weiterzuentwickeln. Hinzu kamen der schwelende Palästinakonflikt und die Begegnung der Araber mit dem europäischen Antisemitismus.
Es waren arabische Christen, die als Erste europäische antisemitische Traktate ins Arabische übersetzten. Das erste Werk dieser Art, das die angeblichen Bekenntnisse eines zum Christentum konvertierten Rabbiners über die Grausamkeiten der jüdischen Religion beinhaltete, erschien 1869 in Beirut.
Die erste Übersetzung der Protokolle der Weisen von Zion wurde am 15. Januar 1926 in der Zeitschrift raqib sahyun (Beobachter Zions) veröffentlicht, die in Jerusalem von der römisch-katholischen Gemeinde herausgegeben wurde. Eine weitere Übersetzung aus dem Französischen, erneut angefertigt von einem arabischen Christen, erschien etwa zwei Jahre später in Buchform in Kairo. Eine Übersetzung aus dem Englischen, erstmals aus muslimischer Feder, erfolgte dann 1951. Bald schon stand dem arabischen Leser eine Flut antisemitischer Lektüre zur Verfügung, die ausnahmslos christlichen, europäischen und amerikanischen Ursprungs waren.
In dieser ersten Phase wurden antisemitische Anklagen einfach wiederholt – allerdings unter Ausschluss des Rassengedankens und der säkular-messianischen Vorstellung einer Endlösung, wie es der Antisemitismus der Nazis kannte. Dadurch, dass Juden zu den Leuten der Schrift gehören und somit eine von Gott anerkannte Gemeinschaft sind, kann der islamisch verbrämte Antisemitismus den Gedanken einer Endlösung überhaupt nicht aufnehmen und integrieren. Islamische Antisemiten wollen den Staat Israel auslöschen, nicht aber das jüdische Volk.

Die Muslime wurden also mit dem Bild des Juden als Freimaurer, als Großkapitalist, als Kommunist, als Umstürzler und als Verschwörer mit dem Ziel der Weltherrschaft vertraut gemacht. Diese Bilder dienten dann als eine plausible Erklärung, weshalb der israelische Staat im ersten israelisch-arabischen Krieg den Sieg davontrug und weshalb die Zionisten die Unterstützung der jeweils führenden Macht – zuerst Großbritannien, dann die USA – erlangen konnten.
In einer zweiten Phase wurden diese Vorstellungen verinnerlicht, assimiliert und islamisiert. Dieser islamisch verbrämte Antisemitismus zieht sich durch die meisten Werke des Muslimbruders Sayyid Qutb (gest. 1966) und erhält durch seine sechsbändige Exegese des Qur’an fi zilal al-Qur’an (Im Schatten des Qur’an) eine "heilige" Legitimation. Nach Qutb beginnt die Feindschaft zwischen Juden und Muslimen mit der Auflehnung Erster gegen den Propheten Muhammad in Medina.
Seit die Juden militärisch geschlagen wurden, seien sie ununterbrochen bemüht, aus dem Schatten heraus, mit ihren Eigenschaften der List und der Verschlagenheit den Islam zu zerstören. So stehe hinter den christlichen Kreuzzügen, die mit dem europäischen Kolonialismus ihre Fortsetzung fänden, und dem Kommunismus, der nach Qutb eine jüdische Erfindung ist, das Weltjudentum. Ziel der Juden sei die Weltherrschaft, an deren Ende nur das Judentum selbst überleben solle. Der Kampf gegen die Juden sei daher zum Wohle der gesamten Menschheit. Eine Differenzierung der Juden von damals und heute sei nicht nötig, da die jüdische Psyche und Verhaltensweise in jeder Generation gleich bleibe.

Als Widerpart zum "verschwörerischen Judentums" definierte man sich nun selbst und fand in den wirren Verschwörungstheorien eine Kompensation und einleuchtende Begründung für die Verlorenheit in der vom Westen diktierten Moderne.
Es kommt hier also zu einer radikalen Neudeutung der islamisch-jüdischen Geschichte, aufgeworfen von einem in den islamischen Wissenschaften nicht ausgebildeten Laien, die später bedauerlicherweise aber auch in wissenschaftlichen Kreisen übernommen wird. Denn Qutb und jene, die sich ihm anschlossen, dienen antisemitischen Verschwörungstheorien im islamischen Gewand zur hinreichenden Welterklärung für den Niedergang der Muslime. Das Bündnis der Juden mit den anderen Feinden des Islam, nach Qutbs Weltanschauung waren dies die Christen, sei daher eine Selbstverständlichkeit. Eindringlich warnt Qutb seine Leser, dass niemand sich täuschen lassen solle, es handle sich bei den Konflikten der Gegenwart um politische oder wirtschaftliche Auseinandersetzungen. Als naive und verwirrte Muslime verhöhnt er jene, die nicht sehen könnten, dass der Konflikt zwischen der jüdisch-christlichen und der muslimischen Welt ein religiöser und ideologischer sei.
Nach Benz ist die zentrale Botschaft von Verschwörungstheorien stets die angebliche Feindschaft einer Minderheit gegen die Mehrheit. Auch bei Qutb wird aus der zahlenmäßig bedeutend kleineren jüdischen Religionsgemeinschaft ein monolithischer globaler Weltverschwörer. Gänzlich unreflektiert greift Qutb politische Schlagwörter seiner Zeit auf, wenn er vom Weltzionismus, von den kreuzfahrenden Kirchen und dem Weltkommunismus schreibt, die gemeinsam den Islam bekämpfen.
Qutbs geschlossenes Feindbild "des" Juden, das von einer konstitutionellen Schlechtigkeit aller Juden ausgeht, erfährt auch keine Veränderung durch die positiven jüdischen Gestalten des Qur’an, wie z. B. den Herrscher Saul, den Propheten-Königen David und Salomon und schließlich den Propheten Jesu. Stattdessen werden Fehlverhalten von Juden überbetont und dienen dazu, die Unveränderbarkeit des jüdischen Charakters zu belegen.
Der jüdische Gelehrte Moses Mendelsohn (gest. 1786) hatte einst prägnant festgehalten, dass Antisemiten den jetzt lebenden Juden die Fehler ihrer Vorfahren vorhalten, „ohne zu bedenken, dass aller der gerügten Untugenden ungeachtet, der gesetzgebende Gott unserer Väter (…) es gleichwohl möglich gefunden, diesen rohen Haufen zu einer ordentlichen, blühenden Nation umzubilden, die erhabene Gesetze und Verfassung, weise Regenten, Feldherren, Richter und glückliche Bürger aufzuweisen hat“ .
Es ist also wichtig festzuhalten, dass diese Form des Antisemitismus nicht im Islam selbst wurzelt, sondern gänzlich ein Produkt unserer Zeit ist – deshalb auch die Benennung als islamisch verbrämten Antisemitismus.

Er ist ein Unwesen, von dem wir uns mittels eines theologischen und geschichtlichen Diskurses entledigen können und müssen, wenn Muslime ihren Idealen noch folgen wollen.
Wenn wir uns aber nur noch in Abgrenzung zu Anderen verstehen können, wenn wir Rachegefühlen erliegen, um uns besser zu fühlen, und wenn wir auf diesem Götzenaltar unsere Ideale und Werte opfern, verlieren wir uns dann nicht selbst? Aber wozu werden wir dann noch gebraucht?



Literatur, Quellen und Autorenschaft
Asad, Muhammad (2009): Die Botschaft des Koran. Düsseldorf.
Baumgarten, Helga (2006): HAMAS. Der politische Islam in Palästina. München.
Baumöhl, Gila (2012): „Juden und Muslime müssen ihre Feindbilder aufgeben“. Internet: http://www.hr-online.de/website/specials/wissen/index.jsp?rubrik=68728&key=standard_document_44112066 (24.02.2013).
Benz, Wolfgang (2007): Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung. München.
Cohen, Mark R. (2005): Unter Kreuz und Halbmond. Die Juden im Mittelalter. München
Cohen, Mark (2012): Wie Europa den Muslimen die Judenfeindschaft brachte. Internet: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6072685/Wie-Europa-den-Muslimen-die-Judenfeindschaft-brachte.html (23.02.2013).

Doha Third Conference for Religions Dialogue (2005): Conference Daily Speeches. Internet: http://www.qatar-conferences.org/dialogue/english/daily.html (01.11.2011).
Falaturi, Abdoljavad (1992): Toleranz und Friedenstraditionen im Islam. Köln
Küng, Hans; Van Ess, Josef (1994): Christentum und Weltreligionen: Islam. München.
Lewis, Bernard (1986): „Treibt sie ins Meer!“ Die Geschichte des Antisemitismus. Frankfurt am Main.
Mendelsohn, Moses (2005): Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum. Hamburg.
Murtaza, Muhammad Sameer (2010): „Laßt uns die Feindbilder auf beiden Seiten einreißen“. Internet: http://islam.de/15933 (05.02.2013).
Murtaza, Muhammad Sameer (2011): Das „Projekt Weltethos“ als Vermittler zwischen Juden und Muslimen. Internet: http://islam.de/files/pdf/projekt_weltethos_vermittler.pdf. (24.02.2013).
Murtaza, Muhammad Sameer (2011): Die ägyptische Muslimbruderschaft – Geschichte und Ideologie. Berlin.
Murtaza, Muhammad Sameer (2012): Die Würde des Menschen in Tora und im Qur’an. In: Ökumenische FriedensDekade: Mutig für die Menschenwürde: 10-11.
Murtaza, Muhammad Sameer (2012): Gemeinsames Kernethos von Judentum und Islam. Was kann das „Projekt Weltethos“ zum jüdisch-muslimischen Dialog beitragen? In: Islam – Kultur – Politik (Jan-Feb): 3-4.
Murtaza, Muhammad Sameer (2012): Islamische Philosophie und die Gegenwartsprobleme der Muslime. Reflexionen zu dem Philosophen Jamal Al-Din Al-Afghani. Tübingen.
Murtaza, Muhammad Sameer (2012): Jenseits von Eden. Was die Anschläge von Toulouse bedeuten und vor welche Herausforderungen sie die muslimische Community stellen. Internet: http://islam.de/20027 (24.02.2013).
Murtaza, Muhammad Sameer (2012): Sayyid Qutbs hermeneutische Methoden und Auslegung des Qur'ans am Beispiel der Sure al-baqara. In: Karimi, Milad;
Khorchide, Mouhanad: Jahrbuch für Islamische Theologie und Religionspädagogik. Freiburg: 39-61.
Nüsse, Andrea (1998): Muslim Palestine. The Ideology of Hamās. o. O.
Quṭb, Sayyid (1999): In the Shade of the Qur’ān. Leicester.

Wilms, Sulaiman (2012): „Die simple Unterteilung in Gut und Böse“. Internet: http://www.islamische-zeitung.de/?id=16280 (24.02.2013).
Muhammad Sameer Murtaza M.A. ist Islamwissenschaftler bei der Stiftung Weltethos (http://www.weltethos.de/). Seit 2010 setzt er sich mit der Vortragsreihe Gemeinsames Kernethos von Judentum und Islam für ein besseres Verständnis zwischen den beiden Religionen ein. Zuletzt veröffentlichte er das Buch Islamische Philosophie und die Gegenwartsprobleme der Muslime. Reflexionen zu dem Philosophen Jamal Al-Din Al-Afghani.


Dieser Beitrag wurde ursprünglich vom Verfasser als Vortrag gehalten an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf im Rahmen der Veranstaltung Muslime im Focus – Bestimmen die Medien unser Menschenbild?

Quelle: http://islam.de/22132

Weiterer Lesetip: "Was die Anschläge von Toulouse bedeuten und vor welche Herausforderungen sie die muslimische Community stellen - Ein Aufsatz von Muhammad Sameer Murtaza"

Quelle: http://islam.de/20027


Ausstellung: Albanische Muslime schützten Juden vor Nazis

Ausstellung: Albanische Muslime schützten Juden vor Nazis

Die Fotodokumentation von Norman Gershman, die erstmals in Jad Vaschem ausgestellt wurde, kann zurzeit im UN-Hauptquartier besichtigt werden

In einer Fotodokumentation belegt der jüdisch-amerikanische Fotograf Norman Gershman die Rettung von Juden durch die albanischen Muslime. Fünf Jahre lang habe der Fotograf Fotos von muslimischen Rettern in Albanien gesammelt, die während des Zweiten Weltkrieges viele Juden auf eigene Lebensgefahr gerettet haben.

Gershman habe während des Projekts „Besa: eine Regel der Ethik“ zunächst generell nach nicht-jüdischen Menschen gesucht, die während der Nazizeit die jüdischen Mitbürger vor dem Tod gerettet haben. Er sei sehr überrascht gewesen, als er erstmals erfahren habe, dass sich unter ihnen auch albanische Muslime befanden. Auf die Namen der albanischen Muslime sei er vor allem in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte „Jad Vaschem“ gestoßen“.

Mit dem Projektnamen „Besa“ hat Gershman auch eine albanische Bezeichnung für sein Unterfangen gewählt. „Besa“, was soviel wie Ehre, Glaube und das Halten von Versprechen bedeute, sei ein über tausend Jahre altes albanisches Prinzip, dass jeden verpflichtet, all diejenigen zu beschützen, die Schutz bei ihm suchen.
„Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich allen die Geschichte der muslimischen Helden erzählen konnte“, erklärte Gershman bei der Vorstellung des Projekts. Vor allem habe er bei seiner Informationssuche erfahren, dass die „Besa“ dank des Islams auch kulturell in Albanien verfestigt sei. Daher sei es für die Muslime in Albanien undenkbar gewesen, die jüdischen Mitbürger den Nazis zu überlassen. Er sei auf keinen Beleg gestoßen, der das Gegenteil bezeuge, sagte Gershman. Dies habe Letztendes auch dazu geführt, dass die Zahl der in Albanien lebenden Juden sich nach dem Krieg verzehnfacht hat. Albanien sei insoweit das einzige Land gewesen, das unter der Eroberung vob Nazis die Juden geschützt hat.
„Wir geben dem Freund die Besa, aber wir verkaufen sie nicht“
Auch aus den Akten zur Rettung der Juden in Albanien, die der Präsident des Staatsarchivs, Shaban Sinani, publiziert hat, geht hervor, dass praktisch alle Juden, die in Albanien die Zuflucht gesucht haben, gerettet wurden. Über die Rettung der Juden in Albanien schreibt die Journalistin Christine von Kohl: „Trotz aller Schrecken, die Befreiungs- und Bürgerkrieg für die albanische Bevölkerung bedeuteten, wurde kein Jude an die Deutschen ausgeliefert. Erst im letzten Moment, im Frühjahr 1944, unternahm die Gestapo in Tirana die ersten Schritte zur Registrierung der in Albanien lebenden Juden. Angesichts der großen Gefahr, die das Verstecken von deutschen Juden bedeutete, war der Schutz (durch die Besa), welcher ihnen geboten wurde, eine bemerkenswerte moralische Leistung. Darüber gibt es eine Reihe glaubwürdiger Zeugenaussagen“.

Einige dieser Zeugenaussagen gibt von Kohl wie folgt wieder: „Vom Mut und der Geistesgegenwart albanischer Gastgeber, bei denen Juden wohnten, zeugt unter anderem der Bericht von Mark Menahem, der bei einer Familie in Tirana im Versteck lebte. Als die Deutschen an die Tür klopften, steckte ihn die Hausfrau, deren Mann gerade nicht zu Hause war, in dessen Bett und stellte Mark als ihren kranken Mann vor. Josef Jakoel wiederum berichtet, dass sein Freund nach dem Krieg seinem albanischen Retter als Dank einen Geldbetrag zukommen lassen wollte und folgende Antwort erhielt: „Ich habe Dich als einen Freund behalten, ich habe Dir die Besa erwiesen, unseren traditionellen Schutz für einen Gast – wir geben dem Freund die Besa, aber wir verkaufen sie nicht“. Die Besa meint das unverbrüchliche Wort, den Schwur, die persönliche Treue, den zuverlässig gewährten Waffenstillstand. Das Halten der Besa ist unverzichtbare Voraussetzung der persönlichen Ehre eines Mannes, auch wenn er und seine Familie größte Gefahren und schwerste Opfer in Kauf nehmen müssen.“
Die Fotodokumentation von Norman Gershman, die erstmals in Jad Vaschem ausgestellt wurde, kann zurzeit im UN-Hauptquartier besichtigt werden. Von hier aus soll sie weltweit an verschiedenen Orten ausgestellt werden. Zudem werde an einem Fotobuch und einer Fernsehdokumentation gearbeitet.Quelle: www.igmg.de

Quelle: http://islam.de/10681.php

Donnerstag, 11. April 2013

Behead all those who insult Mr. tickles!

                                             Klischee der Friedensreligion



                               Die wirkliche Gefahr!
Behead all those who insult Mr. tickles!