" Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt /
Und läßt andere kämpfen für seine Sache /
Der muß sich vorsehen; denn /
Wer den Kampf nicht geteilt hat /
Der wird teilen die Niederlage. /
Nicht einmal den Kampf vermeidet /
Wer den Kampf vermeiden will; denn /
Es wird kämpfen für die Sache des Feinds /
Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."

"Man muß so radikal sein wie die Wirklichkeit."
Bertolt Brecht




Dienstag, 31. August 2010

Sarrazin, Marx und Lyssenko


Vorab: Das Blödsinnigste und Ärgerlichste bei der ganzen Sache ist, dass nun die Rechten wieder einmal davon profitieren, dass Linke (aller Coleur) sich einer dringend notwendigen Debatte verweigern und nicht sein soll, was nicht sein darf. Wir haben hier in Erlangen eine wichtige Integrationskonferenz am laufen, hier ist die Tagesordnung der nächsten Sitzung:


1. Vorstellung und Diskussion von Praxisbeispielen von Diversity Management in öffentlichen Verwaltungen


2. Gestaltung der Integrationskonferenz nach DM-Aspekten: Ideensammlung


3. Diskussion der vorgeschlagenen Arbeitsgruppen für die Konferenz


AG 1: Kundenorientierung (Öffentlichkeitsarbeit, Beratung unter DM-Aspekten)

AG 2: Personalmanagement unter DM-Aspekten (z.B. Verwaltungsschule Hof)

AG 3: Infrastruktur

AG 4: Bildungsangebote unter DM-Aspekten


4. Stichwortsammlung für den gewünschten Ablauf und Themenaspekte im Impulsreferat


Sarrazin wird ja unter anderem wegen seiner kruden Genetiktheorie angegriffen. Das ist an sich schon richtig, er disqualifiziert sich allein schon dadurch, dass er unentwegt von "genetischen" Ursachen schwafelt. Biologismus ist Rassismus. Auch fehlt ein Lösungsansatz, den er (aus den determinierten Gründen) gar nicht bieten kann ( er hätte wenigstens mal einen Genetiker oder Evolutionsbiologen querlesen lassen sollen, die Unhaltbarkeit seiner These fällt ja schon einem biologischen Laien auf), allerdings ist das Weltbild seiner KritikerInnen, was den Fragekomplex "Umwelteinflüsse oder Vererbung?" in Bezug auf die Erziehung/Form
ung des Menschen angeht, keinen Deut besser.

Das Problem ist allerdings, dass viele Linke vom vollständig "erziehbaren" Menschen ausgehen und dass als negativ empfundene Eigenschaften immer korrigierbar seien. Ausserdem sollten die durch Erziehung und Umwelteinflüsse erworbenen Eigenschaften dann wiederum vererbbar sein. Das ist eine These, die auf Lamarck zurückgeht und in das sozialistische Menschen/Erziehungsbild transportiert wurde. Besonders stark bekam das die UdSSR unter Stalin zu spüren, als Lyssenko führender Biologe wurde. Lyssenkos Erfolg in der Sowjetunion beruhte darauf, dass nach marxistischer Auffassun
g erbliche Einflüsse auf die menschliche Entwicklung minimal seien. Die biologischen Wissenschaften der Sowjetunion wurden so nachhaltig geschädigt (es kam zu Hungersnöten mit Millionen Toten), so dass der Begriff Lyssenkoismus fortan als Schlagwort für die Unterordnung wissenschaftlicher Erkenntnis unter die Wunschvorstellungen der Politik gebraucht wurde.

Und genau das ist das Problem, worauf Sarrazin aufmerksam machen will. Die Unterordnung wissenschaftlicher Erkenntnis unter die Wunschvorstellungen der Politik. Vulgär als Multikulti-Euphemismus bezeichnet, deren Vertreter als "Gutmenschen" bezeichnet werden. Das ist allerdings kein Privileg linker Gesellschaften, auch rechte Kreise sortieren ja wissenschaftliche Ergebnisse gerne nach Ideologie und Bestätigung ihrer Politik. Siehe Gorleben, die aktuelle Frage nach der Notwendigkeit von Atomkraftwerken etc
.

Sarrazin kritisiert insbesondere die Integrationsdefizite islamischer EinwohnerInnen, allerdings ist Religion keine genetische Angelegenheit, sondern Bestandteil einer "Kulturwolke". Besser wäre es, die Diskussion weg vom biologischen, hin zum kulturellen Hintergrund der Menschen zu führen. Da bietet sich das Mem-Konzept des bekannten Evolutionsbiologen Richard Dawkins an.

Eine hervorragende Analyse von Frank Schirrmacher sagt: Nichts macht die Gesellschaft dümmer als Biologismus "Nichts verhindert die Klugheit
einer Gesellschaft mehr als Biologismus – nicht nur weil er falsch ist, sondern weil er den Menschen das Gefühl gibt, festgelegt zu sein und weil er anderen die Macht gibt, sie festzulegen."
Mit dem kulturellen Mem-Konzept als Pendant zum biologischen Gen veranschaulicht er das Prinzip der natürlichen Selektion, deren Grundeinheit Replikatoren von Informationen sind. Dann spricht man auch über Kultur und nicht mehr über "Rasse".

Aber wir leben schließlich in einer Gesellschaft, in deren höchsten Gütern die Meinungsfreiheit verankert ist. Das schließt auch das Recht ein, Polemiken, Dummheiten und Idiotien abzusondern. Damit steht Sarrazin nicht allein da, er ist allerdings ein Indikator, ein Lackmuspapier der Säure der unterdrückten Diskussion in Deutschland.

Der Kampf um die Integration der Muslime in Deutschla
nd ist nicht verloren; aber er wird verlorengehen, wenn die Muslime diese Integration nicht auch als eigene Bringschuld begreifen. Wenn sie nicht "Loyalität gegenüber diesem Land" zeigen, nicht bereit sind zur Versöhnung ihrer Religion mit der Moderne. Das sagt kein "Islamophober", sondern Imam Benjamin Idriz aus Penzberg.

kleines Experiment am Rande: Ich verfolge jetzt einfach mal ein paar Tage die Bewertungen bei Amazon und stelle die Bilder hier ein:


Update 02.September: Das Buch ist mittlerweile ausverkauft bei Amazon und wird mit 1-3 Wochen Lieferzeit angegeben. Im Marketplace ist es gebraucht! mehr als doppelt so teuer wie neu, so um die 40-50€. Kommt ausser der Polemik Bewegung in die sachliche Diskussion über das Thema? Bis jetzt sehe ich nichts.



Update 06.September:


Montag, 30. August 2010

"Die Welt ist rund und du bist trotzdem ein Arschloch"

Showdown in Berlin: Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin stellt sein umstrittenes Buch vor. Die öffentliche Empörung erzürnt den Autor: Die Kritiker hätten entweder sein Buch nicht gelesen oder wären nicht auf der Höhe seiner Analyse. Beides mache sie nicht debattenfähig.

Dass solche Thesen etwa in den Niederlanden und in Belgien vor allem von Parteien am rechten Rand vertreten werden, stört Sarrazin nicht. Allerdings will er mit ihnen auch nicht in eine Ecke gestellt werden. Wenn er etwa behaupte, die Erde sei rund, und ein ihm nicht Wohlgesonnener behaupte das gleiche, dann stelle er sich nicht hin und behaupte, die Erde sei eckig.

Nein, das wäre auch nicht sein Stil. Seinem Stil entspricht, was er danach sagt: "Dann sage ich: Die Welt ist rund und du bist trotzdem ein Arschloch."

Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln. Aber die politische Klasse, der seine Kritik gilt, verweigert sich der Debatte, argumentiert die Soziologin Necla Kelek.


Und Frank Schirrmacher kommentiert:

"Die Zahl der Menschen, die ihm hinter vorgehaltener oder nicht vorgehaltener Hand recht geben, ist beträchtlich. Sein „Lettre“-Interview war im letzten Jahr sogar in der Auswahlliste des rechtsradikal unverdächtigen Henri-Nannen-Preises. Redet hier einer für alle? Zieht man ab, was bei der Rezeption seines Buches nur Rufmord oder pure Ideologie ist, so bleibt ein ganz anderer Befund: Sarrazins Thesen laufen auf eine vollständige Neudefinition unseres Begriffs von Kultur hinaus."

Sonntag, 29. August 2010

Muslime in Deutschland-Von Lamya Kaddor

"Man muss diesen Text mit einem Paradoxon beginnen: Ich existiere gar nicht. Ich schreibe zwar diese Zeilen, aber ich bin nicht da. Ich haben nämlich studiert und gehe einem sozialversicherungspflichtigen Job nach; ich verteidige die Demokratie und bin doch gläubige Muslimin. In den Augen vieler Zeitgenossen kann es das aber nicht geben. Nein, dies ist kein Märchen; es ist ein schlechter Witz, der mitten in der Realität Deutschlands seine Runden macht." -> Weiterlesen


Frau Kaddors Überlegungen zu Sarrazins neuem Buch bewogen mich zu eigenen Reflexionen, die in folgendem Leserbrief mündeten:

Sehr geehrte Frau Kaddor,

Sarrazin disqualifiziert sich allein schon dadurch, dass er unentwegt von "genetischen" Ursachen schwafelt. Auch fehlt ein Lösungsansatz, den er (aus den determinierten Gründen) gar nicht bieten kann. Aber wir leben in einer Gesellschaft, in deren höchsten Gütern die Meinungsfreiheit verankert ist. Das schließt auch das Recht ein, Polemiken, Dummheiten und
Idiotien abzusondern.

Das gleiche Recht wird selbstverständlich auch Ihnen zugestanden, wenn Sie unentwegt Islamkritiker in gedanklichen Tüttelchen als "sogenannte" bezeichnen. Damit unterstellen Sie pauschal unredliche Absichten, häufig wird Islamkritik mittlerweile in rechtsextreme und/oder rassistische Ecken gesteckt. Der Gipfel der Unverfrorenheit ist die Propagierung "struktureller Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamophobie". Ihre christlichen Brüder und Schwestern lamentieren auch dauernd über die Verletzung ihrer religiösen Gefühle, wenn mal eine Satire oder ein wütender Kommentar zum Kindesmissbrauch oder die dauernde Einmischung der Berufsreligiösen als ethische Instanzen bei kontroversen gesellschaftlichen Themen erscheint.

Welche Beleidigung unserer (des nichtreligösen Bevölkerungsteils) Gefühle allein die Vergabe zighundert Millionen € an Steuergeldern für religiöse Zwecke und die Gehälter von Bischöfen, Priestern etc. darstellt!
Erstmals hat 2009 ein europäischer Staat (Irland) wieder „Blasphemie/Gotteslästerung“ als Straftatbestand neugeschaffen. Damit soll die „Verletzung religiöser Gefühle“ kriminalisiert werden. Zustimmung kam von der Organisation der Islamischen Staaten. Diese versuchen nun, in Anlehnung an das irische Gesetz Gotteslästerung international von den Vereinten Nationen unter Strafe stellen zu lassen. Die Versuche religiöser Führer, die Meinungsfreiheit und Freiheit
der Kunst einzuschränken, kulminierten in letzter Zeit im Zuge des sog. „Karikaturenstreit“ um die Mohammedzeichnuungen und das Titanic-Cover zum Missbrauch von Kindern durch christliche Priester.Ebenso wird versucht, eine religiöse Nebengerichtsbarkeit in europäischen Ländern offiziell einzuführen, die Sharia. Dies geschieht (wie bereits in England) mit Förderung und Wohlwollen christlicher Kirchenführer.

Leider besteht wenig Hoffnung auf einen aufgeklärten Islam, wenn ich mir das vielsagende Schweigen der muslimischen Organisationen in Europa zu den Themen Gleichberechtigung in muslimischen Ländern, Atomprogramm des Iran, Hinrichtung von Apostaten, freie
Gewerkschaften, Steinigungen etc. etc. anhöre. Höchstens, dass der Kolonialismusvorwurf kommt. Nun ja. Ich bin mir sicher, auch Sie als Muslimin hätten in (fast) allen muslimischen Ländern ein großes Problem, wenn Sie so wie in Deutschland auftreten und publizieren wollten.

Deshalb stellen sich vielen denkenden Menschen die Haare auf, wenn man Selbstbezeichnungen wie "fromm" liest. Jahrtausendelang haben die Religionen in Europa und der Welt gewütet und Milliarden Menschen getötet. Geistig und körperlich. Es reicht. Zumindest in Europa ist nun Schluss damit.

Gottlos glücklich,
Frank Heinze,
Erlangen


"Es sind die Theologen, die nach Blut verlangen, durchaus nach Blut. "Nur erst ab den Kopf, mit der Besserung wird es sich schon finden, so Gott will." Welch ein Glück, das die Zeiten vorbei sind, in welchen solche Gesinnungen Religion und Frömmigkeit hießen; das sie wenigstens unter dem Himmel vorbei sind, unter welchem wir leben! Aber welch demütigender Gedanke,
wenn es möglich wäre, das sie auch unter diesem Himmel einmal wiederkommen könnten!" aus: Theologiekritische Schriften I und II, von Gotthold Ephraim Lessing

BTW: Lesetip neues Buch:
"Arabqueen", ein Neukölln-Roman von Güner Balci



Samstag, 28. August 2010

Kein „Al-Quds“-Tag in Berlin!

Seit 2002 demonstrieren jährlich in Berlin islamische Fundamentalist_innen zusammen mit Neonazis von DVU und NPD sowie anderen Israelfeind_innen zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan, um am sogenannten „Al-Quds“-Tag die Vernichtungsdrohung gegen den jüdischen Staat auf die Straße zu tragen. So ist auch in diesem Jahr, am 4. September, wieder eine Demonstration geplant. „Al Quds“, der sogenannte „Internationale Jerusalemtag“ ist ein gesetzlicher Feiertag im Iran. Er geht auf einen Aufruf des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Chomeini vom 8. August 1979 zurück. Heute wird der „Al-Quds“-Tag zum Anlaß genommen im gesamten Nahen Osten (vorwiegend in schiitischen Gegenden), in Amerika und Europa öffentlich die Vernichtung Israels zu fordern. Dieses Mal wird es jedoch eine antifaschistische Gegendemonstration unter dem Motto: „Gegen Islamismus und Antisemitismus“ und eine Infoveranstaltung im Cafè Median geben.

Dienstag, 24. August 2010

Israelische Kinder sollen früher Arabisch lernen

Jüdische Kinder in Israel sollen künftig früher Arabisch lernen, um die Kommunikation mit ihren arabischen Landsleuten zu verbessern. Von September an soll in einem Teil des Landes die Sprache bereits in der fünften Klasse zum Pflichtfach werden. ->Weiterlesen

Montag, 23. August 2010

Hunger nach Heimat

Seit vier Wochen sitzt Firas Maraghy vor der Botschaft Israels und hungert. Er will damit erst aufhören, wenn seine Tochter in Jerusalem leben darf. ->Weiterlesen


Kommentar meinerseits:

"Nie gab es so viel Tote, als seit der große Krieg für wahre Freiheit und echte Demokratie gewonnen wurde. Tyrannen und Despoten wurden besiegt, und der Sieger wurde das Zeitalter einer größeren Tyrannei, das Zeitalter der Landesflagge, das Zeitalter des Staates und seiner Lakaien“ B.Traven, Das Totenschiff (Kap. 32).

Donnerstag, 19. August 2010

"Das Schandmal ist weg" - Jerusalem reißt Mauer ein


Vor zehn Jahren errichtet Israel eine Mauer, um die Siedlung Gilo in Jerusalem während der Zweiten Intifada vor Angriffen der Palästinenser zu schützen. Jetzt rückt die Armee an und baut die Mauer wieder ab. ->Weiterlesen

Dienstag, 17. August 2010

Konturen eines „rechten Antiimperialismus“

Träume vom Hitler-Stalin-Pakt: Wie die Hamburger Rechten versuchen, vor möglichen Wahlen bei der Linken Bündnispartner zu finden – und damit in einer Tradition stehen.

Hier habe ich interessantes beim googlen zum Autor gefunden:

Der BAK "Shalom" der Jugendorganisation ´solid als Feind der NPD. Soweit, so gut. Nun sehen auch viele Antiimperialisten die BAK-Leute als ihre Feinde an. Folgerichtig bietet jetzt die NPD den Antiimperialisten Unterstützung im Kampf gegen die angeblichen "Antideutschen" an:



Montag, 16. August 2010

„Ein Jude deportiert keine Kinder.“

VON SARA LEMEL (dpa)
Israel will 400 ausländische Kinder aus­weisen — und bringt die Volksseele zum Kochen. Sogar Vergleiche mit der Deportation jüdischer Kinder während des Holocaust werden gezogen.

TEL AVIV — Die kleine Naoti sitzt ängstlich auf dem Schoß ihrer nigeria­nischen Mutter und lutscht nervös an zwei Fingern. Die rosa gekleidete Drei­jährige mit den schwarzen Zöpfchen ist eines von 400 ausländischen Kin­dern, die Israel demnächst ausweisen will. „Es ist sehr hart für uns, wir leben in ständiger Furcht“, sagt ihre Mutter Linda leise.
Die umstrittene Entscheidung der Regierung von Ministerpräsident Ben­jamin Netanjahu hat in Israel eine hef­tige öffentliche Debatte ausgelöst. Tausende von Israelis und Fremdar­beitern demonstrierten in Tel Aviv gegen die Ausweisung der Kinder, von denen die meisten in Israel geboren sind. „Deportiert uns nicht, wir sind Israelis“, steht auf einem gelben Schild, das zwei kleine dunkelhaarige Mädchen mit asiatischen Gesichtszü­gen durch die Straßen tragen.
Nach monatelangen, sehr emotiona­len Debatten hatte Netanjahus Kabi­nett zu Monatsbeginn entschieden, 400 Kinder ausländischer Arbeiter des Landes zu verweisen. 800 dürfen bleiben, weil sie bestimmte Kriterien erfüllen. Die Kinder müssen unter anderem in Schulen oder Kindergär­ten
eingeschrieben sein, seit mindes­tens fünf Jahren im Land leben und Hebräisch sprechen.
Die Entscheidung zur Ausweisung der 400 Kinder wird damit begründet, man müsse die jüdische Identität des Staates Israel gewährleisten. Immer­hin sei Israel als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes gegründet wor­den. Seit einigen Jahren kommen ne­ben ausländischen Arbeitskräften mit offizieller Genehmigung auch immer mehr Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern ins Land, viele davon mit Kindern. Dies weckt in Israel Ängste vor einer Überfremdung und mögli­chen Mischehen. „Wir wollen keinen Anreiz für Hunderttausende illegaler Arbeitsmigranten schaffen, das Land zu überfluten“, sagt Netanjahu.


„Menschliche Schutzschilde“

Kritiker verwerfen dies jedoch als scheinheilig. Rotem Ilan, Sprecherin der Organisation Israeli Children, sag­te: „Unschuldige Kinder dürfen nicht den Preis dafür bezahlen, dass Israel keine richtige Einwanderungspolitik hat.“ Treibende Kraft hinter der Ent­scheidung zur Ausweisung ist Innen­minister Eli Jischai von der strengreli­giösen Schas-Partei. Der ultra-ortho­doxe Minister hatte ausländischen Arbeitern vergangene Woche vorge­worfen, ihre Kinder als „menschliche Schutzschilde“ zu missbrauchen. „Man muss ihnen sagen: Auf Wiederse­hen, der Ausflug ist vorbei — jeder muss in seine Heimat zurückkehren.“
Doch für viele der betroffenen Kin­der ist Israel die Heimat und Hebrä­isch mitunter die einzige Sprache, die sie sprechen. Wie etwa Irene de la Cruz: Ihre Eltern stammen von den Philippinen, sie lebt seit 15 Jahren in Israel und will nicht gehen. „Ich habe in der Schule alles über die jüdischen Feiertage gelernt, ich liebe israeli­sches Essen und ich habe eine israeli­sche Mentalität“, sagt die 24-Jährige in akzentfreiem Hebräisch.
Der Kreis derer, die sich für die 400 Kinder einsetzen, wird immer größer. Die Organisation der Holocaust-Über­lebenden und die Kibbuz-Bewegung haben ihre Stimme gegen die „Depor­tation“ erhoben. Sogar Sara Netanja­hu, Frau des Ministerpräsidenten, bat Jischai in einem Brief „aus tiefstem
Herzen“, die Kinder bleiben zu lassen. Der Fotograf Yigal Shtayim hat ei­ne Facebook-Gruppe für Israelis ge­gründet, die ausweisungsgefährdeten Kinder ein Versteck anbieten wollen. Der Schriftsteller Jehuda Atlas bringt den moralischen Anspruch auf den Punkt, den die Ausweisungsgegner an den Staat Israel stellen: „Ein Jude deportiert keine Kinder.“

Copyright (c)2010 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 16.08.2010

NYT-Kommentar zur Israel-Kritik

Konstruktive Kritik beginnt mit der Klarstellung: ‚Ich weiß, in was für einer Welt ihr lebt.‘ Ich weiß, der Nahe Osten ist ein Ort, wo Sunniten im Irak Schiiten massakrieren, der Iran seine eigenen Wähler tötet, Syrien angeblich den Ministerpräsidenten des Nachbarlandes tötet, die Türkei auf die Kurden eindrischt und die Hamas wahllosen Beschuss betreibt und die Anerkennung Israels verweigert. Ich weiß all das. Aber Israels Verhalten macht die Sache manchmal noch schlimmer – für die Palästinenser und für Israel. Wenn man den Israelis verständlich macht, dass man die Welt versteht, in der sie leben, und sie dann kritisiert, werden sie zuhören.

Destruktive Kritik verschließt israelische Ohren. Sie sagt den Israelis: Da ist kein Kontext, der euer Verhalten erklären könnte, und eure Fehler sind so einzigartig falsch, dass sie alle anderen überschatten. Destruktive Kritiker tun Gaza als ein israelisches Gefängnis ab, ohne zu erwähnen, dass sich Israel auch anders verhalten hätte, wenn die Hamas beschlossen hätte, Gaza nach dem einseitigen Abzug Israels in ein Dubai anstatt in ein Teheran zu verwandeln. Destruktive Kritik bestärkt die destruktivsten Elemente in Israel nur darin zu argumentieren, dass nichts, was Israel tut, eine Rolle spielt – warum sich also ändern?“ ->Weiterlesen

Sonntag, 15. August 2010

Wie amerikanische Muslime Auschwitz erleben

Hohe Repräsentanten des Islam haben das ehemalige Konzentrationslager besucht. -> Weiterlesen

Samstag, 14. August 2010

Kosher King against Humus Hut


Das ist ein Ausschnitt aus dem Filmtip: West Bank Story

Der Trailer ist ->hier

Freitag, 13. August 2010

Veranstaltungshinweis Oktober


Oben steht ein Veranstaltungshinweis zu einem aktuellem, kontroversem Thema. Mit Robert Kurz (http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Kurz) ist es den Veranstaltern gelungen, einen bekannten marxistischen Publizisten aus der Region für einer entsprechenden Veranstaltung zu gewinnen. Ich bitte euch um Weiterleitung an interessierte GenossInnen. Weiteres Material (z.B. Artikel von R.Kurz, Plakate, Flyer) kann bei mir angefordert werden.

Auch sollte überlegt werden, ob VertreterInnen der politische Richtung in der Partei, die sich bei der Jugendorganisation ´solid mit dem BAK "Shalom" (http://bak-shalom.de/) und seinen mittlerweile 14 Landesarbeitskreisen (wie jetzt auch ganz neu in Bayern) manifestiert, sich nicht auch in Form einer IG/LAG der Partei DIE LINKE in Bayern organisieren sollte. Bei Interesse bitte ich, meldet euch bei mir. Näheres könnte auch am 18.09. zum Programmkonvent in Erlangen oder auch dann bei der Veranstaltung besprochen werden.

MsG,
Frank Heinze
KV Erlangen-Höchstadt

A C H T U N G !

"Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige Menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen."

"Sehr trauriger Tag für die Zivilgesellschaft"

Das Verwaltungsgericht Hannover hat einen Neonazi-Propagandamarsch erlaubt und eine DGB-Gegendemo verboten. Begründung: Für beides gebe es nicht genug Polizisten, die Rechtsradikalen hätten ihre Veranstaltung zuerst angemeldet - und vor allem gehe von den Linken mehr Gefahr aus. Die Empörung ist groß. -> Weiterlesen

Mittwoch, 11. August 2010

Sieg im Modeverbrecherprozess: Heinar ruft Achse Rostock-Leipzig aus

Wie bereits vor einigen Wochen im Rahmen der mündlichen Verhandlung angedeutet worden war, musste die als klagefreundlich bekannte Mediatex GmbH und Inhaberin der Modemarke „Thor Steinar“ vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth eine empfindliche Niederlage einstecken. Storch Heinar siegte auf ganzer Linie. Der Richter hat heute die Klage im Grundsatz abgewiesen. ->Weiterlesen

Multiethnizität und kulturelle Diversität in Israel

ANSÄTZE EINER POLITIK DES MULTIKULTURALISMUS?

Von Mathias Hankel, Gründungsmitglied des BAK Shalom. Im Rahmen eines Freiwilligendienstes der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste wird er von September 2010 bis August 2011 im ASF-Büro sowie für den Jewish Family and Children's Service in Philadelphia, PA, USA arbeiten. ->
Weiterlesen

Dienstag, 10. August 2010

"Der jüdische Witz, das sind Tränen, die zu einem Lachen geworden sind"

Er hat Auschwitz überlebt und feiert das jetzt mit einem Video: Adam Kohn tanzt auf dem KZ-Gelände zu dem Disco-Hit "I Will Survive". ->Weiterlesen



Samstag, 7. August 2010

Liebe Sakineh Ashtiani!

Ich stelle es mir vor: Ich stehe vor einem iranischen Gericht. Ich werde nicht angehört. Der Richter spricht das Urteil. . .

Jeder Stein prallt mit voller Wucht auf. Vielleicht eine Stunde lang. Vielleicht zwei Stunden lang. Der Schleier klebt in den Nasenlöchern. Kleidet die Mundhöhle aus. Sand gerät unter den Stoff. Schmirgelt die Augenwinkel ab. Weil die Arme nichts abwehren können, bleibt nur, den Schmerz aus dem Schritt zu drücken. Jeder Atemzug wird durch einen Stein aufgehalten. Der Atem staut sich in alle Richtungen. Oben im Gehörgang knirscht der Druck. Weiter unten, im Busen, bleibt der Atem einfach stecken. Glück ist, wenn das Ich vor dem Körper geht. Bevor nach vier Stunden der zuckende Hügel aufgibt, verbeugt er sich ein letztes Mal vor dem Leben, neigt sich über die blutige Erde und bleibt liegen. Dann endlich wird auch der Lärm aufhören. Denn sie haben die ganze Zeit gebrüllt und gebetet. Sie haben vor Gott angegeben. Sie glauben, dass er lobend zuschaut.

Sie soll die Nächste sein: Sakineh Mohammadi Ashtiani. Alter: 43. Vorwurf: Ehebruch. Urteil: Tod durch Steinigung.

Ihre beiden Kinder, die 17-jährige Farideh und der 22-jährige Sajjad bitten verzweifelt um Hilfe: freesakineh.org.

Quelle: FR


Mohammad Javad Larijani, der Führer des iranischen Komitees für Menschenrechte: ”Steinigungen finden auf der Grundlage der islamischen Sharia statt“

"Wenn wir keine Steinigung hätten und stattdessen Hinrichtungen, würden sie uns auch kritisieren. Es muss aber beachtet werden, dass Steinigung aus islamischer Perspektive als eine mindere Strafe anzusiedeln ist als eine Hinrichtung. Denn bei einer Steinigung kann die Person sich retten, nicht aber bei einem Todesurteil.“ Quelle

Freitag, 6. August 2010

Warum Israel? - Pourquoi Israël

Ich werde häufig gefragt, warum gerade das Nahostthema in der letzten Zeit so bestimmend für meine politische Arbeit bei der Linken geworden ist. Wir hätten doch noch andere Themen, Soziales, Rente, Hartz IV.

Nun, das stimmt schon. Aber: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen." wie es so schön hieß.

Eines Tages wird man sich fragen, wann das eigentlich angefangen hat, dieses Bündnis von Linken und Islamisten, von Linken und Jihadisten. Vielleicht ist schon jetzt der Zeitpunkt, da diese Frage gestellt werden muss, denn ein entscheidender Schritt zu solcherart rot-grüner Koalition ist inzwischen vollzogen: Die »Mavi-Marmara-Linke« ist nicht mehr die Linke, die sie vorher war. Als vor einem Jahr im Iran die Opposition gegen das die Hamas protegierende Mullah-Regime aufstand, verweigerte die Linke in Deutschland ihr weitgehend die Solidarität und glänzte durch Schweigen. Was bis dahin Schweigen, Nicht-Reaktion war, wurde, als die »Mavi Marmara« in Istanbul ablegte, zur aktiven Kollaboration.

Das alles könnte als kleiner linker Irrsinn abgetan werden, der ohnehin keine Geltungsmacht erlangen wird, wenn sich das Bündnis zwischen Islamismus und Linken nicht auf einer ganz anderen Ebene längst materialisieren würde: Seitdem Venezuelas Präsident Hugo Chávez, der selbsterklärte Anführer des »Sozialismus des 21. Jahrhunderts«, und Irans Präsident Mahmoud Ahmedinejad, dem Möchtegern-Anführer der islamischen Welt, ein offenes, ausdrücklich als »antiimperialistisch« definiertes Bündnis eingegangen sind, das von der wirtschaftlichen bis zur militärischen Zusammenarbeit reicht, ist die links-jihadistische Querfront mehr als eine Verirrung einiger Linker .

Moishe Postone warnte bereits 1976:

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst."

Wie bekannt, habe ich die ersten 20 Jahre meines Lebens in der DDR verbracht, eine Erfahrung die ich nicht missen möchte. Inclusive der MfS-Überwachung und NVA-Gefängnis. Meine größte Lehre daraus ist, dass soziale Sicherheit nichts wert ist, wenn es nicht auch Demokratie, allgemeine, freie und gleiche Wahlen, freie und starke Gewerkschaften, Bewegungsfreiheit, das Recht auf freie Meinungsäusserung, Gleichberechtigung von Mann und Frau und eine freie Presse gibt.

Ich halte diese Grundbedingungen für unverzichtbar und Staaten oder Organisationen, die diese Bedingungen nicht für die gesamte Bevölkerung gelten lassen, für nicht bündnisfähig. Eine Zusammenarbeit mit solchen Staaten und Organisationen lehne ich ab.

In weiten Teilen (West)Deutschlands allerdings kamen durch die Vereinigung von WASG und PDS zur LINKE Strömungen in die Partei, die eine Zusammenarbeit mit religös-nationalistischen Terrorganisationen wie HAMAS und Hizbollah und Diktaturen wie dem Iran und Nordkorea nicht nur tolerieren, sondern wesentlich befördern wollen. Eine Zusammenarbeit mit Organisationen, die,wenn an der Macht, mit Sicherheit sowohl Linke wie Gewerkschaftler erschießen, Frauen unter Burka und Schleier zwingen oder auch mal steinigen und Homosexuelle an Baukränen aufhängen. Einigendes Band ist immer ein wütender Antizionismus und Israelhass sowie ein Antiamerikanismus, der ebenfalls religiöse Züge angenommen hat.

Auch gibt es Leute, die das verbrecherische Grenzregime und die Mißachtung der Menschen.- und Bürgerrechte in der DDR zumindest relativieren, wenn nicht gar verteidigen. Positionen, die klar abweichen von der Beschlusslage der Partei

Nun vertrete ich im Kreisverband DIE LINKE dahingehend (noch) eine Minderheitenmeinung, Es ist mir auch noch nicht gelungen, jenseits der eindimensionalen Fixierung auf Sozialthemen eine Diskussion über den Abbau der Bürgerrechte, die Angriffe auf den Datenschutz und den notwendigen Umbau Erlangens in Richtung Bürgerkommune als Prinzip partizipatorischer Demokratie zu entwickeln. Das sind Aufgaben für die Zukunft. Ich hoffe auf weitere Mitstreiter (m/w), die die Linke in Erlangen auf diesem Wege voranbringen möchten. Ich rufe auch die Mitglieder der Jusos und der SPD auf, wenigstens die bisherige "Friedensbewegung" in Erlangen zu reflektieren. Ich bin gerne bereit, in einer öffentlichen oder nichtöffentlichen Diskussionsveranstaltung meine Positionen der kritischen Auseinandersetzung auszusetzen.

Donnerstag, 5. August 2010

Auf den Punkt gebracht

Leserbriefe und Kommentare zum Leserbrief des Erlanger Jusovorsitzenden Dr. Richter.

"Herr Dr. Richter weist eine Behauptung von Stadtrat Frank Heinze zurück, die von diesem so gar nicht geäußert wurde. Heinze schrieb: „Bei den ‚Free Gaza‘-Demos marschieren einträchtig die fahnentragenden Anhänger der radikalislamischen HAMAS, der nationalfaschistischen türkischen ‚Grauen Wölfe‘ neben PACE-Fahnen und neben Mitgliedern der Linkspartei, der SPD und diversen kommunistischen Splittergruppen. Selbst die NPD hat ihre eigenen ‚Free Gaza‘-Plakate.“ Das mutiert bei Herrn Dr. Richter zu der „Äußerung des Leserbriefschreibers, die Friedensbewegung, darunter Mitglieder der SPD und der Linkspartei, hätten gemeinsam mit Faschisten oder Antisemiten demonstriert“. Im nächsten Satz ist bei Dr. Richter daraus dann schon der Vorwurf einer „Zusammenarbeit von Friedensbewegung, SPD oder Linkspartei mit Faschisten oder Antisemiten“ geworden. Dass die von Heinze erwähnten Organisationen HAMAS und Graue Wölfe an derartigen Demonstrationen, bei denen man auch die Fahnenvon Friedensbewegung, Jusos und der LINKEN sehen konnte, beteiligt waren, ist durch Bilder auf YouTube leicht zu verifizieren. Dasselbe gilt für die erwähnten Plakate der NPD, die Frank Heinze übrigens gerade nicht den einträchtig zusammen Marschierenden zugerechnet hatte. Der Juso-Vorsitzende Dr. Richter sollte auch bei der Auseinandersetzung mit dem Vertreter einer konkurrierenden Partei das Gebot der Wahrhaftigkeit beachten. " Professor Dr. Theodor Ebert Erlangen

Als Mitglied der Linken kann ich Herrn Heinze in seinen Aussagen unterstützen. Es ist meiner Meinung nach beschämend zu sehen, mit welchen Leuten und Organisationen sich die so genannten Friedensbewegten verbünden. Auf 3Sat und im ARD liefen entsprechende Reportagen. Man kann bei youtube problemlos jederzeit Videomitschnitte der Demos ansehen und sich die Hassgesänge und Parolen der so genannten Friedensdemonstranten anhören. Selbst unsere stellvertretende Parteivorsitzende und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau schrieb neulich „Damit dürfen sich Linke nicht gemein machen und schon gar nicht — im Wortsinne — in einem Boot sitzen.“ Die Demonstrationen „gegen die Militärmassaker“ waren meines Wissens nach im Wesentlichen linke Demonstrationen: Will heißen, überhaupt noch auseinander zu dividieren, wer islamistische und wer linke Inhalte vertritt, stellt sich zunehmend insofern als müßig heraus, als dass sie meiner Meinung nach inzwischen fast in eins fallen.

Eine bedenkliche Entwicklung, der Herr Heinze zu Recht kritisch gegenüber steht.

Chaim Klemenz, Erlangen


Nach dem Lesen des meiner Meinung nach recht ungeniert unter die Gürtellinie zielenden Leserbriefs des Juso-Vorsitzenden Dr. Richter ist mir endlich klar geworden, was seinerzeit mit „neuer Politikkultur als zentrale Dimension des neuen Programms der SPD“ gemeint war. Da heißt es sachlich bleiben, auch wenn es schwer fällt.

Tatsache ist meines Wissens, dass bei einigen führenden Linken die Nähe von sich als „links“ definierenden Gruppen zu nationalistisch-religiösen Organisationen Unbehagen und Besorgnis hervorruft. Es scheint bei dieser Koalition eine ge- meinsame Schnittmenge, bestehend aus einer Ablehnung von „Zionisten“ auf der einen und schlicht und ergreifend Judenhass auf der anderen Seite zu geben.

Deutliche Worte dagegen schrieb neulich die stellvertretende Parteivorsitzende der Linken und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau: „... gehörte zu dem Bündnis, das ,Free Gaza‘ inszenierte, mindestens eine (türkische) Organisation, die in einem profaschistischen Ruch steht. Damit dürfen sich Linke nicht gemein machen und schon gar nicht — im Wortsinne — in einem Boot sitzen.“ Zwar nicht in einem Boot, wohl aber in einem gemeinsamen Zug hört man in Videos bei youtube „Hoch die internationale Solidarität“ und die Khaibarparole (bei Khaibar handelt es sich um das letzte jüdische Dorf, bei dem es zu einem Massaker an den jüdischen Bewohnern kam) bei der Demonstration am Alexanderplatz in Berlin vom 1. Juni 2010. Man sieht auf Fotos von der Demonstration in Köln am selben Tag die grünen Hamasfahnen neben Fahnen der Linksjugend solid wehen.

Das kann man politisch unterschiedlich bewerten, um es nicht zur Kenntnis zu nehmen, muss man sich schon fest beide Augen zuhalten.

Hanna Bander, Erlangen

Grenzkonflikt-UN bestätigen israelische Darstellung

Nach israelischer Darstellung waren die Soldaten zwischen dem Sicherheitszaun und der blauen Linie, der internationalen Grenze, im Einsatz, also nicht auf libanesischem Territorium. Die internationale Beobachtertruppe UNIFIL bestätigte das nach Untersuchungen vor Ort. Der umstrittene Baum habe sich südlich der blauen Linie, also auf israelischer Seite befunden, sagte Sprecher Andrea Tenenti. Beirut hatte Israel beschuldigt, auf libanesisches Gebiet vorgedrungen zu sein. Das israelische Militär erklärte, lediglich auf dem eigenen Gebiet gewesen und von den Libanesen hinterrücks beschossen worden zu sein. Israel sieht nach Medienberichten einen einzelnen libanesischen Kommandeur als Verantwortlichen für den Ausbruch der Gewalt. Er habe libanesische Scharfschützen angewiesen, das Feuer auf die israelischen Soldaten in Grenznähe zu eröffnen. Quelle

Mittwoch, 4. August 2010

Klärung der Begriffe, hier am Beispiel "Islamophobie"

Zur Grundvoraussetzuung einer konstruktiven Debatte gehört, die Begriffe zu klären. Nicht jeder, der ein Substantiv gebrauch, meint damit dasselbe
wie sein Gegenüber. Das gilt insbesondere für Kampfbegriffe wie "Islamophobie". Übersetzt bedeutet es "Angst vor dem Islam". Angst vor dem Islam zu haben ist erstmal weder rassistisch noch verboten. Der Begriff
"Islamophobie" wird allerdings von seinen Anwenderinnen dazu genutzt, um Islamkritiker (z.B. Angehörige anderer Religionen), Religionskritiker per se (z.B. Atheisten) und rechte Rassisten (denen es weniger um die Religion als um ihre "Anwender" geht) in einen Topf zu werfen und damit Unvereinbares zusammenzkochen. Das Ergebnis ist eine ungenießbare (Wort)Brühe, von der man sich schon von weitem intellektuell angewidert abwendet.

"Islamophobie« ist ein Begriff, der heute in weiten Kreisen der Gesellschaft verwendet wird; von der »Bewegung gegen Rassismus und für Freundschaft unter den Völkern« (MRAP) bis zum französischen Regierungschef Jean-Pierre Raffarin, und, ungeschickter noch, von Claude Imbert von Le Point. Er taucht auf in einer Zeit, in der man sich darauf versteift hat, die Frage des Rassismus und der Integration auf eine konfessionelle Frage zu reduzieren – als ob jeder aus dem Maghreb stammende Franzose ein praktizierender Moslem wäre und die Ghettoisierung der Banlieues eine Folge des Zusammenpralls der Religionen.

Insgesamt korrespondiert die Ersetzung des Wortes »Rassismus« durch »Islamophobie« mit der Politik, die der französische Innenminister Nicolas Sarkozy betreibt. Die künstliche Schaffung des Französischen Rats der Islamischen Religionsausübung hat nicht nur die desaströse Konsequenz einer Amalgamierung liberaler Moslems mit den extremistischen Moslems des Verbands der islamischen Organisationen Frankreichs (UOIF) gezeitigt, sondern erweckt zugleich den Eindruck, dass die Probleme des gesellschaftlichen Ausschlusses einzig über den Umweg der religiösen Integration zu lösen seien: Die über die Polizeiübergriffe empörten Banlieue-Bewohner müssen sich mit ihren Beschwerden nur an die Imame wenden, da die Rückkehr zur Religion die einzig mögliche Vermittlung zu sein scheint, die vom Innenminister vorgeschlagen wird.

Noch beunruhigender ist jedoch, dass immer mehr linke Aktivisten, einschließlich der Antirassisten, an diesem Amalgam partizipieren. Aus der Frage nach dem Schleier haben sie eine Frage von »Rassismus« gemacht – statt sie zu einer Frage des »Fundamentalismus« zu machen. Es scheint nicht mehr möglich zu sein, zugleich Antirassist und Gegner der sexistischen Interpretationen des Koran zu sein, ohne sich als »islamophob« beschimpfen zu lassen. Die laizistischen Aktivisten, die sich gegen das Vordringen totalitärer religiöser Zeichen in die Schulen aussprechen und sich dem Diktat der Religion der Extremisten widersetzen, werden sogleich des Rassismus verdächtigt. Wie ist es dazu gekommen? Durch welche haarsträubende Umkehrung der Situation konnte die öffentliche französische Debatte an diesem Punkt auf falsche Gleise gelenkt und blockiert werden? Die Antwort konzentriert sich in einem einzigen Wort: »Islamophobie«.

Dieser Begriff hat eine Geschichte, die man kennen sollte, bevor man ihn leichtfertig benutzt. Das Wort wurde zum ersten Mal 1979 von den iranischen Mullahs verwendet, die jene Frauen, die sich weigerten, den Schleier zu tragen, zu »schlechten Muslimen« degradierten, indem sie sie bezichtigten, »islamophob« zu sein. Der Begriff ist dann in der Rushdie-Affäre reaktiviert worden, und zwar von Londoner islamistischen Vereinigungen wie Al Muhajiroun oder der Islamic Human Rights Commission, deren Statuten vorsehen, »die Informationen über den Missbrauch der Rechte Gottes zu sammeln«. Tatsächlich fällt der Kampf gegen die »Islamophobie« in diese Kategorie, da er alle Angriffe auf die fundamentalistische Moral umfasst (Homosexualität, Ehebruch, Blasphemie usw.). Die ersten Opfer der »Islamophobie« sind in ihren Augen die Taliban, während die von diesen Gruppen am häufigsten genannten »islamophoben« Täter Salman Rushdie oder Taslima Nasreen heißen. Anstatt irgendeinen Rassismus zu bezeichnen, dient das Wort in Wirklichkeit dazu, diejenigen zu disqualifizieren, die sich den Fundamentalisten widersetzen, und das sind zuerst die Feministinnen und die liberalen Moslems.

Gleichzeitig haben die christlichen Fundamentalisten in Frankreich genau die gleiche Gangart eingeschlagen. Die Allgemeine Vereinigung gegen Rassismus und für die Bewahrung der französischen Identität (Agrif), die Gruppierung um den Front-National-Politiker Bernard Antony, der sich in die Kampagnen gegen Martin Scorsese einmischte, hat sich ein sehr viel effektiveres Mittel ausgedacht, um gegen Blasphemie zu kämpfen: Prozesse wegen »antichristlichen Rassismus«. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Maßnahmen ist der Widerstand, auf die sie jeweils stoßen. Tatsächlich wird niemand getäuscht, wenn die Vereinigung Agrif Prozesse wegen »antichristlichen Rassismus« führt. Jeder weiß, dass es in Wirklichkeit darum geht, gegen jede Religionskritik zu kämpfen.

Dabei ist alle Welt dem Begriff der »Islamophobie« auf den Leim gegangen. Nachdem er sich in den britischen antirassistischen Vereinigungen durchgesetzt hat, ist das Wort in Frankreich von dem Philosophen und Theoretiker Tariq Ramadan inthronisiert worden, dessen widersprüchliches Auftreten als reformistischer fundamentalistischer Moslem und als Dritte-Welt-Aktivist es erlaubt hat, das Wort schnell bei der extremen Linken zu verbreiten. Seither treibt es unsere Debatten in die Falle, indem es all jene, die es wagen, sich den radikalen und politischen Interpretationen des Islam zu widersetzen, systematisch zu Angeklagten macht, und zwar effektiver, als es eine Fatwa vermocht hätte. Wirft Vincent Geisser in seinem Buch »Die neue Islamophobie« etwa nicht Vereinigungen wie SOS Racisme, die der Moschee von Paris nahe stehenden Rektoren und liberalen Imame und die investigativen Journalisten, die über den islamistischen Terrorismus berichten, wild durcheinander und bezeichnet sie alle als islamophob? Der Kreis hat sich geschlossen.

Wer wird es jetzt noch wagen, gegen den Schleier oder die anderen archaischen Interpretationen des Islam zu opponieren, ohne Angst zu haben, als »islamophob« behandelt zu werden? Gestern noch, anlässlich der Rushdie- und der Scorsese-Affäre, kamen die Presse und die Menschenrechtsvereinigungen zusammen, um Nein zu sagen zu den »Kreuzfahrern der moralischen Ordnung«, also den Fundamentalisten. Heute geschieht das genaue Gegenteil. Die Gegner des Schleiers werden auf den Seiten von Le Monde als »Kreuzfahrer des Laizismus« bzw. »Ayatollahs des Laizismus« behandelt. Gleichzeitig werden die fundamentalistischen Aktivisten der UOIF, einer Organisation, die Kamikaze-Attentate billigt, in die Fernsehstudios eingeladen, um dort die Opfer zu spielen. Das ist der Beweis, dass das Wort all seine Versprechungen gehalten hat.

Nicht nur, dass es ausgezeichnete Dienste im Kampf gegen die Blasphemie leistet, es entleert die Frage des Rassismus auch ihrer Substanz. Denn als »islamophobe Bombe«, nicht als »rassistische Bombe« hat die MRAP das Buch von Oriana Fallaci »Die Wut und der Stolz« behandelt. Anstatt die klar rassistischen Stellen des Buches zu zitieren (und es gab welche), hat es die Vereinigung vorgezogen, gleichermaßen die Passagen herauszustellen, die lediglich den Islam kritisieren. Schlimmer noch, die Liga für Menschenrechte, die lange Zeit Salman Rushdie unterstützte, hat sich kürzlich den islamischen Vereinigungen angeschlossen, die die »Satanischen Verse« angegriffen hatten. Ihr gemeinsames Angriffsziel? Ein Satz von Michel Houellebecq, der sagte: »Wenn man den Koran liest, dann ist man niedergeschlagen.« Nichts sehr Alarmierendes, zumindest wenn man bedenkt, dass man die Religion immer kritisieren kann, und vor allem, dass Houellebecq auch nicht gerade zart gegenüber den anderen Religionen ist.

Voilá, das ist die unhaltbare Situation, in die uns der Begriff »Islamophobie« gebracht hat. Niemand spricht mehr von Rassismus, und wenn Salman Rushdie heute seine »Satanischen Verse« veröffentlichte, stünden gewisse antirassistische Vereinigungen an der Seite der Islamisten, um ihn als »islamophob« zu kritisieren."

Caroline Fourest und Fiammetta Venner sind Gründerinnen des französischen Magazins Revue ProChoix und Autorinnen eines Buches über Laizismus und Fundamentalismus. Der hier publizierte Text stammt von der webpage www.prochoix.org und wurde aus dem Französischen übersetzt und redaktionell überarbeitet. Quelle: jungle world