" Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt /
Und läßt andere kämpfen für seine Sache /
Der muß sich vorsehen; denn /
Wer den Kampf nicht geteilt hat /
Der wird teilen die Niederlage. /
Nicht einmal den Kampf vermeidet /
Wer den Kampf vermeiden will; denn /
Es wird kämpfen für die Sache des Feinds /
Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."

"Man muß so radikal sein wie die Wirklichkeit."
Bertolt Brecht




Sonntag, 28. November 2010

Kampf gegen Araberhass

Eli Zvieli hat den Holocaust überlebt. Heute kämpft der 89-jährige Jude in der israelischen Stadt Safed gegen den Rassismus seiner eigenen Landsleute. Ein Oberrabbiner hat dazu aufgerufen, nicht mehr an arabische Studenten zu vermieten. Wer gegen die Selektion verstößt, bekommt die Wut zu spüren. ->Weiterlesen

Solche Vorfälle sind Wasser auf die Mühlen der  "Apartheitsstaat Israel"-Schreier und HAMAS-Freunde. Das macht es den arabischen Israelis nur immer schwerer, sich zu integrieren und als Israelis zu fühlen. Das es auch anders geht, zeigt die IDF: ->
“An enemy is an enemy, even if he speaks Arabic like I do”

und hier: ->
"You must give back to the country you live off."

Dienstag, 23. November 2010

Penzberg: Muslime gegen Terror

Vor dem Hintergrund der von Bundesinnenminister de Maizière ausgesprochenen Warnung vor Terroranschlägen in Deutschland wiederholen und bekräftigen wir erneut,
-  dass Terror durch nichts auf der Welt zu rechtfertigen ist,
-  dass diejenigen, die Anschläge planen, Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit begehen,
-  dass das Ansehen unserer Religion, die den Frieden im Namen führt, durch die sinnlosen und verbrecherischen Taten verblendeter Gewalttäter geschändet und entstellt wird.

Wir rufen denjenigen, die in solche Pläne involviert sind, zu:
-  Lasst euch nicht belügen und verführen! Wenn andere vermeintlich oder tatsächlich Unrecht gegen Muslime verüben, dann könnt Ihr nichts dadurch verbessern, dass Ihr selbst Unrecht verübt. Terror ist niemals eine Lösung, aber immer eine Sünde.
-  Hört auf mit Eurem Tun und hört auf, Euch dabei auf Gott und auf unsere Religion zu berufen!
-  Im Namen Gottes und der Menschen: denkt nach, glaubt an die wahre Botschaft des Islam und verbreitet Frieden!

Wer sich bei solchem Tun auf Gott und auf unsere Religion beruft, stellt sich in Wahrheit gegen Gott und gegen den Islam. Deshalb rufen wir auch alle Glaubensbrüder und -schwestern auf, keinesfalls aus falsch verstandener Solidarität potentielle Täter zu schützen oder ihr Tun zu verharmlosen! Der Islam gebietet uns, für die Sicherheit der Menschen in diesem Land einzustehen. Deshalb ist für uns gemeinsame Wachsamkeit mit allen friedliebenden Menschen ebenso wie mit den zuständigen Behörden eine Selbstverständlichkeit. Gemeinsam müssen wir gegen Extremismus, gegen Gewalt wie gegen radikale Gesinnungen eintreten, egal gegen wen sie sich richten.

Imam Benjamin Idriz
Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg
Vorsitzender des Zentrums für Islam in Europa – München ZIE-M

Sonntag, 21. November 2010

Erklärung zum Maulkorb-Beschluss im Landesverband Saarland

Es ist erstaunlich und auch für mich nicht leicht zuzugeben, aber ich muss mal der AKL-Strömung aus voller Überzeugung zustimmen.

Hintergrund:
Die saarländische Linke hat ihre Satzung geändert und dass der Landesvorsitzende hernach erklären muss, es gehe keineswegs darum, „den Mitgliedern die freie Meinungsäußerung zu verbieten“, zeigt schon an, dass hier mehr geschehen ist als eine bloße statuarische Anpassung. Die Delegierten haben in Neunkirchen einen Paragraf „Parteischädigendes Verhalten“ in die Satzung eingefügt, und versteht man Rolf Linsler und was sonst so aus dem Saarland dringt richtig, richtet sich dies gegen „eine Handvoll“ Leute, welche mit öffentlich ausgetragenem Streit und als Dauergäste vor der Schiedskommission „die ganze Partei in ein schlechtes Licht rücken“.
Quelle: http://lafontaines-linke.de/2010/11/schlechtes-licht-saarland-satzung/

Siehe auch hier: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/stalinismus-durch-die-hintertuer/

Nun beklagt die AKL: 

"DIE LINKE lebt nur als eine offene und pluralistische Partei.  Inhaltliche Differenzen nicht nur hinter verschlossenen Türen auszutragen und abweichende Meinungen nicht nur hinzunehmen, sondern als notwendigen Beitrag zur Entwicklungsfähigkeit der Partei zu begrüßen, ist eine der Lehren, die wir aus den historischen Niederlagen gezogen haben.  Die Satzung und die Struktur der Partei DIE LINKE ist die Umsetzung dieser Erkenntnis.  Wir beobachten mit Sorge, dass der Landesverband Saarland auf seinem letzten Parteitag hinter diese Positionen zurückfällt. In der neu geänderten Satzung gilt eine öffentliche Äußerung, gleich in welchem Medium, inner- wie außerparteilich, die als Diffamierung gesehen wird, als parteischädigendes Verhalten und stellt einen Ausschlussgrund dar.  Diese Regelung ist ein Maulkorberlass für die Mitglieder.  DIE LINKE ist keine Partei, in der die Mitglieder ihre Grundrechte an der Garderobe abgeben müssen.  Wir wollen mehr - und nicht weniger - demokratische Rechte, in der Partei als in der Gesellschaft. Der Satzungsbeschluss des Landesverbandes Saarland ist ein deutlicher Schritt in die falsche Richtung."
Quelle: http://www.antikapitalistische-linke.de/article/320.fuer-demokratische-rechte-8211-in-der-partei-und-in-der-gesellschaft.html

und der Bundesausschuss (Der Bundesausschuss ist das Organ der Gesamtpartei mit Konsultativ-, Kontroll- und Initiativfunktion gegenüber dem Parteivorstand.) gibt ihnen recht:

"Der Bundesausschuss sieht mit Sorge den Beschluss des Landersparteitags Die Linke.Saar und bittet den Landesvorstand auf die Aufhebung des Beschlusses hinzuwirken."
http://www.stefan-liebich.de/article/2145.in-grosser-sorge.html

Freitag, 19. November 2010

Gemeinsam gegen den Terror

Ein gemeinsamer Feind schweißt zusammen: Israelische und palästinensische Sicherheitskräfte kämpfen erfolgreich gegen islamistische Gruppen. Das dichte Spitzelnetz in der Westbank kommt Israel dabei zugute.
-> Weiterlesen

Donnerstag, 18. November 2010

Kopftuch ist Freiheit


Lesen, was drinsteht:

Erlaubt der Koran die Steinigung?

Der Islam verlange bei Ehebruch die Steinigung, sagen viele Muslime. Das ist falsch. Denn eine kritische Interpretation des Korans zeigt, dass dieser sich gegen diese Hinrichtungsart verwehrt. Nach dem Urteil von Ayatollah Ghaemmaghani ist eine andere Deutung des Textes nicht möglich.

Ayatollah Seyed Abbas Hosseini Ghaemmaghani ist Oberster Rechtsgelehrter. Er studierte islamische Theologie in Teheran, seit dem Jahr 2004 ist er als Imam tätig und Vorsitzender des islamischen Zentrums Hamburg.
 

Freitag, 12. November 2010

Aufruf zur Gründung der LAG Bayern LINKE LaizistInnen (LILA)

Hiermit laden wir alle Mitglieder der Partei DIE LINKE im Landesverband Bayern  ein zur


Gründungsversammlung

einer Landes-Arbeitsgemeinschaft (LAG) Bayern "LINKE LaizistInnen (LILA)"


Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Wer persönlich nicht erscheinen kann, kann sein Interesse auch per Email anlaizismus-lila@t-online.de  kundtun.
In diesem Fall können das verabschiedete Gründungspapier, die Satzung und eine Erklärung zur Mitgliedschaft unter derselben Email-Adresse angefordert werden.
München, den 6.11.2010
gez.
 Georg Korfmacher, KV München
Günter Gregor, KV München
Jürgen Lohmüller, KV München
Uli Sedlaczek, KV München
Frank Heinze, KV Erlangen


Verfahren zur Terminfindung:
Um einen Termin für die Gründungsversammlung zu finden wurde im Internet eine "Doodle-Umfrage" eingerichtet.
Der Link dazu lautet:


Die Homepage ist hier erreichbar: http://linke-laizistinnen.blogspot.com/

Islam und Politik. Ein Plädoyer für eine Debatte ohne Wahlkampf

Die politische Linke hat eigentlich viel Erfahrung in Religionskritik. Zwar kommen auch die Freiheitlichen - rein ideologisch - aus einer antiklerikalen Ecke (die mitunter von Ewald 'wehrhaft christlich' Stadler, HC 'Holzkreuz' Strache & Co. konterkariert wurden), aber die Linke war zumeist federführend in religionskritischer Politik - sei es bei den Frauenrechten, den Rechten für Lesben und Schwulen, Fragen rund um Abtreibung, Sexualaufklärung in Schulen, etc. Diesen Kampf gegen religiöse Eiferer - zumeist der römisch-katholischen Kirche - hat die Linke im Laufe des 20. Jahrhunderts sogar für sich entscheiden können. Seit einigen Jahren und Jahrzehnten werden diese Errungenschaften politisch verteidigt. Das macht natürlich auch einen Unterschied aus: War man zuvor Angreifer, ist man nun Verteidiger. Verteidigen ist manchmal schwerer, als anzugreifen. Letzteres sollte man aber nicht nur den Rechten und der Hetze überlassen! ->Weiterlesen

Mittwoch, 10. November 2010

Ein Programmkonvent der keiner war oder „das Programm als Waffe“

Guter Artikel. Mich wundert nur, dass es bei Barthelmus erscheint:
->Weiterlesen
Ich habe da noch eine Forderung zu Auslandseinsätzen gefunden ;-)

Montag, 8. November 2010

Schluss mit lustig in Hamastan

Die Hamas regiert den Gaza-Streifen mit harter Hand - und verdirbt den Menschen noch das kleinste bisschen Freude. Weil Frauen und Männer sich dort zu nahe gekommen sein sollen, ließen die Islamisten ein Spaßbad abfackeln. Damit legen sie sich erstmals mit der palästinensischen High Society an.-> Weiterlesen

Da könnten unsere Linksfraktions-MdBs bei ihrer nächsten Kaper Solidaritäts-Free-Gaza-Fahrt
ein paar Schwimmbadersatzteile mitnehmen. Prof. Paech macht noch schnell einen Installateurslehrgang und lernt Hydrotechniker. Obwohl, es ist eigentlich völlig korrektes, antikapitalistisches Verhalten der HAMAS, weil es ein Spassbad der Oberschicht war! Jawohl! Nieder mit der Oberschicht und ihren Spassbädern, währende die prekarisierte Bevölkerung unter der Knute der HAMAS , israel, zionistischen Besatzer leiden muss. Auch hat sich die HAMAS den Erfolg der bayerischen Nichtraucherinitiative zu eigen gemacht und verbietet die Shishas. Zwar erst nur für Frauen, aber es ist ein Anfang gemacht.. Rom wurde auch nicht an einem Tag niedergebrannt.

Lesenswert in dieser Beziehung auch folgendes Interview "Erdogan ist ein Kassierer des Zionismus"

Erbakan: "Seit 5700 Jahren regieren Juden die Welt. Es ist eine Herrschaft des Unrechts, der Grausamkeit und der Gewalt. Sie haben einen starken Glauben, eine Religion, die ihnen sagt, dass sie die Welt beherrschen sollen. Sehen Sie sich diese Ein-Dollar-Note an. Darauf ist ein Symbol, eine Pyramide von 13 Stufen, mit einem Auge in der Spitze. Es ist das Symbol der zionistischen Weltherrschaft. Die Stufen stellen vier „offene“ und andere geheime Gesellschaften dar, dahinter gibt es ein „Parlament der 300“ und 33 Rabbinerparlamente, und dahinter noch andere, unsichtbare Lenker. Sie regieren die Welt über die kapitalistische Weltordnung. "

Samstag, 6. November 2010

Denk-mal für Antiimperialisten







Neben dem Israelthema steht auch der Iran im Focus innerlinker Spannungen. Ganz aktuell kommt es zur Krise mit Exiliranern (die oft vor und nach Folter und Gewalt geflohen sind), die insbesondere den Antiimperialistischen/Antikapitalistischen Gruppen Relativismus und Appeasementpolitik vorwerfen. Grund ist das laute Schweigen der Linken zur gewaltsamen Niederschlagung der Protestbewegungen 2009, zur bevorstehenden Steinigung einer "Ehebrecherin" (http://freesakineh.org/) die relativ unkritische Reise einer Parlamentariergruppe in den Iran (http://www.n-tv.de/politik/Gauweiler-und-Roth-in-Teheran-article1733516.html) und die drohende Entwicklung von Atomwaffen durch das Mullahregime.

Zum konkreten Vorgang: 

Katayun Pirdawari, Iranistin + Politologin will einen Vortrag halten:  "Zur Situation von Frauen und Lesben im Iran und Formen des Widerstands von Frauen. Strömungen der iranischen Opposition und deren Frauen Bild. Bieten sie Perspektive zur Befreiung der Frau? Welche Erwartungen haben Iranerinnen an eine wirkungsvolle internationale Solidarität aus Europa?  Eine Veranstaltung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen"  

Daraufhin wird sie auf facebook massiv von Linken angegriffen und ihre Reaktion sollte uns allen zu denken geben:


Katayun Pirdawari schreibt:


"Eben hat ein FB-Freund etwas kommentiert, dass mir fast die Luft weg geblieben ist. Er hat sich auf meine Veranstaltung am 18.10. in der Begine bezogen: Er meinte, er wundere sich, dass ich trotz bevorstehenden Kriegsgefahr im Iran, mich mit solch einen Unsinn, wie Menschen- und Frauenrechstverletzungen abgebe......
Meine Antwort: "Ach interessant!
Wegen einer Kriegsgefahr Seitens des Westens, erwähnen wir nicht mehr, dass Iran ein Unrechtsstaat, eine Diktatur ist und die Menschen dort unterdrückt werden. vielen dank!


Ralf, wegen Menschen, wie Dir, bin ich aus der Linken nach nur 6 Monaten ausgetreten. Euer unsinniges: "DAS GANZE MIT DER GRUENEN BEWEGUNG ODER ÜBERHAUPT BEWEGUNG IM IRAN IST NUR WESTLICHE PROPAGANDA" geht mir richtig auf die Nerven.



Ihr seid für mich damit nicht mehr kompetent genug, über Iran zu sprechen. Deshalb ist hier wieder Dein Kommentar, völlig daneben. Was glaubst Du eigentlich wie die Menschen im Iran leben? In Angst und Schrecken. Eine meinte mal: Die Angst heute ist größer, als die Angst damals, während der Irak-Krieg, als mein Nachbarhaus in die Luft flog. Jetzt bitte nachdenken oder es auch lassen!"

Und die Tatsache, als priviligierter Gast der iranischen Regierung in Iran gereist zu sein und zu erfahren, wie glücklich die Menschen sind, ist so primitiv, dass ich lachen könnte. Empfehlung: Das nächste Mal zwei schwule Freunde mitnehmen."




Ich finde es besonders haarsträubend, weil durch diese Deppen uns die guten Leute wie Katayun verlassen. Stattdessen wird einem obskuren "Antiimperialismus" gehuldigt, der zu Kooperationen mit klerikal-nationalistischen Gruppen führt und Diktaturen hofiert. Nicht genug damit, dass unsere MdBs sich auf dem "Frauendeck" mit Islamisten gen Gaza schippern lassen (und wohl wem dort  in die Arme sinken wollten?), auch unsere MdB Jochimsen bei ihrer Iranreise sich klaglos unters Kopftuch stecken lässt:

"Natürlich ging es noch vor der Ankunft los mit den Verboten. „Wichtiger Hinweis für unsere weiblichen  Passagiere“ sagte die Stewardess durchs Bordmikro „im Iran müssen alle Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen.“ In der Öffentlichkeit, bei öffentlichen Treffen, auch in Restaurants, also überall, außer in privaten Räumen oder in der Deutschen Botschaft – sechs Tage Kopftuchleben." 
http://lukrezia-jochimsen.de/tagebuch/10-2010/eine-woche-im-iran-mein-tagebuch-teil-1/

Erstaunlich, dass Frauen, die sonst jedes fehlende Binnen-I reklamieren und auf quotierte Redelisten bestehen, jeden Scheiß der Geschlechterapartheit mitmachen, wenn es um den Islam geht.

Mittwoch, 3. November 2010

Religion darf den Menschenrechten nicht entgegenstehen

"Die Selbstbestimmung der Muslime", von Abdullahi Ahmed An-Na’im
und eine Replik:
"Religion darf den Menschenrechten" nicht entgegenstehen, von Markus Tiedemann

Dienstag, 2. November 2010

Die Linke und der Nahost-Konflikt - ein Beitrag zur Programmdebatte

von
Michael Höntsch
Fraktionsvorsitzender DIE LINKE, Hannover
Mitglied im Bundesvorstand fds


Die Linke und der Nahost-Konflikt

 Es gibt viele Politikbereiche, die in der Partei DIE LINKE kontrovers diskutiert werden, kein Thema aber wird derartig heftig debattiert, wie der Nahost-Konflikt. Um es an dieser Stelle auch ruhig einmal zuzuspitzen, verkürzt wird meistens die Frage diskutiert: „Wie stehst du zu Israel?“ Der Beantwortung dieser Frage sollte bzw. muss sich die LINKE zuwenden und sie beantworten. Im Rahmen der Programmdebatte bzw. der Erarbeitung des Programms kann diese Frage natürlich wiederum ausgespart werden, allein es nutzt nichts.

Die Bandbreite der Meinungen bzw. Positionierungen ist breit, die Ansichten häufig nicht kompatibel. Bisher haben hier alle Kompromissformeln zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt. Das Thema insgesamt wird auch immer wieder nur allzu gerne von den Medien aufgegriffen, da es denkbar gut geeignet ist, die LINKE insgesamt zu diskreditieren. Keinesfalls ist es richtig, dass es in anderen Parteien in der Mitgliedschaft nicht auch unterschiedliche Auffassungen zur Nahost-Problematik gibt. Das Gegenteil ist der Fall, es sein an dieser Stelle an das große Engagement des ehemaligen FDP-Mannes Möllemann verwiesen. Festzuhalten aber ist auch, dass diese Debatten bei anderen geräuschloser ablaufen und darum auch nur selten auf Interesse der Medien stoßen.

Die LINKE geht da anders vor: Mal ist es ein kommunaler Ratsvertreter, der städtische Mittel für den Bau einer Synagoge verweigert, mal reisen Bundestagsabgeordnete auf einer Flotille gen Gaza. Auch wenn LINKE nicht dafür verantwortlich sind, dass auf Demonstrationen israelische Fahnen brennen, so sind sie doch regelmäßig anzutreffen auf eben diesen Demonstrationen. Gregor Gysi spricht von Staatsräson,
ein bayrischer Bundestagskandidat fordert lauthals im Internet und anderswo den Boykott israelischer Waren. Anzuraten wäre auf jeden Fall, aus diesem Thema die Emotionen herauszunehmen, nur ist dies wohl
das unmögliche, was so schwer zu machen ist.

Zwischen Inge Höger, Wolfgang Gehrke, Annette Groth, Norman Paech und dem BAK Shalom gibt es keine Verständigung, wird es auch nicht geben können. Vielleicht ist es aber doch möglich im neuen Parteiprogramm
ein paar (ganz wichtige) Allgemeinplätze zu formulieren, die insgesamt die Debatte weiterbringen.Die Solidarität mit den Palästinensern steht nicht zwangsläufig im Gegensatz zu einer positiven Grundeinstellung zu
Israel. Kritik an israelischer Regierungspolitik ist darüber hinaus natürlich nicht grundsätzlich antisemitisch. So weit so gut, aber wie weiter?

Die aktuelle Situation im Krisengebiet braucht völlig neue Antworten auf die drängenden Fragen. Es ist aber nur möglich sich diesen Antworten zuzuwenden, wenn weitere Selbstverständlichkeiten im
Programm formuliert werden: Der Holocaust war, ist und wird ganz entscheidend auch künftig allen kommenden israelischen Regierungen Leitschnur des politischen Handelns sein. Der Holocaust ist einzig und
darf nicht relativiert werden. Diese Relativierungen sind es, die  immer wieder die Debatte erschweren. Wer die sicherlich komplizierte Situation im Gazastreifen mit einem riesigen „Freiluft-KZ“ meint bezeichnen zu müssen, der verabschiedet sich von der Möglichkeit jeder erfolgversprechenden Debatte.

 Ein ganz wesentlicher Punkt im Programm muss eine Festlegung der LINKEN sein, mit wem und warum Solidarität geübt wird. Und an dieser Stelle wird es kompliziert. Wer sich für die „Sache der Palästinenser“
einsetzt, der muss sich die Frage gefallen lassen, wie hältst du es mit den Organisationen der Palästinenser. Die Linke kann anderen Völkern sicherlich nicht vorschreiben, in welchem Rahmen und in welchen Organisationsformen sich organisiert wird. Sie bleibt aber dennoch dazu verpflichtet, deren politisches Programm und die sich daraus abbildende Lebenswirklichkeit zu bewerten. In diesem Zusammenhang plädiere ich für eine Rückbesinnung auf programmatische Aussagen der politischen Linken aus dem vergangenen Jahrhundert, die über einen langen Zeitraum unstrittig waren. Es blieb den Hasardeuren
der deutschen RAF vorbehalten, erstmalig gezielt jüdische Menschen im Rahmen von Gewaltaktionen in den Fokus zu nehmen. Die LINKE sollte eigentlich nicht darüber streiten, ob Hamas und Hizbollah einen
emanzipatorischen Charakter haben, sie haben ihn definitiv nicht. Sie sind antidemokratisch und patriarchalisch,  sie sind gewalttätig und menschenverachtend. Was aber tun, wenn die Mehrheit der Palästinenser eben diese Organisationen unterstützen? Fakt ist, sie haben keine anderen Organisationen (mit wesentlichem Einfluss), weil schon ihre Entstehung verboten und mit aller Härte bekämpft wird. Eine linke
Politik kümmert sich nicht um Religion, sie kümmert sich um die Menschen.

 Gazas Gefängnisse sind voll mit FATAH-Politikern, die Todesstrafe wird vollzogen, auch an Jugendlichen. Das alles kann die LINKE nicht im Ernst wollen und muss dies darum auch unmissverständlich
formulieren.Dass das Thema insgesamt in Deutschland so emotional debattiert wird, liegt sicherlich an unserer Geschichte. Die Generation der Täter ist fast verschwunden, fast zwangsläufig meinen nun Diskutanten, dass es an der Zeit ist, sich von alter Schuld zu lösen, das Thema sei Geschichte und eine Verantwortung existiere somit wenn überhaupt nur noch abstrakt. Es ist erstaunlich, wenn nicht
perfide, wenn mittlerweile die Enkelgeneration der Täter sich als Bewährungshelfer ausgerechnet für Israel aufspielt.

 Die Flüchtlingsproblematik muss gelöst werden! Dies ist auch eine Forderung der LINKEN. Soll diese Forderung mit Inhalt gefüllt werden, dann ist dieser ausgesprochene Appellcharakter sinnlos bzw. führt zu
nichts. Während es dem israelischen Staat gelungen ist in den vergangen Jahrzehnten Millionen von Menschen aus der ganzen Welt integriert zu haben, leben Millionen von Palästinensern in Lagern und
Ghettos arabischer Großstädte. Sie leben dort weitgehend entrechtet und die Verantwortlichen dafür sitzen nicht in Tel Aviv sondern in den arabischen Hauptstädten. Die Palästinenser sind die Paria innerhalb
der arabischen Bevölkerung. Seit Jahren wird diesen Menschen versprochen eines Tage ins gelobte Land zurückkehren zu können. Die LINKE macht zumindest den Eindruck, hinter diesen Forderungen zu
stehen.

Es sei an dieser Stelle ein Vergleich erlaubt. Millionen von Deutschen haben nach 45 ihre angestammte Heimat verloren. Heute könne wir darüber dankbar sein, dass es im Rahmen der neuen Ostpolitik von Willy
Brandt, Egon Bahr und anderen gelungen ist, durch Hartnäckigkeit, Verhandlungen und völkerrechtliche Verträge den Einfluss der einst mächtigen Vertriebenenverbände und anderer Revanchisten
zurückzudrängen, Erika Steinbach ist heute nur noch eine Marginalie. Die Enkelgeneration reist heute gerne nach Schlesien und Ostpreußen, will aber die alte Heimat nicht wiederhaben. Eine nach Kriegsende
völlig unvorstellbare Entwicklung die letztendlich nachhaltig den Frieden in Europa befördert hat.

Können aus dieser europäischen Entwicklung Überlegungen für den Nahen Osten abgeleitet werden? Warum eigentlich nicht? Aber dafür bedarf es einer israelischen Regierung, die den Bunker verlässt bzw. Signale
erhält, dass der Bunker verlassen werden kann. Eine Forderung nach Räumung der völkerrechtswidrig besetzten Golanhöhen kann man selbstverständlich formulieren. Warum aber fordert man nicht
gleichzeitig, dass im Rahmen internationaler Garantien sichergestellt wird, dass von dort aus nicht nach dem Tag des Abzugs Raketen gen Israel fliegen.

Die europäische Union unterstützt mit Millionenbeiträgen die palästinensischen Verwaltungen. Große Summen fließen auch aus den Kassen der Uno. Ganz offensichtlich aber ist es nicht möglich, diese
Gelder in nachhaltige Projekte zu stecken, die für eine wirtschaftliche Entwicklung der Region sorgen, eine Entwicklung, die Arbeitsplätze schafft, eine Entwicklung die den Kindern und Jugendlichen in dieser Region zugute kommt. Es kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass die Verwaltungen in Gaza und Rammalah, ganz vorsichtig ausgedrückt, ein Hort der Korruption und der persönlichen Bereicherung sind.

 Die LINKE steht vor diesem Dilemma, sieht es und mag sich nicht entscheiden. Es geht aber nicht darum Israel fantastisch zu finden, es geht um Demokratie, Partizipation und Menschenrechte. Letztendlich
wissen nicht zuletzt Linke, dass Macht, die sich auf die Gewalt der Gewehrläufe und der Gefängnisse stützt, früher oder später zum Teufel gejagt wird. Die LINKE sollte sich in diesem Konflikt zurückhaltend
verhalten. Militärische Optionen verbieten sich für uns von selbst. Was wir tun können ist, Solidarität mit den Menschen zu üben, mit Palästinensern und mit Israelis. Was wir tun können ist über die Rosa Luxemburg Stiftung Diskussionsprozesse in der Region zu befördern, die fußend auf Gewaltverzicht nach politischen Lösungen suchen. Um eines aber kommt die LINKE nicht herum und das ist die Forderung nach der Unverletzlichkeit und der territorialen Integrität des Bestehenden. Organisationen, die in ihrer Charta den israelischen Staat nach wie vor vernichten wollen, können für uns kein Gesprächspartner sein.

Montag, 1. November 2010

Hahaha ;-)