Erscheinungsformen, Bedingungen, Präventionsansätze
Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus
Mitglieder des Expertenkreises Antisemitismus in alphabethischer Reihenfolge:
Aycan Demirel, Studium der Publizistik, Politik und Geschichte, Mitbegründer
und Leiter der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Berlin,
Dr. Olaf Farschid, Studium der Islamwissenschaft, Politischen
Wissenschaften, Publizistik und Volkswirtschaft; Islamwissenschaftler und
wissenschaftlicher Referent bei der Senatsverwaltung für Inneres, Berlin,
Elke Gryglewski, Politikwissenschaftlerin und Studium der
Lateinamerikanistik, Mitarbeiterin der Bildungsabteilung im Haus der
Wannseekonferenz, Berlin,
Prof. Dr. Johannes Heil, Studium der Mittleren und Neueren Geschichte,
Kunstgeschichte und Religionsphilosophie sowie Judaistikstudien, Erster
Prorektor und Leiter der Hochschule für Jüdische Studien, Heidelberg,
Prof. Dr. Peter Longerich, Historiker, University of London, Centre for the
Holocaust and Twentieth-Century History, London,
Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber, Politikwissenschaftler und Soziologe an
der Fachhochschule des Bundes, Brühl
Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Studium der Geschichte, Geistesgeschichte,
Politik- und Theaterwissenschaft, Professor für Neuere Geschichte und
Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien
an der Universität Potsdam,
Dr. Wahied Wahdat-Hagh, Politikwissenschaftler und Soziologe, Senior
Research Fellow bei der "European Foundation for Democracy" in Brüssel,
Dr. Juliane Wetzel, Historikerin und Kunsthistorikerin, wissenschaftliche
Angestellte am Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin
Dr. Miriam Bistrovic, freie Mitarbeiterin "Expertenkreis Antisemitismus"
Deutschland fehlt eine Gesamtstrategie im Kampf gegen den alltäglichen Antisemitismus. Zu diesem Schluss kommt der erste Bericht einer Expertenkommission. Sagt die taz
"Scharf kritisiert wird in ihrem nun vorgelegten ersten Bericht der Umgang der Schulen mit dem Antisemitismus. Dort werde das Thema fast nur mit Bezug auf den Holocaust behandelt. Damit erscheine der Antisemitismus als ein "ausschließlich den Nationalsozialisten zuzuordnendes Phänomen, das 1933 quasi aus dem Nichts erschien und 1945 wieder verschwand".
Viele Lehrer hätten zudem oft hohe moralische Erwartungen von ihren Schülern und verlangten von ihnen eine große Betroffenheit. Diese Haltung überfordere die Schüler und könne zu einer Abneigung nicht nur gegenüber dem Thema NS-Geschichte, sondern auch gegenüber Juden führen - also einen "Antisemitismus wegen Auschwitz" erzeugen.
Nach Ansicht der Experten müssten Pädagogen jedoch viel stärker auf Themen eingehen, in deren Kontext sich heute antisemitische Einstellungen zeigen könnten, allen voran der Nahostkonflikt. Aber auch bei der Kritik am Kapitalismus von links gebe es mögliche "Anknüpfungspunkte für Antisemitismus" - etwa wenn gegen das Finanzkapital und gierige Wall-Street-Banker polemisiert wird."