" Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt /
Und läßt andere kämpfen für seine Sache /
Der muß sich vorsehen; denn /
Wer den Kampf nicht geteilt hat /
Der wird teilen die Niederlage. /
Nicht einmal den Kampf vermeidet /
Wer den Kampf vermeiden will; denn /
Es wird kämpfen für die Sache des Feinds /
Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."

"Man muß so radikal sein wie die Wirklichkeit."
Bertolt Brecht




Freitag, 28. September 2012

Die Erosion des religiösen Diskurses


ERLANGEN. (hpd) Die Hugenottenkirche in Erlangen hat zur Podiumsdiskussion geladen. Thema: Das Kölner Beschneidungsurteil und seine Folgen. Für den Gastgeber, Pfarrer Johannes Mann, ist es ganz klar: Die Juden und Muslime haben ein Recht darauf, ihre Kinder aus religiösen Gründen zu beschneiden. Der Pfarrer versteht diese Parteinahme wohl als gelebte Ökumene: Christen, Juden und Muslime Hand in Hand gegen die Bedrohung durch einen aggressiven Säkularismus. 
Podium / Foto: Harald Stücker


Auf dem Podium bietet sich allerdings genau das gegenteilige Bild: Der Strafrechtler Holm Putzke und der Leiter der Erlanger Kinderklinik Wolfgang Rascher sehen sich als alleinige Verteidiger der Rechte des Kindes fünf Anwälten für das Traditionsrecht der Eltern gegenüber. Aber trotz dieser Überzahl und einer deutlich überwiegenden Sympathie des Publikums für die religiöse Position kann Holm Putzke rhetorisch immer wieder punkten. Vielleicht ist es seine Rolle als Schwarzer Peter („die ich aber gerne annehme“), die dazu führt, dass er als personifizierter Stein des Anstoßes zum Zentrum der Debatte wird. Sicherlich ist es auch seine rhetorische Brillanz, aber entscheidend scheint mir etwas anderes zu sein, das sich nicht nur in dieser Diskussion, sondern in der gesamten Debatte zeigt, und das ist eine merkwürdige Zurückhaltung auf Seiten der Beschneidungsbefürworter. Das wird im Verlauf der Diskussion deutlich.
Für die islamische Vertreterin Grit Nickel dreht sich die Diskussion viel zu sehr um das Rationale. Religion sei aber wesentlich nicht rational zu fassen. Das stimmt zwar, ist aber nur wieder der Appell, bitte die religiösen Gefühle zu respektieren. Es bleibt offen, warum das ausreichen soll, um die Verletzung kleiner Kinder zu rechtfertigen.
Dr. Fellmann, ehemaliger Oberarzt am Jüdischen Krankenhaus in Berlin, bringt das Kunststück fertig, seine eigenen Argumente selbst zu widerlegen. Er führt Studien an, die den Nutzen einer Beschneidung zu belegen scheinen, gibt dann aber gleich zu, dass sie durch Gegenstudien entkräftet wurden. Es gebe keine zuverlässige Datengrundlage, daher könne man genauso dafür wie dagegen argumentieren. Aber, so Putzke, wer hat denn die Beweispflicht, wenn es um die medizinisch nicht notwendige Verletzung von Kindern geht? Doch wohl diejenigen, die einen solchen unnötigen Eingriff vornehmen wollen.
Der Pfarrer fragt empört: „Wo kommen wir denn hin, wenn Gerichte entscheiden, was Religionen dürfen?!“ Putzke verwandelt diese Vorlage sicher: „Wo wir hinkommen? Ich sage: Wir kommen direkt in den Rechtsstaat, da landen wir.“ Dann rät er allen, die das anders sehen, einen Blick in Länder, in denen dies tatsächlich anders ist. Er warnt davor, dass eine Legalisierung der männlichen Beschneidung den Ansprüchen etwa einer schafiitischen Kultur, ihrerseits ihre Mädchen „beschneiden“ zu lassen, Tür und Tor öffnet.
Heiner Bielefeldt, Theologe und Inhaber eines Lehrstuhls für Menschenrechte in Erlangen, hält das für nicht begründeten Alarmismus und wundert sich seinerseits, warum der Jurist Putzke die weitreichendsten medizinischen Argumente vorträgt. Darauf kontert Putzke: Er beschäftige sich seit einigen Jahren mit diesem Thema und habe in der Tat versucht, sich umfassend auch mit den medizinischen Aspekten vertraut zu machen. „Und ich finde, das muss man auch tun, bevor man überhaupt in so eine Debatte einsteigt!“ Die höflichere Form einer schallenden Ohrfeige.
Bielefeldt demonstriert noch an anderer Stelle Kenntnislücken in Bezug auf die Historie des Rituals, als er bestreitet, dass auch die männliche Beschneidung – so wie die weibliche – ursprünglich und lange Zeit als eine Maßnahme zur Beschneidung der Sexualität gerechtfertigt wurde. So wurde ein beherzter Zwischenruf, der den geplanten Gesetzesentwurf sexistisch nannte, von Bielefeldt und allen anderen Befürwortern der Beschneidung empört zurückgewiesen. Kinder werden vor Beschneidung geschützt, wenn sie Mädchen sind, nicht aber, wenn sie Jungen sind. Warum ist es so absurd, das Sexismus zu nennen?
Dann wirft er Putzke vor: „Sie wischen die Religionsfreiheit vom Tisch! Sie verweigern die Abwägung!“ Aber Abwägung womit? Hier vermisst man ein stärkeres Argument, eine stärkere Begründung, warum es gerechtfertigt sein sollte, ein Kind aus rituellen Gründen zu verletzen. An dieser Stelle wird jetzt deutlich, dass die Debatte um die Amputation der Vorhaut auf eigentümliche Weise selbst amputiert wirkt. Denn die Befürworter der Beschneidung sprechen zwar unablässig von Religion, scheuen sich aber, die für das religiöse Verständnis entscheidenden Argumente vorzubringen.
Das wurde deutlich, als ein offenbar tief religiöser Diskussionsteilnehmer die Frage an Holm Putzke richtete, ob er denn Kindeswohl nicht zu sehr auf die körperliche und seelische Gesundheit fixiere. Wie bitte? Ganz recht: Für Religiöse geht es immer noch erst ganz zuletzt um diese diesseitigen Aspekte. Zuallererst kommt die jenseitige Heilserwartung. Und es ist ganz klar: Ein Jude kommt nach orthodoxer Auffassung nur beschnitten in den Himmel, bzw. wenn er seinen Sohn am achten Tag beschneidet!
Diese Frage verdeutlicht einen viel übersehenen Aspekt der gesamten Debatte. Wenn wir die Religion ernst nehmen, dann geht es hier um das Seelenheil. Und dann kann es keine Kompromisse geben. Wenn wir diese zentralen Glaubensinhalte ernst nehmen, dann schrumpft die Vorhaut tatsächlich auf ein unbedeutendes Stückchen Haut zusammen. Dann geht es für Juden wörtlich und tatsächlich um den Bund mit Gott und tatsächlich um die Angst, als Unbeschnittener „aus dem Volke Israel ausgemerzt“ zu werden.
Aber wir nehmen die Religion nicht mehr ernst. Nicht einmal die religiösen Teilnehmer an der Debatte nehmen die Religion noch ernst. Zumindest scheuen sie sich, diese im Kern der Religion liegenden Argumente vorzubringen. Sie wissen oder spüren vielleicht, dass diese Argumente nicht mehr, wie vielleicht noch vor wenigen Jahrzehnten, in ihrem Sinne wirken würden. Ebenso wie beim Streit um Blasphemie geht es auch in dieser Debatte nur um den Schutz der religiösen Gefühle, nur um die Freiheit bei der Ausübung von Ritualen, nicht aber um den Inhalt der Rituale, nicht um den Kern dessen, was da angeblich geglaubt wird. Nicht Gott wird mehr in Schutz genommen, sondern die Gefühle dessen, der an Gott glaubt.
Und so kommt es zu dem Eindruck, dass die Befürworter der Beschneidung – trotz ihres Erfolgs beim Gesetzgeber – einen großen Nachteil in der Debatte haben: Es fehlen ihnen die entscheidenden Argumente. Denn wenn es nur noch um das religiöse Gefühl im Diesseits, nicht aber mehr um das tatsächliche Seelenheil im Jenseits geht, dann kann es doch wohl keine Frage sein, dass die Verletzung wehrloser Kinder dazu in keinem vernünftigen Verhältnis steht.
Daher hat diese Debatte, auch wenn sie jetzt durch den wenig demokratischen Schnellschuss des Gesetzgebers abgewürgt wird, doch eines sehr deutlich gezeigt: Unsere Debattenkultur ist säkularisiert, und sie ist erwachsen geworden. Es mag sein, dass die Unterlassung der religiösen Argumente aus strategischen Gründen erfolgt, dass tatsächlich insgeheim immer noch an Himmel und Hölle geglaubt wird. Aber dass diese strategischen Gründe überhaupt bestehen, ist ja mein ganzer Punkt! Der Hinweis auf das Seelenheil als wichtiger Aspekt des Kindeswohls wirkt bizarr und deplatziert, sogar in einer Kirche in Erlangen.
Interessanterweise entdecken auch die Gläubigen in dieser Debatte die Vorzüge der säkularen Prinzipien. Denn auch der monotheistische Schulterschluss ist nur um den Preis zu haben, dass die religiösen Inhalte zurückgehalten werden. Der Streit um das Beschneidungsritual war einmal ein erbitterter religiöser Streit, inzwischen müssen die alten Streithähne koalieren, um gegen einen mächtigeren Feind zu kämpfen. Christen, Juden und Muslime müssen von ihren Inhalten abstrahieren, um diese gemeinsame Front überhaupt bilden zu können, die jetzt offenbar so erfolgreich war.
Aber dieser Sieg der monotheistischen Phalanx gegenüber dem säkularen Rechtsstaat ist ein Pyrrhussieg. Denn er offenbart die Erosion des religiösen Diskurses. Der Trend zeigt eindeutig in Richtung Säkularisierung. Und auf lange Sicht hat ein Ritual, das insbesondere den Müttern ein solch großes Opfer abverlangt, nämlich die medizinisch völlig unnötige Verletzung des eigenen Kindes, keine Chance ohne Unterfütterung durch eine sehr ernst genommene Religion.

Montag, 24. September 2012

Freitag, 21. September 2012

Keine Kompromisse!

 Der Autor während einer Filmvorstellung in New York
"ZEIT: Wünschen Sie sich heute, angesichts dessen, was Sie und viele durchgemacht haben, Sie hätten das eine oder andere zurückhaltender formuliert?

Rushdie: Im Gegenteil. Wenn ich etwas gelernt habe: Keine Kompromisse. Es gibt Werte, nach denen ich mein Leben leben möchte, und sie bilden die Grundlage für die Art von offener Gesellschaft, in der ich gerne lebe. Bei diesen Werten kann es keine Kompromisse geben. Die Freiheit der Meinungsäußerung gehört dazu, ohne sie verschwinden alle anderen Freiheiten."
http://www.zeit.de/2012/39/Autobiografie-Salman-Rushdie
 
Da können unsere Chamberlains sich eine Scheibe abschneiden.

Mittwoch, 19. September 2012

Selbstanzeige



Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth
Zweigstelle Erlangen
Mozartstr. 23
91052 Erlangen


Selbstanzeige


Sehr geehrte Damen und Herren,

auf meiner Website befindet sich der Trailer zu dem umstrittenen Mohammedfilm.
Angesichts der Äusserungen des Bundesinnenministers und des Bundesaussenministers sowie konträrer Aussagen der Bundesjustizministerin bin ich mir im unklaren, ob die Veröffentlichung dieses Films strafbar ist oder nicht.

http://blog-der-wendungen.blogspot.de/2012/09/sharia-in-deutschland.html

Daher bitte ich Sie um Klärung der Sachlage.


Anlage: 1 Artikelausdruck


Mit freundlichen Grüßen,                             Erlangen, 19.09.2012

Montag, 17. September 2012

Kunstfreiheit gilt auch für schlechte Filme


Screenshot aus "Die Unschuld der Muslime"
 
Der Vorstand der Giordano-Bruno-Stiftung hat sich gegen das von Politikern geplante Verbot des umstrittenen Mohammed-Films ausgesprochen, der in der islamischen Welt zu gewaltsamen Protesten geführt hat. „Es wäre ein fatales Zeichen, würde die westliche Welt aus Rücksicht auf die verletzten Gefühle religiöser Fundamentalisten ihre eigenen Wertmaßstäbe verraten!“, erklärte Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon am Stiftungssitz in Oberwesel. „Die Kunstfreiheit gilt selbstverständlich auch für schlechte Filme. Jede Konzession gegenüber religiösen Fundamentalisten würde sie dazu ermutigen, kritische Auseinandersetzungen mit dem Islam künftig noch brutaler zu verhindern. Eine offene Gesellschaft sollte solchen Bestrebungen in aller Entschiedenheit entgegentreten.“

In vielen Fällen, so Schmidt-Salomon, sei der Protest der Gläubigen ein deutlicher Hinweis darauf, dass es den beteiligten Künstlern gelungen ist, den wunden Punkt einer Ideologie in überzeugender Weise herauszuarbeiten. Der gbs-Vorstandssprecher verwies dabei unter anderem auf das Theaterstück „Das Liebeskonzil“ von Oskar Panizza, das Gemälde „Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen“ von Max Ernst, den Film „Das Leben des Brian“ von Monty Python sowie den Roman „Die satanischen Verse“ von Salman Rushdie. Auch die sogenannten „Mohammed-Karikaturen“, gegen die sich 2006 in der islamischen Welt ein blutiger Sturm der Entrüstung erhob, seien in dieser Hinsicht „durchaus künstlerisch wertvoll“ gewesen. Auf den umstrittenen Film „Die Unschuld der Muslime“ treffe dies jedoch nicht zu: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand, der den knapp vierzehnminütigen Trailer des Films gesehen hat, sich der Tortur einer vollständigen Aufführung aussetzen möchte. Der Film ist offensichtlich von einer geradezu unterirdischen Qualität. Allerdings ist dies beileibe kein Grund, seine Aufführung zu verbieten. Schließlich kann es nicht von ästhetischen Kriterien und schon gar nicht vom Einverständnis religiöser Fanatiker abhängig gemacht werden, ob ein Film in Deutschland gezeigt werden darf oder nicht!“
Mit klaren Worten wandte sich Schmidt-Salomon auch gegen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der am Wochenende angekündigt hatte, mit „allen rechtlich zulässigen Mitteln“ gegen die Aufführung des Films vorzugehen: „Wenn Minister Friedrich in seiner Begründung abschätzig von einer ganzen ‚Serie von Geschmacklosigkeiten und Missachtungen von religiösen Gefühlen‘ spricht, in die sich der Mohammed-Film bloß einreihe, wird deutlich, dass er am liebsten nicht nur die Aufführung dieses Films verbieten würde, sondern einen Großteil der religionskritischen Auseinandersetzungen unserer Tage. Wer so einseitig wie er ‚Respekt für die religiösen Gefühle von Menschen‘ einklagt, beweist damit vor allem eines: mangelnden Respekt für die produktive Streitkultur der Aufklärung. Minister Friedrich ist sich offensichtlich nur unzureichend der Tatsache bewusst, dass der moderne Rechtsstaat nur dadurch möglich wurde, dass sich die Aufklärungsbewegung über verletzbare religiöse Gefühle und die damit verbundenen Denkverbote hinwegsetzte. Wären die Demokratieverfechter früherer Zeiten angesichts der massiven religiösen Proteste, mit denen sie zu kämpfen hatten, so schmählich eingebrochen wie der Bundesinnenminister, würden in Europa womöglich noch heute die Scheiterhaufen brennen.“

Hier der Link zum Trailer des Films mit deutschen Untertiteln (man sollte sich selbst ein Bild von der „Qualität“ dieses Films machen, wobei sich die bange Frage stellt, wie viel heftiger die Proteste wohl bei einem wirklich überzeugenden Mohammed-kritischen Kunstwerk ausgefallen wären…):
http://www.youtube.com/watch?v=zx-j8lzx6dQ

Lesen Sie zum Thema auch das Eröffnungsstatement von Michael Schmidt-Salomon in der 3Sat-Debatte zum Thema "Passt der Islam zu westlichen Werten?" (Ausstrahlung: 27.8.2012, d.h. vor den aktuellen Protesten):
http://www.schmidt-salomon.de/3sat_debatte_mss.pdf

Samstag, 15. September 2012

Sharia in Deutschland

Innenminister Friedrich will islamfeindliche Provokateure aufhalten...
Friedrich kündigte auch entschlossene Maßnahmen gegen Unterstützer des umstrittenen Films an: „Gruppen und Organisationen, die die Islamisten auch in Deutschland provozieren wollen, indem sie beispielsweise diesen unsäglichen Mohammed-Film verbreiten wollen, müssen wissen, dass sie grob fahrlässig Öl ins Feuer gießen. Deswegen muss man dem auch Einhalt gebieten“, sagte der Minister. weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/ausland/tid-27346/angriff-auf-deutsche-botschaft-im-sudan-islamisten-wut-innenminister-will-islamfeindliche-provokateure-stoppen_aid_820097.html

"Der Bundesaußenminister Außenminister hat ein entschiedenes Vorgehen der deutschen Justiz gegen Unterstützer des islamfeindlichen Videos „Innocence of Muslims“ gefordert. Wenn Rechtsradikale das Video im Internet auf ihren Seiten verbreiteten, müsse die Justiz im Rahmen ihrer rechtsstaatlichen Möglichkeiten mit aller Härte dagegen vorgehen, sagte Westerwelle am Sonnabend im thüringischen Saalfeld auf einem Landesparteitag der Thüringer Liberalen." Quelle

Wer jetzt nach Verbot schreit, sind die Politiker, die mutmaßlich mit
dem Verfassungsschutz die einheimischen Rechtsextremen und Terroristen erst hochgepäppelt haben!  Es sei daran erinnert, dass die christliche! Union schon die Koranverteilung verbieten wollte, ein Unding in einem demokratischem Staat!Auch den Koran zu verteilen war als Provokation gedacht. Na und? Sollen sie halt.Solange es friedlich bleibt ist das ihr gutes Recht. Beispielweise hielten (leider fast unbemerkt), liberale Musliminnen mit einer Grundgesetzverteilaktion dagegen. Statt den öffentlichen Raum aus Angst vor Extremisten zu zu schließen, müssen wir unsere freiheitlichen Werte offensiv verteidigen. Das bedeutet: Mehr Koraneund Religionssatire in die Einkaufsstrassen. Freiheit und Diskurs,
statt Verbote und Gewalt! Wenn der Staat vor den Extremisten kapituliert, versagt er den moderaten Gläubigen jedweder Religion und den Religionskritikern den Schutz

Mehr Korane und Mohammedfilme in die Einkaufsstrassen!  Freiheit und Diskurs, statt Verbote und Gewalt!

Freitag, 14. September 2012

Freud lässt grüssen

"Die Muslime in aller Welt sollten die Provokation ignorieren und auf keinen Fall mit Gewalt darauf reagieren", sagte stellvertretend der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde im oberbayerischen Penzberg, Benjamin Idriz. "Die Menschen, die diesen Film gemacht haben und zeigen, sind wertlos. Aber wir sollten darauf nicht wertlos antworten", sagte Idriz und fügte hinzu: "Wir müssen intellektuell antworten." 
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Deutsche-Botschaft-in-Sudan-brennt-article7218986.html


Sehr intellektuell Herr Idriz und das stellvertretend für Imame in ganz Deutschland! Na dann gute Nacht! Die Menschen, die den Film zu verantworten haben sind sicherlich nicht die hellsten Leuchten. Sie sind aber wertvoll, so wie jeder andere Mensch auch, unabhängig davon, was sie "verbrochen" haben. Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Lesen lohnt sich Herr Idriz!
via Eser Polat

Siehe auch: 

"Von wertlosen Menschen"  , ein Artikel im "Kosmopolit" und


"Penzberger Imam elektrisiert Erlanger Muslime-Freunde" und "Erlanger Bürgermeisterin unterstützt Islamische Gemeinde" war hier und hier in der Zeitung zu lesen.

Imam Benjamin Idriz in Erklärungsnot hier im Blog

No One Murdered Because Of This Image



WASHINGTON—Following the publication of the image above, in which the most cherished figures from multiple religious faiths were depicted engaging in a lascivious sex act of considerable depravity, no one was murdered, beaten, or had their lives threatened, sources reported Thursday. The image of the Hebrew prophet Moses high-fiving Jesus Christ as both are having their erect penises vigorously masturbated by Ganesha, all while the Hindu deity anally penetrates Buddha with his fist, reportedly went online at 6:45 p.m. EDT, after which not a single bomb threat was made against the organization responsible, nor did the person who created the cartoon go home fearing for his life in any way. Though some members of the Jewish, Christian, Hindu, and Buddhist faiths were reportedly offended by the image, sources confirmed that upon seeing it, they simply shook their heads, rolled their eyes, and continued on with their day. Quelle: http://www.theonion.com/articles/no-one-murdered-because-of-this-image,29553/


Glaube und Privatwehwehchen

Die armen, armen religiösen Gefühle. Warum will bloß niemand mit ihnen spielen?
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht öffentlich von religiösen Gefühlen die Rede ist, und immer ist der Inhalt der Meldungen, dass diese religiösen Gefühle verletzt wurden. Als aufgeklärter säkularisierter Mensch am Beginn des 21. Jahrhunderts fragt man sich schon, ob es nicht Nachrichten von größerer Dringlichkeit und Wucht gibt. Fällt denn in China gar kein Sack Reis mehr um? Man kommt aus dem Wundern und Staunen nicht mehr heraus: Das religiöse Gefühl, das doch eine reine Privatangelegenheit ist, wird öffentlich breit und breiter getreten.
Was ist ein religiöses Gefühl, und wo im Menschen ist es angesiedelt? Wo sitzt es genau? Man weiß es nicht, auch der aufschnippelnde Anatom wird nichts finden, aber immerzu erklären schnaubende, schäumende Menschen, sie seien in ihren religiösen Gefühlen verletzt worden. Es scheint also zum Wesen des religiösen Gefühls zu gehören, dass es im Aggregatzustand der beleidigten Leberwurst daherkommt. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Träger dieses Gefühls sich als Christ oder als Muslim empfindet - in der Hauptsache ist er verletzt. So ein religiöses Gefühl ist offenbar äußerst praktisch für Menschen, die gern verdrossen, übellaunig und wütend sein möchten.
Anlass der Wut ist bevorzugt die Kunst; eine respektlose Karikatur oder eine Operninszenierung, die aus gutem Grund kaum jemand freiwillig angesehen hat, erhitzen allein auf Basis von Gerüchten die Gemüter. Ich kann schlechte Kunst so wenig leiden wie schlechtes Essen oder schlecht gespitzte Bleistifte; auch die Kunst ist ein Lebensmittel, und Gammel sollte man sich nicht zufügen. Die öffentlich vorgetragene Abneigung aber resultiert ja eben nicht aus dem Widerwillen gegen stümpernde Zeichner oder Regisseure, sondern allein aus der Behauptung, schon wieder sei das religiöse Gefühl ganz schlimm verletzt worden. Dieses Geheule ist unmännlich und memmenhaft; früher überließ man Gefühle dieser Preisklasse den Betschwestern und alten Jungfern dieser Welt. Heute wollen Millionen von "Wir sind Papst"-Jahrmarktschreiern und muslimischen Bartträgern mitflennen. Das müssen sie wissen - weiter ernst nehmen muss man öffentlich ausgestellte Privatwehwehchen aber nicht.
Doch jener Teil der medialen Öffentlichkeit, der noch jede Sau durchs Dorf treibt, wenn Auflage, Quote und das Gefühl persönlicher Bedeutung dabei herausspringen könnten, ist beim Händeringen nicht nur dabei, sondern vorneweg. Im Zusammenhang mit der Absetzung einer Operninszenierung las man kürzlich auf der Seite eins der taz: "Keine Frage, der Islamgipfel ist ein historisches Ereignis." Denn, so erfährt man weiter: "Der Gipfel war mehr als nur ein Fototermin." Wenn alles, was mehr als ein Fototermin ist, zum historischen Ereignis wird, gibt es täglich ein paar Milliarden historische Ereignisse. Der Wunsch nach Wichtigkeit hat schon manchen Journalisten seiner Restgrütze beraubt.
Feridun Zaimoglu, bekennender gläubiger Muslim und im Schlepptau von Günter Grass 2005 als Reklameonkel für die Sozialdemokratie vollends zur Seife geworden, verkündete zur selben Zeit und ebenfalls in der taz: "Ich plädiere für die Freiheit der Kunst, doch mit religiösen Gefühlen sollte nicht gespielt werden." Da taten mir die religiösen Gefühle plötzlich richtig leid. Keiner soll mit ihnen spielen? Das ist gemein, so gemein, hundsgemein. Auch religiöse Gefühle fangen ja klein an; man muss sich nur vorstellen, dass sie von allen anderen Kindern gemieden und geschnitten werden - höchstens patriotische, vaterländische, nationale Gefühle, mit denen kein vernünftiger Mensch etwas zu tun haben möchte, spielen noch mit den ihnen nahe verwandten religiösen Phantomgefühlen. Das wäre doch fies, oder?
Deshalb gilt: Haben wir Mitleid, zeigen wir Mitgefühl - spielen wir mit religiösen Gefühlen. Sie sind zwar nicht besonders helle und meistens auch ziemlich langweilig, aber wir sollten sie schon aus eigenem Interesse nicht der ihnen innewohnenden Humorlosigkeit überlassen. Spielen wir mit religiösen Gefühlen wie mit Körperteilen, die wir besonders gern mögen. Dameln und dölmern wir mit religiösen Gefühlen herum - anders werden ihre stolzen Besitzer niemals lernen, dass auch der schönste Glaube keine Legitimation dafür ist, andere Menschen zu belästigen. WIGLAF DROSTE

Früher überließ man Gefühle dieser Preisklasse den Betschwestern und alten Jungfern

Donnerstag, 13. September 2012

'This Does Not Represent Us': Moving Photos of Pro-American Rallies in Libya




ELSPETH REEVESEP 12, 2012
Just like not all Americans are like the people who made the weird anti-Islam movie that is sparking protests in Muslim nations, not all people in Libya are like the ones who killed U.S. ambassador Chris Stevens. Some of the people of Benghazi, where Stevens was killed, held a demonstration against terrorism and to show sympathy for the U.S. Libya Alhurra TV, an Internet TV channelfounded at the start of the Arab Spring in 2011, posted Facebook photos of a rally there showing support for America and sympathy for Stevens. Here are some of those pictures:
Update: With the help from The Atlantic's multilingual Heather Horn and some Facebook commenters, we have a few translations of the Arabic signs.

Update: In the photo above, the sign held by the man on the far left says "No to al Qaeda, no to violence, this is a youth revolution." The middle one says, "No No No to Al Qaeda." The sign held by the boy on the right is hard to read at this angle, but says something against killing.

Update: The Supreme Security Committee Interim Tripoli has more photos of pro-American demonstrations in Tripoli. The Arabic phrase below "Islam against terrorism" says "No to violence." That's on a lot of the signs.

From the Facebook page of The Libyan Center for Documentation, more images of the demonstration:



Mittwoch, 12. September 2012

Wutbürger bei twitter

Nachdem unlängst ein 18 Jahre alter Mann nach dem Mord an der Schülerin Lena im Internet zur Lynchjustiz am mutmaßlichen Verdächtigen aufgerufen hatte und alle paar Wochen meist von Rechtsextremen, aber auch aus der Mitte der Gesellschaft wieder die Forderung nach "Todesstrafe für Kinderschänder" erklingt, gibt Twitter heute auch wieder faseliert-eklesiastische Empörung des gemeinen Wutbürgers (m/w).

Anlass ist der Freispruch eines mutmaßlichen Vergewaltigers, der die Volks-Seelen wieder zum Kochen bringt. "Vor dem Landgericht Essen wurde am Montag ein Mann (31) aus Marl vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen – weil sein Opfer (15) sich nicht genügend gewehrt hat."

Kein Zweifel, der mutmaßliche Täter bringt alles mit, was ihn in den Augen vieler aus der Mehrheitsgesellschaft so verachtens.- wie hassenswert macht und ihn nachgerade prädesteniert für das Täterschema: Gewalttätig, Alkohol.- und Drogenabhängig.
Fehlt nur noch ein Migrationshintergrund, um die rechte Szene vollkommen in Wallung zu bringen.

Aber in Deutschland gilt: Jede/r hat als unschuldig zu gelten, bis seine Schuld vor einem ordentlichem Gericht erwiesen ist. Das Gericht hat Beweise aufzunehmen und eine Bewertung zu treffen. Das vornehmste Recht eines Beschuldigten hingegen ist das Schweigerecht. Dieses darf nicht! zu seinen Lasten ausgelegt werden.

"Es ist ein verständlicher Reflex, sich als Beschuldigter verteidigen zu wollen, insbesondere, wenn man von seiner Unschuld überzeugt ist. Nur zu oft führen solche, oft emotional aufgeladenen Verteidigungsversuche aber zu unkontrollierten, viel zu weit gehenden Aussagen, die schlimmstenfalls zu einer Selbstbelastung führen. Denn gerade in einem frühen Stadium im Ermittlungsverfahren steht auch die Polizei bzw die Staatsanwaltschaft vor einem weitgehend unklaren Sachverhalt, der meist ohne Mitwirkung des Beschuldigten nicht zu seinen Lasten ausermittelt werden kann. Entsprechend gilt der Grundsatz: Als Beschuldigter muss ich zu keinem Zeitpunkt irgendetwas sagen, darf sogar lügen. Dies gilt sowohl für Vernehmungen durch die Polizei, als auch durch die Staatsanwaltschaft. " Quelle: http://www.skanlaw.com/Presse/Schweigen%20im%20Ermit.pdf

Gerade, wenn vorbelastete oder vorbestrafte Menschen angeklagt werden, hat das Gericht um so genauer hinzuschauen, um Vorverurteilungen auszuschließen. Auch die Würde eines Straftäters, gar eines nur mutmaßlichen Straftäters ist unverletzlich. Als Schöffe der Strafrechtspflege am Erlanger Amtsgericht habe ich einen entsprechenden Eid abgelegt, der mich nach meiner Auffassung nicht nur im Gerichtssaal bindet.

Update:
Gerade in Fällen sexualisierter Gewalt und Gewalt gegen Kinder fällt schnell auf, wie leicht beispielsweise das Folterverbot zur Disposition steht. Siehe Fall Gäfgen. Selbst Linke wie Lafontaine bekunden er hätte auch so gehandelt wie der ehemalige Chefermittler und Frankfurter Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner. Der Polizeibeamte hatte dem Entführer Magnus Gäfgen Gewalt angedroht, um zu erfahren, wo sich der kleine Jakob aufhielt. Denn wenn Folter im Hinblick auf die Menschenwürde verboten sei, "dann gilt das ja nicht nur für den Verbrecher, sondern auch für das entführte Kind", sagte der SPD-Politiker.
Lafontaine weiter: "Ich würde es als Katastrophe für den Rechtsstaat ansehen, wenn dieser Beamte bestraft würde, denn nach meiner Auffassung hat er nach elementarsten sittlichen Geboten unseres Rechtsstaats gehandelt." Man könne nicht "ein unschuldiges Kind qualvoll krepieren lassen, nur weil man sich auf formale Verfassungsartikel beruft". Zwar sei Folter gesetzlich verboten, jedoch gebe es "immer Situationen im Leben, wo der Verweis auf Gesetze oder das Beharren auf Prinzipien nicht weiterhilft." Quelle

Update 2

"Mensch versus Jurist
Die Jugendliche war von dem Urteil "menschlich sehr betroffen", sagt ihr Anwalt Dirk Brockpähler. Er habe ihr den Fall ausführlich erklärt und denke, dass sie die Entscheidung der Juristen verstanden habe. "Wenn man unseren Rechtsstaat ernst nimmt, hätte das Gericht nicht anders urteilen können", sagt Brockpähler. 
Dass die Aufregung in sozialen Netzwerken nun riesig ist, könne Brockpähler zwar als Mensch, nicht aber als Jurist verstehen. "Die Menschen, die sich jetzt echauffieren, haben den Prozess nicht begleitet", sagt er.
 Auch Strafrechtsexpertin Hörnle kann die Empörung nachvollziehen. Die Entscheidung des Landgerichts sei zwar unter den gegebenen Umständen richtig, "man muss sich allerdings fragen, ob das Gesetz, das dem Urteil zugrunde liegt, es auch ist". Der Fall habe gezeigt, dass der Gesetzestext an dieser Stelle unbefriedigend ist."

Update 3

Auch Staatsanwältin war für Freispruch

Andererseits stand die Richterin nicht allein mit ihrer Meinung, dass der Tatvorwurf nicht haltbar ist: Sogar die Staatsanwältin plädierte am Ende der dreistündigen Verhandlung auf Freispruch. Zudem kündigte Rechtsanwalt Dirk Brockpähler, Vertreter der Nebenklage, an, das Urteil nicht anfechten zu wollen. Es könnte also ein typischer Fall sein, bei dem Bürger wenig Verständnis für den Rechtsstaat haben, während die Verfahrensbeteiligten der Meinung sind, dass korrekt geurteilt wurde. 

Nun gibt es aber offenbar doch eine Wendung. Wie die "Welt" erfuhr, hat die Staatsanwaltschaft Revision gegen das Urteil eingelegt – trotz des Plädoyers auf Freispruch der Staatsanwältin. "In einer solch bedeutungsvollen Sache muss das Urteil durch die Hinzunahme der schriftlichen Begründung überprüft werden. Das ist nicht außergewöhnlich", sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Kassenböhmer der "Welt".

Mittwoch, 5. September 2012

Werden Sie Revolutionspate/patin! Zivilgesellschaft stärken!

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Um den syrischen Frühling unterstützen zu können, wollen wir mit Adopt a Revolution möglichst viele Menschen erreichen. Dafür ist es wichtig, die Solidaritätserklärung und die Möglichkeit, RevolutionspatIn zu werden bekannt zu machen. Können Sie uns dabei helfen?
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BLZ 430 609 67 (GLS Bank)
Bitte geben Sie Ihre Adresse als Verwendungszweck an, falls Sie eine Spendenquittung benötigen.
Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!

https://www.adoptrevolution.org/

Montag, 3. September 2012

Establishment of "National Unity" FSA Unit with four different secular brigades.



Establishment of "National Unity" FSA Unit with four different secular brigades. In all announcements they call out to a civil democratic and progressive Syria. The usual god is great is replaced by Long live free Syria. One brigade is named after a secular thinker who was assassinated by Islamist extremists. The same brigade that has manufactured its own mines and blew up a government tank this morning with it. I truly wish these brave men all the luck they need.

via "Syrian Atheists"

Sonntag, 2. September 2012

Ein schlechter Scherz: Adorno, Butler & der Zionismus


Der Adorno-Preis soll am 11. September an die Philosophin und Aktivistin Judith Butler vergeben werden…
Von Stephan Grigat
Erschienen in Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, 51. Jg., Heft 203, 3/2012. 
Eine Kurzfassung ist als Gastkommentar am 17.8.2012 in der Wiener Zeitung erschienen.
Nach einem kurzen Erschrecken über ihre Eltern meinten Ende der 1960er Jahre viele Studierende in den Nachfolgestaaten des Nationalsozialismus, es sei eine prima Idee, dem „Volke zu dienen“, und einige ließen sich gleich von den palästinensischen Fedayin ausbilden. Die nach Frankfurt zurückgekehrten Philosophen und Gesellschaftskritiker Theodor W. Adorno und Max Horkheimer ahnten schon früh, wohin dieser Aufbruch führen würde und setzten dagegen die Solidarität mit den prospektiven Opfern. Diese Solidarität führte zwar nicht dazu, die Bedeutung des Zionismus in vollem Ausmaß zu erfassen, aber sie implizierte für Adorno und Horkheimer (und auch für Herbert Marcuse und Leo Löwenthal) ganz selbstverständlich die Solidarität mit Israel als Zufluchtsstätte für alle vom Antisemitismus Bedrohten.
Vor diesem Hintergrund erscheint es wie ein schlechter Scherz, dass das Vergabekomitee für den Adorno-Preis Anfang Juni in Frankfurt bekannt gegeben hat, dass die diesjährige Ehrung am 11. September an Judith Butler gehen soll. Butler ist nicht nur eine Vordenkerin jener poststrukturalistischen Philosophie, die mit ihrem antiessentialistischen Geraune entgegen ihres Selbstverständnisses in einem fundamentalen Gegensatz zum Denken Adornos steht, sondern auch eine internationale Aktivistin, die zum Boykott Israels aufruft. Sie engagiert sich im „Boycott, Divestment and Sanctions movement“ (BDS), das sich nicht etwa gegen das iranische Regime richtet, das seit über 30 Jahren Frauen mit aller Gewalt unter die Gesetze der Scharia zwingt und Schwule an Baukräne aufhängt, sondern gegen den jüdischen Staat, der als einziger in der Region Homosexuellen ein gleichberechtigtes und selbstbewusstes Leben ermöglicht. Von der BDS-Kampagne haben sich mittlerweile selbst radikale Antizionisten wie Noam Chomsky und Norman Finkelstein distanziert, während Butler weiterhin als ihr internationales Aushängeschild fungiert.
Insofern ist es auch kein Wunder, dass folgende Charakterisierung zweier antisemitischer Terrororganisationen von der poststrukturalistischen Meisterdenkerin stammt: „Es ist außerordentlich wichtig, Hamas und Hisbollah als soziale Bewegungen zu begreifen, die progressiv und links, die Teil einer globalen Linken sind.“ Nach zahlreichen Protesten gegen diese Apologie des Djihadismus erklärte Butler, sie fühle sich „missverstanden“; sie lehne Gewalt selbstverständlich ab, begreife Hamas und Hisbollah aber als „Bewegungen gegen Kolonialismus und Imperialismus”. Was in etwa bedeutet: sie kämpfen für dieselben Ziele wie Butler, wählen aber die falschen Mittel und sollten sich doch bitte lieber dem BDS-Movement gegen Israel anschließen.
Das Kuratorium des Preises, dessen Vorsitz der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth inne hat und dem dieses Jahr beispielsweise der Philosoph Rainer Frost und die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz angehören, lobt Butlers Beitrag zu einem „neuen Verständnis […] der Moral“. Vielleicht meint das Komitee damit ja Butlers Begeisterung für die Elogen der US-amerikanisch-palästinensischen Genderforscherin Lila Abu-Lughod auf die Burka, die, in der Wiedergabe Butlers, „wichtige kulturelle Bedeutungen“ als Notwehrmaßnahme gegen die Verbreitung westlicher Wertvorstellungen habe: Die Verschleierung der Frau könne auch als „eine Übung in Bescheidenheit und Stolz“ verstanden werden und diene „als Schleier […], hinter dem und durch den die weibliche Handlungsfähigkeit wirken kann.“ Kritik am islamischen Tugendterror diskreditiert Butler als „kulturimperialistische Ausbeutung des Feminismus“, als Teil einer Strategie einer „Dezimierung islamischer Kultur“, die zur „Ausbreitung von US-amerikanischen kulturellen Annahmen führt, wie Sexualität und Handlungsfähigkeit zu organisieren und darzustellen seien.“ Die passende Antwort auf eine derart kulturrelativistische Menschenverachtung haben bereits 1979 jene iranischen Frauen formuliert, die wochenlang zu Zehntausenden in Teheran gegen die Einführung der Zwangsverschleierung demonstriert haben – unter der Parole „Emanzipation ist nicht westlich und nicht östlich, sondern universal.“
Kritische Theorie & Israel
Während Butler sich als vorbehaltlose Gegnerin „des Westens“ gefällt, wussten die Kritischen Theoretiker, dass Kritik an der liberalen Gesellschaft nur möglich ist, „wenn man die Momente, durch die man im Westen noch leben kann, auch erwähnt“, wie Horkheimer es in den 1950er-Jahren in einem Gespräch mit Adorno formulierte. Um die Ferne von Butlers Engagement zu Adornos Denken deutlich zu machen lohnt ein Blick auf das Verhältnis der Kritischen Theorie zu Israel und zum Zionismus. Am 5. Juni 1967, dem Tag des Ausbruchs des Sechs-Tage-Krieges, schrieb Adorno an seine Wiener Freundin Lotte Tobisch: „Wir machen uns schreckliche Sorgen wegen Israel. […] In einem Eck meines Bewusstseins habe ich mir immer vorgestellt, dass das auf die Dauer nicht gut gehen wird, aber dass sich das so rasch aktualisiert, hat mich doch völlig überrascht. Man kann nur hoffen, dass die Israelis einstweilen immer noch militärisch den Arabern soweit überlegen sind, dass sie die Situation halten können.“ Einen Tag später sprach er öffentlich von dem „Furchtbaren, das Israel, der Heimstätte zahlloser vor dem Grauen geflüchteter Juden, droht.“ Zwei Jahre später war Adorno vom Niederbrüllen des israelischen Botschafters in Frankfurt durch deutsche linke und arabisch-nationalistische Studenten dermaßen entsetzt, dass er in einem Brief an Herbert Marcuse gar von der Gefahr eines Umschlagens der Studentenbewegung in Faschismus sprach.
Sowohl von Horkheimer als auch von Adorno gibt es zahlreiche hellsichtige Äußerungen zur Kritik des Antiimperialismus, dessen postmoderne Variante heute von Autorinnen wie Butler propagiert wird. In Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit schreibt Adorno: „Das faschistische Wunschbild heute verschmilzt ohne Frage mit dem Nationalismus der sogenannten unterentwickelten Länder[…]. Einverständnis mit denen, die in der imperialistischen Konkurrenz sich zu kurz gekommen fühlten, und selber an den Tisch wollen, drückte schon während des Krieges in den Slogans von den westlichen Plutokratien und den proletarischen Nationen sich aus.“
Der kritische Pessimismus Adornos ist dem Zionismus in vieler Hinsicht verwandt. Der Mainstream-Marxismus hat sich auch von der Shoah nicht von seinem optimistischen Geschichtsverständnis abbringen lassen. Für Zionismus und Kritische Theorie hingegen markiert der Nationalsozialismus den welthistorischen Bruch. Der Zionismus zog die praktischen Konsequenzen aus dem Scheitern sowohl aller Assimilierungsversuche als auch der bürgerlichen und sozialistischen Gleichheitsversprechen, misstraut seit dem völlig zu Recht jedem Versöhnungsangebot und setzt auf militärische Selbstverteidigung. Die Kritische Theorie zog die theoretischen Konsequenzen aus der Katastrophe für Gesellschaftskritik, misstraut jedem begriffslosen Praktizismus, jedem linken Heilsversprechen und konfrontiert jede Kritik der Gesellschaft mit dem kategorischen Imperativ, wie Adorno ihn in seiner Negativen Dialektikformuliert hat: Im Stande der Unfreiheit „alles Handeln und Denken so einzurichten, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.“
Die Kritischen Theoretiker haben stets vor der Möglichkeit einer barbarischen Aufhebung des Liberalismus gewarnt. Für diese negative Aufhebung der bürgerlichen Gesellschaft stehen historisch Nationalsozialismus und Faschismus, dafür stehen aber auch panarabisch-nationalistische Bewegungen, vor denen insbesondere Max Horkheimer zeitlebens eindringlich gewarnt hat, und dafür stehen heute unter anderem islamische Djihadisten, die von Teilen der Linken immer wieder als legitime Bündnispartner im „Kampf gegen Imperialismus und Kolonialismus“ ins Spiel gebracht werden. Der von Judith Butler so leidenschaftlich bekämpfte Zionismus ist in seinen, ja ausgesprochen heterogenen Erscheinungsformen, eine zwingend erforderliche Notwehrmaßnahme gegen solch eine barbarische Aufhebung, die stets im Antisemitismus zu sich findet.
Benjamin-Orden für Grimm?
Einer Judith Butler, die sich nicht zuletzt bei ihrer Edward Said-Gedenkvorlesung 2010 in Kairo als glühende Antizionistin positioniert hat, wird man das kaum verständlich machen können. Nachdem bekannt wurde, dass der diesjährige Adorno-Preis an sie gehen soll, hat der Publizist Thomas von der Osten-Sacken die Infamie dieses Vorhabens durch folgenden Vorschlag auf den Punkt gebracht: „Dann sollte konsequenterweise Martin Heidegger posthum noch die Martin Buber-Medaille bekommen, Hans Grimm vielleicht einen Walter Benjamin-Orden erhalten und Henning Mankell ein Else Lasker-Schüler-Stipendium für seine Teilnahme auf der Mavi Marmara”, also jener Hamas-Solidaritätsflotte, die unter scharfem Protest von Butler & Co durch die israelische Armee daran gehindert wurde, die Blockade des von Islamisten beherrschten Gaza-Streifens zu durchbrechen.
Es gibt sehr gute Gründe, sich über die geplante Preisvergabe zu empören. Alleine schon, weil sich in ihr auch eine Ignoranz gegenüber all jenen Feministinnen ausdrückt, die ihre Gesellschaftskritik tatsächlich ausgehend von der Kritischen Theorie Adornos versuchen zu formulieren und dementsprechend schon früh die „Entkörperung“ in Butlers Gendertheorien kritisiert haben. Butlers Absage an jegliches Gesellschaft grundlegend transzendierendes Denken, das sich trotz der kritischen Attitüde wie ein roter Faden durch ihre Schriften zieht, steht im schroffen Gegensatz zu Adornos Sehnsucht nach dem ganz Anderen, die trotz des Wissens um die derzeitige Unmöglichkeit ihrer Verwirklichung in jedem Gedanken der Kritischen Theorie gegenwärtig bleibt. Vielleicht sollte man die Preisverleihung aber auch einfach als Ausdruck dessen begreifen, dass der Kultur- und Wissenschaftsbetrieb sich mittlerweile dermaßen an der Demontage der Vernunft beteiligt, dass nahezu alles möglich wird – selbst die Vergabe eines nach Adorno benannten Preises an eine Anti-Israel-Aktivistin, die mit ihrer Philosophie das exakte Gegenteil von Kritischer Theorie repräsentiert.