" Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt /
Und läßt andere kämpfen für seine Sache /
Der muß sich vorsehen; denn /
Wer den Kampf nicht geteilt hat /
Der wird teilen die Niederlage. /
Nicht einmal den Kampf vermeidet /
Wer den Kampf vermeiden will; denn /
Es wird kämpfen für die Sache des Feinds /
Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."

"Man muß so radikal sein wie die Wirklichkeit."
Bertolt Brecht




Dienstag, 30. Oktober 2012

Wider den neoliberalen Genderwahn!



Als Atheist im Gottesstaat

 "Wenn du dem Islam beitrittst, schneiden sie dir die Vorhaut ab. Wenn du ihn wieder verlassen willst, schneiden sie dir den Kopf ab."

Atheisten droht in Iran die Todesstrafe. Aber immer mehr Iraner bekennen sich zu ihrem Nichtglauben – wenn auch nicht öffentlich.

Den Tag, an dem Ali Ebrahimi* eingeschult wurde, bezeichnet er als den Beginn einer religiösen Gehirnwäsche. Koransuren, heroische Erzählungen über den Propheten Mohammed, rigorose Moralpredigten: In iranischen Lehrplänen nimmt der Islam viel Platz ein. Ebrahimis Eltern, säkulare Akademiker, hielten während der Islamischen Revolution 1979 loyal zum Schah-Regime. Sie schworen ihn früh darauf ein, vor seinen Lehrern keine Kritik an der Staatsreligion Islam zu äußern. "Erzähle ihnen das, was sie hören wollen", sagten sie ihm. Und vor allem: "Sag niemals, dass du nicht daran glaubst."
Ebrahimi glaubt auch heute nicht. Er zweifelt an den Weltreligionen und an politischen Ideologien ebenso wie an alternativmedizinischen Heilmethoden wie der Homöopathie und manchmal sogar an der Idee des Atheismus. "Es klingt ja beinahe wie Ironie, die Existenz eines Gottes zu bestreiten, der nicht existieren kann", sagt er. Er bezeichnet sich lieber als nicht gläubig denn als Atheist.
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Der hagere 26-Jährige ist Medizin-Student in Isfahan, nach Teheran die zweitgrößte Stadt in Iran. Gegen die religiösen Doktrinen der Schulzeit in Tabriz wirkte die elterliche Privatbibliothek als Korrektiv: Nach dem Unterricht las er unter anderem religionskritische Philosophen wie Nietzsche, Schopenhauer, Freud. Heute liest er unter anderem die Werke der atheistischen Publizisten Richard Dawkins und Christopher Hitchens – inzwischen allerdings gut versteckt als E-Books auf dem Kindle.
Denn so polemisch und offensiv wie Dawkins und Hitchens darf sich Ebrahimi in Iran zu seinem Nichtglauben nicht bekennen. Anders als die registrierten religiösen Minderheiten des Landes – Juden, Christen und Zoroastrier – werden Atheisten und Anhänger anderer Religionen wie die Bahai von der Islamischen Republik nicht anerkannt. Wer als Muslim erfasst ist und sich vom Glauben abwendet, dem droht nach dem in Iran geltenden Scharia-Recht die Todesstrafe wegen Apostasie, des Abfalls vom Islam.
Ein Atheist muss ein Doppelleben führen
Zwar sind nur wenige der bekannt gewordenen Todesurteile wegen Apostasie in den vergangenen zehn Jahren vollstreckt worden. Aber die Furcht auch vor anderen Repressalien zwingt Atheisten dazu, ihre wahren Überzeugungen zu verschweigen. So könnte ihnen der Staat unter anderem das Recht auf Sozialhilfe und die Aufnahme an einer Universität verweigern. "Du musst ein Doppelleben führen", sagt Ebrahimi. "In der Öffentlichkeit gibst du vor, Muslim zu sein, weil es die Gesellschaft von dir erwartet. Im Privaten und unter Freunden darfst du du selbst sein."
Shakek Mantegh* wollte deshalb einen Ort zum intellektuellen Austausch schaffen und gründete vor eineinhalb Jahren die Facebook-Seite Iranian Atheists & Agnostics. Er verlinkt regelmäßig Artikel zur Evolutionstheorie, philosophische Aufsätze und religionskritische Karikaturen. Dass mittlerweile über 27.000 User auf den Gefällt-mir-Button geklickt haben, hat den 34-jährigen Teheraner überrascht. Aus Angst vor Verfolgung nähmen viele Nutzer allerdings lieber mit Fake-Profilen an den Diskussionen auf der Seite teil. "Die Regierung diffamiert Agnostiker und Atheisten als anti-islamisch, als Satanisten und als Spione des Westens", sagt Mantegh. Aber er möchte seine Initiative nicht als Ausdruck von Islamhass verstanden wissen: "Wir haben nichts gegen religiöse Menschen und versuchen, mit ihnen in den Dialog zu kommen. Ein toleranter Muslim ist mir lieber als ein fanatischer Atheist."
Seine Beobachtung ist, dass sich die iranische Gesellschaft allmählich säkularisiert. "Wir befinden uns in einer Zeit, die man mit Europa während der Renaissance vergleichen kann", sagt Mantegh. Zwar hätten viele Iraner noch immer einen moderaten, von persisch-islamischer Folklore geprägten Glauben. Aber das klerikale Regime habe mit seinen strikten Verhaltensregeln bei vielen Menschen das Gegenteil einer tieffrommen Gesinnung erreicht, nämlich Ungläubigkeit.

Doch auch wenn die innere Verweltlichung der Iraner weiter voranschreitet, macht sich Mantegh keine Illusionen, dass die Islamische Republik in der Lage sei, echte Religionsfreiheit zu gewähren. Das Hauptproblem: Die 1979 nach der Revolution in Kraft getretene Verfassung bindet alles Staatshandeln an die Lehren des Korans. Und der Oberste Rechtsgelehrte Ali Chomenei, der in Iran als Stellvertreter Gottes auf Erden gilt, kann alle Gesetzesbeschlüsse stoppen, sollten sie der Scharia widersprechen.
Auch Philip G. Kreyenbroek, Professor für Iranistik an der Universität Göttingen, meint, die vom Staat propagierte Version des Islam habe die meisten Iraner der Religion entfremdet . "Bis zur Revolution wussten wenige etwas von den Inhalten des Islams", sagt er. Das Ajatollah-Regime definierte, wie er verstanden werden sollte. Doch schon als der Islam während des Iran-Irak-Kriegs in den achtziger Jahren als eine Religion des Opferns und des Leidens präsentiert wurde, und immer rigidere Verhaltensregeln wie der Kopftuchzwang für Frauen eingeführt wurden, hätten die ersten Iraner sich von ihm distanziert, sagt Kreyenbroek. "Manche Menschen suchten ihren spirituellen Ausweg im Zoroastrismus und im Buddhismus. Dass viele nun gar nicht mehr an Gott glauben und sich als Atheisten bekennen, ist zwar neu, aber nicht überraschend."

Eine Trennung von Staat und Religion sei in diesem System nicht möglich, glaubt auch Ebrahimi. 2009 hatte er vor den Präsidentschaftswahlen Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi unterstützt. Er glaubte, Mussawi hätte das Potenzial gehabt, das korrumpierte System von innen heraus zu verändern. Doch Mussawi kam nicht; Ahmadinedschads Wahlsieg wurde verkündet und in Teheran schossen Milizen auf die Demonstranten.
Oft trifft Ebrahimi sich mit anderen atheistischen Kommilitonen seiner Universität, um zu diskutieren – über Wissenschaft, Religion und Politik. "Wir haben einen Spruch: Wenn du dem Islam beitrittst, schneiden sie dir die Vorhaut ab. Wenn du ihn wieder verlassen willst, schneiden sie dir den Kopf ab." Ebrahimi sagt es im Scherz. In Iran bleibt es Ernst.
* Name geändert

Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-10/iran-atheismus-todesstrafe-internet/komplettansicht

Samstag, 27. Oktober 2012

Sektenführer in Franken: Der Guru von Lonnerstadt

Es gibt weder Dusche noch Wanne, nur spärlich zu essen, und Arztbesuche sind nicht erlaubt: Ein Guru diktiert in Mittelfranken einer Familie mit drei Kindern den Alltag - und die folgt ihm kompromisslos. Die Behörden schreiten jedoch nicht ein.

‎"In diesem Land", sagt sie, "hat jeder das Recht, seine Religion frei zu wählen. Und seine Kinder entsprechend zu erziehen." 
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/sektenfuehrer-in-franken-der-guru-von-lonnerstadt-1.1507296-2


Menschen hautnah




In welchem Zusammenhang war das neulich ebenfalls ein Hauptargument? ....



Mittwoch, 24. Oktober 2012

Salman Rushdie über die inflationäre "Empörungsindustrie" politisch korrekter Multikulti-Idioten


Writer Salman Rushdie believes literature has lost much of its influence in the West, and movie stars like George Clooney and Angelina Jolie have taken the place of Susan Sontag and Norman Mailer when it comes to addressing the big issues.

The British author, who has just released his account of 10 years in hiding after an Iranian fatwa was declared against him in 1989, believes the “Arab Spring” uprisings have failed but that there is hope for freer Muslim societies in the future.
He has warm words for his elder son Zafar who was nine when the famous edict which amounted to a death sentence was announced, but the tone turns harsh when dealing with famous figures like Rupert Murdoch, the Prince of Wales and John Le Carre who he said failed to back him during the dark years.
And with the publication of “Joseph Anton”, a 633-page autobiography, the 65-year-old is finally determined to put the fatwa behind him.
“I have a sense of people thinking it (literature) is less important,” he told Reuters on Friday in a wide-ranging interview at Waterstone’s book store in central London.
“If you look at America, for instance, there is a generation older than mine in which writers like Susan Sontag and Norman Mailer and Gore Vidal would have a significant public voice on issues of the day. Now there’s virtually no writers.
“Instead you have movie stars, so if you are George Clooney or Angelina Jolie then you do have the ability to speak about public issues … and people will listen in a way they would once listen to Mailer and Sontag. That’s a change.”
He added that in authoritarian countries the situation was different, and literature had held on to some of its power.
“In those places literature continues to be important as you can see by the steps taken against writers,” he said, counting China among them.
Fatwa and free speech
More than almost anyone, Rushdie sums up one of the most pressing problems facing leaders today — the tension between free speech and the desire to avoid offending people’s faith.
He argues in his book that he does not feel his novel The Satanic Verses which prompted the fatwa, should have been particularly offensive to Muslims in the first place.
But Rushdie said he would continue to defend even the most provocative individual’s right to express an opinion.
Joseph Anton (Rushdie’s pseudonym while he was in hiding) hit the shelves at the same time as a film, made in the United States mocking the Prophet Mohammad, sparked riots across the Muslim world leading to many deaths.
“It’s clear that you have to defend things you don’t agree with,” he said, when asked if he thought the film should have been censored in any way.
“What is free speech if it’s only for people that you agree with? Often in the free speech argument you find yourself defending stuff you really dislike. I’ve seen this film and it’s as bad as it can be. It’s so incompetent that you wonder how anyone can get upset about it.”
He described what he called the “outrage industry” in which people deliberately “inflamed the faithful”.
Part of that “industry” pointed the finger at him again in recent weeks, with a semi-official Iranian foundation upping the bounty on his head to $3.3 million.
Asked if he feared for his life, Rushdie replied: “The world is a dangerous place and there’s never a 100% guarantee, but in general for the last decade it’s been really okay.”
The author who won a Booker Prize in 1981 for Midnight’s Children said he saw hope for a better understanding between Muslim and non-Muslim countries, but only in the long-term.
“I’m less optimistic in the short-term because I think right now the temperature is very high, but in the medium- to long-term I think it will change,” he said.
“In those countries in which Islamic radicalism has been most powerful it’s also most disliked. So the people of Iran are not enamoured of the Ayatollah’s regime, the people of Afghanistan were not enamoured of the Taliban.”
He believed the Arab Spring uprisings had failed, but that the fight for a free society would not go away.
“I think in the long-term you have to believe that this very young population in the Arab world demanding a better life for itself will somehow make its views known and I don’t think we’ve heard the last of that.”
Praise for son
Elements of Joseph Anton are intensely intimate. It speaks of the death of close friends and family members including Rushdie’s first wife Clarissa, while his second wife Marianne Wiggins is portrayed as delusional.
He points fingers at those he thought betrayed him, although in the interview he denied setting out to settle scores.
His elder son Zafar, who was nine when the fatwa was declared and who saw his father only occasionally in the first few years, features prominently.
“In a way he had a harder job than me because he had to grow up too,” he said of his son.
“He was nine when this began, he was 21 when it ended so that’s an extraordinary atmosphere in which to grow up having to conceal your father’s home address from your friends.
“He could easily have been messed up by it, but instead he comes out of it serene, good-natured mature, much calmer than me. I’m the arm-waver in the family. He’s the sort of unflappable voice of serenity and reason.”
He said he was worried when his second son Milan was born.
“I thought, ‘here I am bringing another child into this nightmare and what are we going to do? How is he going to go to school? Does he have to start lying at the age of two?
“In the end I just thought that it was a kind of act of optimism to have a child. It was a way of saying there’s going to be a life after this.”
Rushdie said the fatwa was not something he would choose to live through, even though it made him one of the world’s best-known writers and opened doors to the great and good from President Bill Clinton to U2’s Bono and downwards.
“I would have much rather it hadn’t [happened],” he said.
“But given that it did I am prepared to try and use that experience in order to say what I think about what’s happening.
“If you had offered me, on February 13, 1989 for this not to happen on February 14 I would have taken you on, because I was perfectly content with my life as it was. I had a good life as a writer, I had written some books that were well-liked.
“I would much rather have my 40s back. I was 41 when it started and that decade, which is supposed to be the prime of life, for me turned into a kind of nightmare.”
Wig disguise
Joseph Anton is a highly personal account of Rushdie’s life on the run, of relationships which flowered and died, of swanky parties where he rubbed shoulders with the rich and famous and of years of despair and frustration.
It is tragic, funny and at times both.
Rushdie recalls scurrying to the bathroom to avoid being discovered by the cleaning lady in one of many safe houses. His guards suggest a wig as a disguise, but when he goes out wearing it a man calls out: “There’s that bastard Rushdie in a wig.”
He said he hoped Joseph Anton would help him move on from his past, and in particular the fatwa: “I think it’s a way of drawing a line under it, you know?”
With a broad smile, he concluded: “I do think that in future, if I do publish future books and somebody wants to go back into this story I can just hit them over the head with a 600-page book.” 

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Einstimmig: Erlanger SPD will offenbar mehr tote deutsche Soldaten

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Die SPD Erlangen hat sich in ihrer jüngsten Kreismitgliederversammlung einstimmig gegen den militärischen Einsatz von unbemannten militärischen Flugkörpern (Drohnen) gewandt. Der Beschluss fordert die SPD-Bundestagsfraktion auf, gegen entsprechende Anschaffungspläne der Bundeswehr zu stimmen. Mit einem Antrag an den SPD-Parteikonvent im November will der SPD-Kreisverband erreichen, dass sich die gesamte SPD gegen den militärischen Einsatz von Drohnen ausspricht. Der Beschluss im Wortlaut:

Dieser Beschluss zeugt von erschreckender technischer und militärischer Unkenntnis ebenso wie von einer eklatanter Verachtung der Parlamentsarmee und der Sicherheit  von Leben und Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.

Zum technisch-militärischem Grund:

Drohnen sind nicht zwangsläufig bewaffnet. Zitat:  
"Ein unbemanntes Luftfahrzeug, auch Drohne genannt, ist ein Fluggerät der unbemannten Luftfahrt, das zur Überwachung, Erkundung, Aufklärung, als Zieldarstellungsdrohne und mit Waffen bestückt insbesondere in Kampfgebieten verwendet werden kann." Quelle

Mit dem SPD-Beschluss müsste man also auch die gesamte Fernaufklärung unterbinden.
Bewaffnete Drohnen hingegen sind, schlicht gesagt, Distanzwaffen. Also Waffen, die ohne unmittelbaren körperlichen Kontakt der Gegner (in der Ferne) zur Wirkung gebracht werden. (Quelle).

Die Entwicklung von Distanzwaffen begann mit dem geworfenen Stein, dann einen Ast (woraus der Speer wurde). Pfeil und Bogen bis zu Feuerwaffen und deren Trägersystemen Flugzeug, Schiff, Landfahrzeug.
Ziel und Zweck ist es unter anderem, die eigenen Kräfte weitgehend zu schützen vor den Einwirkungen des Gegners. Wer also den Einsatz von Distanzwaffen und deren Trägersysteme untersagen will, redet der direkten Konfrontation mit gegnerischen Kräften das Wort. So sich denn der Gegner ebenfalls an ein solches Verbot halten würde. Meiner Meinung nach würde der Gegner erstmal in Gelächter ausbrechen und dann die schutzlose Infanterie aus der Distanz massakrieren. 

Weitreichende, durchdachte Beschlüsse zu  "Frieden" hat die Erlanger SPD ja noch mehr zu liefern:
"Die militärische Intervention der NATO in Libyen muss so rasch wie möglich beendet werden. Wir fordern eine sofortige Waffenruhe und die Aufnahme von Verhandlungen zwischen dem Regime und den Reformkräften mit UN-Unterstützung" Quelle: Libyen-Resolution des Kreisvorstandes des SPD Kreisverbandes Erlangen-Stadt, 12.5.2011
 Die Exillibyern werden solche Töne sicher mit Interesse gelesen haben. Und ganz sicher haben die Libyer jetzt auch eine klare mehrheitliche Meinung zum NATO-Einsatz.....

Weniger der Umstand dieser Beschlüsse (kann man so sehen, ist auch Standpunkt linksradikaler Splitterparteien sowie der NPD) als die Einstimmigkeit, mit der solche weitreichenden Beschlüsse gefasst sind, lassen mich an der pluralistischen Einstellung in der SPD zweifeln. Man sollte doch meinen, dass unter ein paar hundert Erlanger SPD-Mitgliedern doch wenigstens eine kleine Minderheit für eine wehrhafte Demokratie und die Bekämpfung antidemokratischer, antiemanzipatorischer diktatorischer Regime steht.

W.I.Lenin schrieb:

"Die Sozialisten haben die Kriege unter den Völkern stets als eine barbarische und bestialische Sache verurteilt. Aber unsere Stellung zum Krieg ist eine grundsätzlich andere als die der bürgerlichen Pazifisten (der Friedensfreunde und Friedensprediger) und der Anarchisten. Von den ersteren unterscheiden wir uns durch unsere Einsicht in den unabänderlichen Zusammenhang der Kriege mit dem Kampf der Klassen im Innern eines Landes, durch die Erkenntnis der Unmöglichkeit die Kriege abzuschaffen, ohne die Klassen abzuschaffen und den Sozialismus aufzubauen, ferner auch dadurch, daß wir die Berechtigung, Fortschrittlichkeit und Notwendigkeit von Bürgerkriegen voll und ganz anerkennen, d.h. von Kriegen der unterdrückten Klasse gegen die unterdrückende Klasse, der Sklaven gegen die Sklavenhalter, der leibeigenen Bauern gegen die Gutsbesitzer, der Lohnarbeiter gegen die Bourgeoisie. Von den Pazifisten wie von den Anarchisten unterscheiden wir Marxisten uns weiter dadurch, daß wir es für notwendig halten, einen jeden Krieg in seiner Besonderheit historisch (vom Standpunkt des Marxschen dialektischen Materialismus) zu analysieren. Es hat in der Geschichte manche Kriege gegeben, die trotz aller Greuel, Bestialitäten, Leiden und Qualen, die mit jedem Krieg unvermeidlich verknüpft sind, fortschrittlich waren, d.h. der Entwicklung der Menschheit Nutzen brachten, da sie halfen, besonders schädliche und reaktionäre Einrichtungen (z.B. den Absolutismus oder die Leibeigenschaft) und die barbarischsten Despotien Europas (die türkische und die russische) zu untergraben."


Mit ihrer nahezu pazifistischen Haltung verleugnet die Erlanger SPD die linken kämpferischen Traditionen gegen Faschismus und Diktatur:

Die bayerischen Rätebrigaden
http://zwirlein.userweb.mwn.de/img/page3.7.jpg

Die Interbrigadisten der Republik Spanien 


Westliche und östliche Partisanen
http://3.bp.blogspot.com/_SmQk2jClOU4/S9Ul2wZIS4I/AAAAAAAABTc/CWvvt6jTu_Q/s1600/Kovpak_partisanki.jpg

Und die Alliierten des WW2





Wer zu Hause bleibt

Bertolt Brecht

Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt
Und lässt andere kämpfen für seine Sache
Der muss sich vorsehen: denn
Wer den Kampf nicht geteilt hat
Der wird teilen die Niederlage.
Nicht einmal den Kampf vermeidet
Wer den Kampf vermeiden will: denn
Es wird kämpfen für die Sache des Feinds
Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.






Fortsetzung folgt.

Freitag, 12. Oktober 2012

Liebe Feministinnen, liebes Weibsvolk!


Ich bin in den letzten Tagen ein bischen kränklich mit beschissener Migräne und vorher noch eben mit einem Wasserschaden im Keller zugange gewesen und habe (davor) viel Zeit mit dem Lesen einschlägiger (und anderer^^) Blogs verbracht. Und dabei kamen mir einige Gedanken in den getrübten Sinn. Und weil ich ja irgendwann mal angedroht hatte über Politik und Liebe und Feminismus zu schreiben … bin ich jetzt sauspät dran, aber trotzdem:  bitteschön.
Ich bezeichne mich ja auch gerne mal als Feministin. Weil ich Frauen toll finde. Jetzt weniger sexuell, da liegt der Schwerpunkt schon woanders. Aber Frauen sind super. Genau wie Männer. Frauen sind anders. Und Frauen habens nicht immer leicht. Was auch für Männer gilt. Frauen haben aber diese ganze Reproduktionsnummer am laufen und Frauen werden schlecht bezahlt, Frauen sind in ganz anderem Maß als Männer sexualisierter Gewalt ausgesetzt und sind in vielen Bereichen diskriminiert und benachteiligt, in denen Männer das nicht sind. Dass Männer auch geschlechtsspezifische Schwierigkeiten haben lasse ich bewusst jetzt mal hinten runter fallen.
Woher ich das alles zu wissen vermeine? Nun, ich schaue durch meine eigene -weibliche- Brille in die Welt, ich bin Mutter, alleinerziehende Mutter zweier Töchter von zwei verschiedenen Vätern von denen einer sich totgesoffen hat und der andere sich jedweder Verantwortung entzieht aber Großmeister im Schwingen von klugen Reden ist und mir das Leben an jeder sich bietenden Ansatzstelle gerne auch unter Zuhilfenahme des Jugendamtes mit Verweis auf mein privatestes Privatleben hobbiemäßig einfach gerne kackschwer macht, ich spüre die damit einhergehenden Erschwernisse (Finanzen, Organisation, Berufstätigkeit, Fremdbestimmung, blabla.) tagtäglich. Ich habe im beruflichen Kontext schon einiges mit Frau-Sein und Eltern-Sein zu tun gehabt und habe es noch. Ich habe sexualisierte Gewalt erlebt, ich wurde in einem kruden Rollenverständnis aufgezogen, ich hatte mit der Kirche zu schaffen die zeitweise mein Dienstherr war, ich habe mir die Männer angeguckt und ich bin nicht ganz blöd. Hab ich mir sagen lassen. Es gibt Tage, da seh´ ich das anders, anyway.
Ich lese meist gerne die einschlägigen Blogs (und lasse mich da gerne belehren, was man/frau/mensch darüber hinaus noch lesen könnte) wie die Mädchenmannschafthigh on clichés, die fuckermothers und ja, ich gestehe: ich lese auch gerne Mamablogs wie die zauberhafte glücklichscheitern odermutterseelenalleinerziehend und einen ganzen anderen Haufen (wie das catzenkind zum Beispiel) den ich hier jetzt aber nicht en detail aufzähle. Doch, aufzehenspitzen noch weil ich da auch gerne lese undfeministmum weils da die Tage ja ganz schön hoch her ging.
Was mir aufgefallen ist in den letzten Tagen, und das ist was was ich bei Frau Schwarzer schon nicht leiden kann ist: Die Debatte (v. a. in den Kommentaren) wirkt tierisch verkrampft. Mag sein, dass ich gar nicht up to date bin weil ich in den letzten Jahren weniger mit feministischem Klüngel als mit dem echten Leben befasst war und den Punkt verpasst habe, an dem aus einer guten und wichtigen Bewegung ein Haufen Krampfhennen (wer sich an dieser Stelle angesprochen fühlt und ärgert wird es zu recht tun. Der Rest betrachtet sich einfach als nicht angesprochen) geworden ist.
Ich habe keinen Bock, jedes Scheiß-Nomen durchzugendern. Ich habe keinen Bock, bei jeder Äußerung fünf mal nachzudenken, wen ich damit jetzt wenn er-sie-es einen schlechten Tag hat gefühlt diskriminieren könnte, es kotzt mich an, dass Männer/Nichtfeministen/Andersdenkende (jaaaaahaaaa, ich setzt mich grad mit Wonne in die Nesseln) belehrt, bevormundet und rund gemacht werden. Ich finde es ätzend, dass das Weibsvolk statt sich in Solidarität und schlüssiger Argumentation zu üben (und ja, ich denke, das sollte auch Männer und alles dazwischen mit einbeziehen) sich über die “reine Lehre” streitet, sich gegenseitig vorhält, wer wie viel und vor allem viel viel mehr/härter/erfolgreicher/erfolgloser/geradliniger/politisch korrekter arbeitet, missioniert, reproduziert oder erzieht. Dabei werden fröhlich Randgruppen ausgegrenzt, Stereotypen abgearbeitet und Energien sinnlos verpulvert, die weissgott anderweitig sinnvoller eingesetzt wären.
Da stellt also einer so nen Beton-Mensch-ärger-dich-nicht in seinen Eingang. Geht halt woanders hin. Gibts keine Cafés in Berlin mehr? Da war auf dem Slutwalk irgendwas mit *politischkorrekt* People of Color und es gibt ein Riesengeschrei, dass das plötzlich ne rassistische Veranstaltung sein könnte und ausserdem ja kein safe-space wäre und es die Veranstalter/Initiatoren nicht geschafft und sich auch nicht ausreichend bemüht hätten, dafür zu sorgen, dass es einer wird. Hab ihr das selbst schon mal gemacht? So `ne Veranstaltung? Und dafür gesorgt, dass jede/r Anwesende sich uneingeschränkt zu jedem Zeitpunkt sicher gefühlt hat und in seiner Gesamtpersönlichkeit gewürdigt und bei allen Eventualitäten sein uneingeschränktes Wohlbefinden gewährleistet war?
Nein? Wundert mich nicht. Ist nämlich utopisch. Geht nicht. Es grüßt die Realität. (Da fällt mir grad noch was für die Meckerfraktion ein. Wenn die Blagen mal in dem Alter sind, versucht mal einen Kindergeburtstag mit …sagen wir fünf… kleinen Gästen zwischen drei und sechs zu veranstalten, ohne dass einer greint. Wenn ihr das geschafft habt meckert weiter. Viel Erfolg!)
Es werden auch nie alle Leute alle Nomen durchgendern. Es wird immer Übergriffigkeiten geben, es wird immer Ungleichheiten geben und das Reproduktionsthema, ich wage es zu behaupten, es wird immer und ewig schwerpunktmäßig Frauensache bleiben. Ich finde es völlig in Ordnung, darüber zu jammern wie anstrengend und kräftezehrend das Kinder-haben ist. Ist es. Und die, denen es ein einziger Freudentaumel ist beglückwünsche ich von Herzen. In meiner Welt ist es scheißanstrengend und da bleibt mir vor lauter zu bekämpfender Windmühlen keine Zeit für menschärgerdichnichtaufstellende Kaffehausinhaber oder selbstbeweihräuchernde Supermuttis. Die, die den Stein der Weisen in Sachen Kinder gefunden haben dürfen ihn gerne weiter reichen. Und zwar mit dem Respekt, der dem Andersdenkenden und vor allem anders empfindenden ANDEREN einfach gebührt. Punkt.
Ich sag euch was: Eure Kinder werden groß und die Fragen nicht weniger und das ist normal. Auch hier: Es gibt nicht die reine Lehre. Aber es gibt Inspiration, Konspiration und Miteinander. Das wäre, was ich unter Müttern gerne sehen möchte und ich ziehe meinen Hut vor denen, die all das in ihren Blogs zum Thema machen und sich die teilweise haarsträubenden Kommentare reinziehen. Die Diskussion geht ja mittlerweile bis zu dem Punkt: Wie gebiert/stillt/rückbildet man politisch korrekt. Hackt`s? Die von euch sich zwischen den Presswehen Gedanken über die politische Korrektheit der Hechelatmung gemacht hat werfe den ersten Stein. Freilich gibt es da viel zu bereden und zu verbessern. Aber lasst die Leute doch tun, was sie für sich als das Beste vermuten. Geht davon aus, dass auch bei anderen Menschen das Apfelkuchenprinzip gilt: Erfahrungen und Apfelkuchen sind selbstgemacht am Besten.
Es gibt (geschlechts-)spezifische Unterschiede und ich sag euch was: Das ist gut so.
In meinen Augen gibt es genug Themen, für die es sich lohnt, sich den Arsch auf zu reißen. Hat sich jemand von euch schon mit der Novellierung des Prostitutionsgesetzes befasst? Ist ja auch im Kern ein Frauenthema, oder? Was tut ihr um in eurem Umfeld Kinderbetreuung kostengünstig und flexibel zu gestalten? Bietet ihr Lösungen an oder wenigstens Inspiration oder redet ihr klug daher? Ja, Noten sind unschön. An Schulen, an Unis und sonstwo. Bewertung macht aber Sinn und ja, das mag ein Dilemma sein weil detaillierte Bewertung Zeit braucht und damit Geld kostet und Geld ist knapp beim arbeitenden Volk, grad wenn´s Kinder hat.
Anyone sich mal überlegt, dass Dinge die gut gemacht werden sollen auch Spaß machen müssen? So macht Feminismus, Frauenarbeit, Engagement für Weiberkram keinen Spaß. Gestreite, Rechthaberei und Selbstdarstellung. Und zwar auf Kosten anderer. Auf Kosten derer, für die ihr eigentlich sprechen und arbeiten wollt: andere Frauen.
Nehmt doch mal bitte die Stöcke aus dem Arsch. Fasst euch mal an den Händen und seid nett zueinander. Das sind so Tugenden, die meine Großmutter noch drauf hatte. Würde dem feministischen Netznachwuchs auch gut tun. Einfach mal vom Thron runtersteigen und sich geschmeidig machen und einsehen, dass man zwar für sich selbst absolut recht haben kann, sich das aber nicht zwingend auf das Gegenüber/nebendran/irgend jemand anders übertragen lässt. Die eine fühlt sich auf dem Slutwalk sicher, die andere nicht. Ich war 2011 dabei und habe mich keine Sekunde gefürchtet. Freilich gucken die Fotografen nach Titten und Ärschen. Sie sind Fotografen die mit Bildern von Titten und Ärschen Geld verdienen wollen. Seid doch stolz drauf, dass sie eure Ärsche mögen. Ohne diese TittenundArschfotos hättet ihr womöglich nie von den Slutwalks erfahren, hätten viele Leute sich nicht interessiert und wäre das Thema nicht aktuell geworden.
(Und wenn ihr nicht fotografiert werden wollt sagt es oder -und ich weiss, dass ich mich damit unbeliebt mache: tretet eben etwas weniger fotogen auf. Ich sage nicht: Wer seine Titten raushängt wird eben vergewaltigt. Ich sage: wer seine Titten in der Öffentlichkeit raushängt riskiert, fotografiert zu werden und muss den Arsch in der Hose haben, sich entweder dagegen zu wehren oder mit entsprechendem Bildmaterial zu leben. Und das liegt in seiner ureigensten, persönlichen Verantwortung, das ist eine höchstpersönliche Entscheidung und die ist weder aus der aktiven noch aus der passiven Perspektive übertragbar. Will heissen: Keiner hat dir zu sagen, was du trägst. Und wenn einer auf deinen öffentlich zur Schau gestellten nackten Arsch glotzt ist das dein persönliches Lebensrisiko. So lang er dich nicht anfasst oder dumm anquatscht ist doch alles prächtig.)
Amen.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Steuer-Boykott aus Gewissensgründen

Heute steht in den "Erlanger Nachrichten" folgender Artikel:



Dazu meine Meinung:

Sehr geehrte Frau Löw,

das ist eine hervorragende Initiative. Ich überlege, ähnliches zu tun. Der penisionierte Beamte und Gewissensverweigerer Vetter sowie seine Paxchristlichen Mitstreiter verursachen bei mir ebenfalls heftige emotionale Erregung und Gewissensbisse. Herr Vetter lebt als Beamter und jetzt als Pensionist ebenfalls von Steuern. Von meinen, unter anderem. Die Paxchristen werden samt ihren bayerischen Bischöfen ebenfalls von meinen Steuern bezahlt. Das erschüttert mich täglich mehr, mein Leid wird nachgerade unerträglich. Ich schlage daher vor, ein Netzwerk "Den Raubzug der Kirche beim Staat stoppen - Steuern ohne religiöse Indoktrinationen" aufzubauen und die jährlichen Subventionen von ca. 15 Milliarden Steuer-Euros für die Kirchen einzubehalten.
Ich hoffe auf ebenso warme Worte des Mitgefühls des Vorsitzenden Richters, wenn ich das von den Religionen verursachte unermessliche Leid auf dem Tisch des Gerichtes präsentiere. Das gesparte Geld könnte man direkt in den "Bundesmilitärfond" umleiten. Die mangelhafte Ausrüstung der Bundeswehr bei der Bekämpfung der Terrorbanden von Taliban und co. sollte dann deutlich aufgebessert werden können.

Mit freundlichen Grüßen,

Freitag, 5. Oktober 2012

Neun Thesen zur Beschneidungsdebatte aus laizistisch-humanistischer Sicht


Das Kölner Beschneidungsurteil vom 7. Mai 2012 – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Vertiefung des säkularen Rechtsstaates
Neun Thesen aus laizistisch-humanistischer Sicht

1. Mit seinem Urteil zur Strafbarkeit religiös motivierter Beschneidungen an Knaben hat das Kölner Landgericht völlig unverhofft einen rechtspolitischen und kulturellen Meilenstein gesetzt. An einer sensiblen Materie hat es verdeutlicht, dass Kinder nicht die Leibeigenen ihrer Eltern sind, sondern deren Schutzbefohlene. Kinder sind eigene Rechtssubjekte mit allen Menschenrechten, nicht zuletzt denen auf körperliche Unversehrtheit und auf negative Religionsfreiheit.


2. Eltern haben unstrittig das Recht und die Pflicht, ihre Kinder gemäß ihrer eigenen Weltanschauung, sei sie säkular oder religiös, zu erziehen, freilich nur im Rahmen des verfassungsmäßig geschützten Menschenrechtskanons; der für alle gilt unabhängig vom Alter. Insofern dürfen atheistische Eltern ihre Kinder religionslos und religionskritisch erziehen. Religiöse Eltern dürfen ihre Kinder in den Anschauungen ihrer jeweiligen Religion erziehen. Verwehrt ist ihnen freilich dabei, irreversible oder als irreversibel vorgestellte Mitgliedschaften überzustülpen. Denn dieser unfaire Paternalismus nutzt den kindlichen Zustand der Wehrlosigkeit und Unmündigkeit aus und verletzt das Recht, nur freiwillig und ohne Zwang einer Religion oder Weltanschauung beizutreten oder eben nicht beizutreten. Die Illusion einer neutralen Erziehung sei in diesem Zusammenhang ausdrücklich als solche benannt und zurück gewiesen.


3. Die positive Religionsfreiheit der Eltern findet ihre unüberschreitbare Schranke an der negativen Religionsfreiheit ihrer Kinder. Mit deren Erreichen der Religionsmündigkeit entsteht dann die Möglichkeit, selbständig über die Zugehörigkeit einer zu einer Religion und die etwaige Teilnahme an ihren Initiationsriten zu entscheiden. Allerdings empfiehlt es sich – angesichts der Komplexität der zu treffenden Entscheidungen und im Interesse ihrer Ernsthaftigkeit –, das heutige Alter der Religionsmündigkeit von vierzehn Jahren auf das allgemeine Mündigkeitsalter von achtzehn anzuheben.


4. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland benennt die rechtlichen Regeln zur Lösung der zur Debatte stehenden Probleme in unüberbietbarer Eindeutigkeit. „Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden.“ (Artikel 140 Absatz 4, vollgültig aus der Weimarer Reichsverfassung ins Grundgesetz integriert) Im Lichte dieser kristallklaren Formulierungen, die nur aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden müssen, erweisen sich die Initiationsriten der drei abrahamitischen Religionen, vollzogen an kleinen Kindern, allesamt als rechtwidrig, ja als verfassungswidrig. Hier werden junge Menschen nicht nur zur „Teilnahme an religiösen Übungen…gezwungen“, hier werden sie zu deren Objekt degradiert, zu deren Opfer gemacht.


5. Unbeschadet dieser Gleichheit in der rechtlichen Unzulässigkeit sollte freilich die beachtliche Differenz zwischen Beschneidung und Taufe nicht unterschlagen werden. Die Taufe ist harmloser, denn sie verletzt nicht schmerzhaft den kindlichen Körper, und es fließt kein Blut. Insofern stellt sie in der Geschichte religiöser Initiationsriten einen zivilisatorischen Fortschritt dar, der mit dem Namen des Apostels Paulus verbunden ist.
War noch der als göttlich verehrte Erlöser, Jesus Christus, selbst als Jude beschnitten, so verwarf Paulus die Beschneidung der männlichen Vorhaut als Zeichen eines Gott wohlgefälligen Lebenswandels und setzte an deren Stelle eine spirituelle „Beschneidung des Herzens“. Damit wurde endlich auch die weibliche Hälfte des Menschengeschlechts gleichberechtigt in die unmittelbare Gottesbeziehung mit einbezogen. Paulus lehrte, vor Gott zähle nur die Reinheit der Gesinnung, eben der „Glaube“, der in der Liebe tätig sei. Damit war zugleich auch religiösen Kleider- und Speisegeboten argumentativ der Boden entzogen.


6. Das hohe Alter von Traditionen und die identitätsstützende Inbrunst, mit der bestimmte religiös motivierte Praktiken heute verteidigt werden, besagen überhaupt nichts über deren ethische Qualität, über deren lebensdienliche Sinnhaftigkeit und über deren rechtsstaatliche Legitimität. Die Religions- und die Kirchengeschichte sind voll der bizarrsten Verirrungen und schauerlichsten Verbrechen, gepriesen in „heiligen“ Schriften als gottgewollte und gottwohlgefällige Glaubensinhalte. Tieropfer, Menschenopfer, Hexenverbrennungen, Ketzerverbrennungen, Verfolgung Andersgläubiger und Ungläubiger, Judenpogrome, Steinigungen von Ehebrecherinnen – Jahrhunderte lang, oft Jahrtausende lang galten sie als göttlicher Wille, bekräftigt von höchsten, für heilig gehaltenen Autoritäten, oft mit Unfehlbarkeitsanspruch. Wer dies kritisierte oder bezweifelte, war selbst der Gottlosigkeit verdächtig.
Im Zusammenspiel von interner und externer Kritik, im Bündnis von Aufklärung und Staatsmacht wurden schließlich die gröbsten dieser Verfehlungen beendet oder es wurde deren Beendung eingeleitet. Beispielgebend sei an das Verbot hinduistischer Witwenverbrennungen 1829 durch die britische Kolonialmacht in Indien erinnert. Nach der kuriosen Logik mancher heutiger Beschneidungsapologeten wäre dies als ein arroganter Eingriff in die Religionsfreiheit von Hindus und als kulturell unsensibler Akt eurozentrischer Respektlosigkeit vor Jahrtausende alten religiösen Traditionen zu verdammen, ein frühes Beispiel für „Vulgär - Rationalismus“ (Navid Kermani). Kluge Argumente und hilfreiche Informationen zur intensiven innerjüdischen und innerisraelischen Kritik an Bescheidung finden sich auf der englischsprachigen Internetseite „Jews against Circumcision“.

7. Das Urteil des Kölner Gerichtes steht nicht so isoliert da, wie es auf manche überraschte Kommentatoren gewirkt hat. Es bringt an einem konkreten Einzelfall auf den juristischen Punkt, was hierzulande in den letzten Jahren und Jahrzehnten an gesellschaftlichem Problem- und Wertbewusstsein herangereift ist. Die aufwühlenden Berichte über Genitalverstümmelungen in Afrika und Europa, vorgenommen von Frauen bei Mädchen, haben zugleich ein ebenso breites wie berechtigtes Interesse an der Frage geweckt: Mit welchem Recht amputieren eigentlich Ärzte und so genannte Beschneider an den Geschlechtsorganen kleiner Jungen herum?
Kundigen Medizinern mit Praxiserfahrung und mutigen Juristen ist es zu verdanken, dass das Thema „religiös motivierte Knabenbeschneidung“ umfassend in internationalen Fachzeitschriften erörtert wurde. An einem zufälligen Einzelfall wurden dann von einem unabhängigen Gericht in Deutschland die richtigen Konsequenzen gezogen. Die Idee einer gewaltfreien Erziehung und die Idee der individuellen Selbstbestimmung gerade in religiös-weltanschaulichen Fragen sind die beiden tragenden Leitideen – geboren in der europäischen Aufklärung -, die den freiwilligen Verzicht auf die abrahamitischen Initiationsriten empfehlen oder notfalls deren Verbot begründen.


8. Die europäische Aufklärung war eine befreiende Wohltat für alle Lebensbereiche nicht nur auf ihrem Ursprungskontinent. Am Beispiel der religionskritischen Hauptschrift Immanuel Kants „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (1793 / 94) sei das Säurebad vergegenwärtigt, in das er vornehmlich die christliche Religion legte. Diese Kur sei allen jenen heute empfohlen, die meinen, aus welchen Gründen auch immer, die Knabenbeschneidung verteidigen zu sollen. Kant schreibt: “Ich nehme erstlich folgenden Satz als einen keinen Beweises nötigen Grundsatz an: alles, was außer dem guten Lebenswandel der Mensch noch tun zu können vermeint, um Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes.“ ( Viertes Stück, 2.Teil, § 2, erster Satz; Zeichensetzung behutsam modernisiert)
Ein starker Text mit starken Worten! Geleitet vom Idealbild einer gereinigten Vernunftreligion prangert Kant all das als „Religionswahn“ (!) und „Afterdienst Gottes“ (!) an, was über den guten Lebenswandel hinausgeht, wie etwa die Beschneidung. In der Tat: ist es nicht absurd sich vorzustellen, der erhabene Schöpfer aller Dinge wolle geehrt werden durch die blutige Amputation der männlichen Vorhaut, die er doch selber in seiner grenzenlosen Weisheit und Güte geschaffen hat?


9. Die Initiationsriten der drei abrahamitischen Religionen, Taufe und Beschneidung, sind archaische Relikte der Zwangsmissionierung. Im kindlichen Zustand der Hilflosigkeit und Unmündigkeit werden massenhaft Mitglieder zwangsrekrutiert, ein Vorgang, den kein Rechtsstaat dauerhaft tolerieren kann. Auch unbeschnitten und ungetauft können wir guten Gewissens, guten Muts, mit guter Laune und mit gutem Erfolg durchs Leben gehen. Um ein sinnvolles Leben zu führen, brauchen wir andere Initiationshelfer: ein liebevolles und bildungsfreundliches Elternhaus, dessen anfängliche Erziehung in eine lebenslängliche Selbsterziehung mündet.

Wir werden immer älter. Weil es uns gut geht. Für manche ein Problem

Die Lebenserwartung im Land steigt sprunghaft. Das passt nicht zusammen mit dem Gerede davon, dass wir immer schlechter essen und uns die Schulmedizin kaputt macht.

Wir werden immer älter. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes können neugeborene Mädchen heute damit rechnen, fast 83 Jahre alt zu werden, neugeborene Jungen fast 78. Auch für die heutige Rentnergeneration gilt: Sie werden im Durchschnitt erheblich älter als ihre – zeitlich versetzten – Altersgenossen vor ein, zwei Jahrzehnten. Die Lebenserwartung der Deutschen steigt in jedem Kalenderjahr um zwei bis drei Monate!

Nun kann man sich darüber streiten, ob wir alle uns darüber freuen sollen oder lieber doch davor fürchten, dass die Gesellschaft überaltert. Niemand kann bezweifeln, dass heutige 65-jährige – körperlich und geistig – erheblich agiler sind als dieselbe Altersgruppe in den 70er Jahren. Tennisplätze, Joggingpfade, Klettersteige und ähnliches sind schon heute fast reine Rentner-Parcours. Vor einer Generation noch undenkbar, zahlenmäßig wie konditionell. Quantitativ wie qualitativ spricht deshalb auch alles dafür, dass die Menschen wenigstens ein paar Monate länger arbeiten. Natürlich, ja, ja, gewiss, kommt nun die Klage, dass Arbeitsplätze für Alte fehlen. Mag ja sein, für manchen Jüngeren übrigens auch. Die Statistik sagt uns aber, dass heute wieder deutlich mehr aus der Altersgruppe über 60 in Lohn und Brot sind sind als noch vor einigen Jahren, Tendenz steigend. Die Richtung passt also, warum sollen wir davor die Augen verschließen? Doch darum soll es hier eigentlich gar nicht gehen.

Wichtiger ist die Feststellung: Die steigende Lebenserwartung ist ein Zeichen dafür, dass es uns immer besser geht. Oder werden wir immer älter, weil es uns schlechter geht? Aus innerer Trotzhaltung heraus etwa?
Die medizinische Versorgung – und da spielt nach wie vor die oft so verpönte Schulmedizin die größte Rolle – ist dafür verantwortlich wie auch die Ernährung, die uns offenbar doch nicht umbringt, auch wenn der Zeitgeist genau dies oft genug vorgaukelt. Die Nahrungssicherheit ist erheblich größer geworden. Man ist, was man isst, und das hat eben auch Einfluss auf die Gesundheit. Wenn es bei einem großen Catering-Unternehmen fürs Schulessen jetzt einmal Probleme gab, beherrscht das zwar
tagelang die Nachrichten (zu Recht, um die Sicherheitsstandards aufrecht zu halten). Zum einen ist dadurch aber niemand wirklich ernsthaft zu Schaden gekommen. Zum zweiten kann keiner ehrlich behaupten, dass Mamis Wurststullen stets und republikweit frei von Bakterien oder Schimmel wären, oder kleinere Betriebe vor Skandalen gefeit. Einen Startvorteil haben die allerdings: Ihre begrenzte Reichweite schützt sie davor, mit einer vergammelten Lieferung in die Abendnachrichten des ZDF zu kommen.
All das sollte denen zu denken geben, die nicht ablassen wollen von ihren Forderungen an Papi Staat, der uns im besten Paternalismus mit Lebensmittelampeln, öffentlich-rechtlichen Restaurant-Ratings, Bionahrung für Alle und Ähnlichem beglücken soll. Ganz nebenbei straft die rapide steigende Lebenserwartung auch alle diejenigen Lügen, die da meinen, wir würden immer stärker von Elektrosmog vergiftet, von Strahlen verkrebst, vom Feinstaub hingerafft.

Eines war jetzt, im Zusammenhang mit den neuen Zahlen zur Lebenserwartung, unausweichlich und erwartbar: Die Feststellung, dass reiche Menschen älter werden als arme. Wer meint, anspruchsvoll und kritisch zu berichten, kann auf den Schlenker nicht verzichten, nachdem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und das Robert-Koch-Institut dies jetzt ermittelt haben.
Es wird wohl stimmen. Alles andere hätte mich ehrlich gesagt auch zutiefst gewundert. Die Frage ist nur, warum dies nicht bei allen anderen Lebensbereichen ständig ebenso betont wird: Reiche haben die größeren, schöneren Wohnungen und Häuser, fahren die dickeren (und sichereren) Autos, machen die besseren Urlaubsreisen, tragen die besseren Klamotten. Reiche Männer haben die schöneren Frauen (reiche Frauen auch mal die jüngeren Männer). Statistisch alles belegt, an Forschungsgeldern für solche Selbstverständlichkeiten mangelt es nicht, man scheint es mit wachsender Begeisterung zu lesen. Natürlich können sich Wohlhabende auch die bessere Nahrung und die bessere Medizin leisten. Und: Sie haben die bessere Bildung – und deshalb ein höheres Gesundheits- und überhaupt allgemeines Zukunftsbewusstsein, kochen besser und vielfältiger, geben mehr für die Gesundheit aus – alles im Durchschnitt, wohlgemerkt. DIW und RKI sagen übrigens auch, dass die Unterschiede in der Lebenserwartung nicht nur im geringeren Budget begründet liegen.

Verbesserung bei Arbeitsschutz und Gesundheitsversorgung sind weiter gefordert und finden statt, aber wer solche Differenzen im Grundsatz als gesellschaftlichen Missstand sieht und deshalb prinzipiell beseitigen will, hat sich viel vorgenommen und würde sich – im unwahrscheinlichen Erfolgsfall – hinterher fragen, ob er das richtige Ziel verfolgt hatte. Wir kennen schließlich Beispiele für soetwas, auch aus der jüngeren deutschen Geschichte. Da ging es nicht allen besser sondern allen schlechter – und zwar in jeder Hinsicht.

Dabei ist diese Differenz, auf die DIW und RKI hinwiesen, wohlgemerkt relativ zu verstehen. In absoluten Zahlen trifft die gesteigerte Lebenserwartung alle gesellschaftlichen Gruppen, auch die Armen im Lande. Immer mal wieder ist die Partei „Die Linke“ zwar bemüht, uns weiszumachen, dass die Lebenserwartung in den armen Schichten im Laufe der Zeit sinke, getreu ihrer – absoluten – Verelendungstheorie, die zum unantastbaren historischen Erbe gehört. Und getreu der allzu platten Volksweisheit, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer würden (ansonsten wäre ja die Symmetrie in Gefahr und das Gesellschaftsbild droht zu kippen). Für ihre Behauptung jedoch musste sie die Daten der Rentenversicherung, die sie mal im Zuge einer parlamentarischen Anfrage  von der Bundesregierung erhielt, wissentlich oder unwissentlich fehlinterpretieren. Dennoch konnte sie mit ihren Falschmeldungen bei manchen einschlägigen Medien ausführliche Nachrichtenartikel landen. Leiharbeit, Jobunsicherheit, beruflicher Stress, die Linke war dabei schnell mit ihren Erklärungen für ein Phänomen („sozialpolitischer Gau“), das ein Phantom ist und kein Fakt.

Es ist nichts dran. Es geht uns besser denn je. Allen Schichten.

Quelle: http://donnerunddoria.welt.de/2012/10/03/wir-werden-alter-weil-es-uns-immer-besser-geht-manche-haben-probleme-damit/